Dienstag , 11. August 2020
Packen gerne mit an, wenn es um den Naturschutz geht: Nadine Ahlers, Stefanie Ahlers und Petra Mros (v.l.). Foto: t&w

Weil’s zusammen mehr Spaß macht

Scharnebeck. Der Geschmack der Zuckerschoten erinnert an kindliche Streifzüge durch Nachbars Garten, die Pflaumen an Omas Lieblingskuchen. Es sind Assoziationen wie diese, die Norbert Klose und Mitglieder des Vereins Naturoase Scharnebeck in den Sinn kommen, wenn sie sich hier und dort durch das Obst und Gemüse probieren, das sie vor Kurzem eingepflanzt haben.

Mit neugierigen Blicken mustern sie die neuesten Blüten und Knospen auf ihren Gartenparzellen an der Echemer Straße, zupfen hier und dort ein bisschen Unkraut. Seit ein paar Monaten setzen die Scharnebecker hier um, wovon sie schon länger träumen: einen Gemeinschaftsgarten, eine Insektenwiese und eine Kinder-Spielfläche.

„Wir brauchten einen Ansprechpartner“

Fast ein Jahrzehnt lag die Fläche, die eigentlich der Kirche gehört, brach. Wieder und wieder habe man versucht dort ein Pflegeheim errichten zu lassen, doch alle Verhandlungen platzten, erinnert sich die Kirchenvorstandsvorsitzende Sigrun Dressler. 2018 entschied sich die Scharnebecker Kirchengemeinde neue Wege zu gehen und rief die Bürger in ihrem Gemeindeblatt dazu auf, deren Ideen für eine Nutzung der Fläche einzureichen.

Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten und kamen zahlreich: von dem Wunsch einer biologischen Bewirtschaftung über den Schutz der heimischen Tierarten bis zum Spiel- und Entdeckungsort für Kinder war alles dabei. Ein bisschen mehr Natur in den Ort zu bringen, das war ganz im Sinne der Verpächter. „In Zeiten des Klimawandels ist es wichtig, Gelegenheiten zu nutzen, um etwas zu verändern. Wir wollten auch etwas tun“, sagt Dressler.

Man entschied sich, die Freifläche für alle drei Projekte zur Verfügung zu stellen, kostenfrei – aber unter einer Voraussetzung: „Wir brauchten einen Ansprechpartner“, so Dressler. Das war die Geburtsstunde des Vereins Naturoase Scharnebeck.

Keinerlei Vorerfahrung

Erbsen, Mangold, Rote Bete, Melonen oder Zucchini – es wächst und gedeiht eifrig in den 20 Quadratmeter großen Parzellen der Neugärtner. „Mein eigener Garten ist nicht groß genug. Ich bin hier um Erfahrungen zu sammeln“, sagt Norbert Klose, der eines der Beete bewirtschaftet. Sich austauschen, gemeinsam den Gartenbau kennenlernen und eine Bewirtschaftung frei von Kunstdüngern voran bringen – das sind die Ziele des Gemüsebeet-Projektes. Dazu braucht es keinerlei Vorerfahrung. „Wer mitmachen will sollte Interesse an ökologischen Themen haben und Lust, etwas auszuprobieren“, sagt Petra Mros aus dem Vereinsvorstand.

„Aber es gibt so viele Möglichkeiten, wie man sich einbringen kann“, ergänzt Stefanie Ahlers, die sich mit einigen Mitstreitern für die Pflanzung einer Insektenwiese eingesetzt hat. „Wir haben Blühpflanzen gesät, um dem Insektensterben entgegenzuwirken“, erklärt die Scharnebeckerin. Nicht nur Bienen sollen auf der Wiese auf ihre Kosten kommen. Totholzstapel, Insektenhotels und Vogelkästen sorgen dafür, dass unterschiedlichste Tierarten einen neuen Zufluchtsort auf der Fläche finden.

Jede Menge Handarbeit ist gefragt

Noch in der Planung ist die Spielwiese, die auch als Veranstaltungsort genutzt werden soll. Friederike und Michael Hagemann mit Sohnemann Simon finden es wichtig, dass schon die ganz kleinen Kinder lernen, mit der Natur umzugehen. Auch sie bewirtschaften eine der Parzellen und haben letztes Jahr von übrig gebliebenen Kartoffeln aus dem Keller bis hin zu Melonen alles gepflanzt, was ihnen in die Finger kam. „Wir haben eine Terrasse, aber hier ist es viel schöner, ein toller Ausgleich“, sagt Friederike Hagemann, die gerne nach dem Feierabend zu ihrem kleinen Garten schaut und kräftig mit anpackt.

Denn noch ist viel zu tun und jede Menge Handarbeit gefragt. So bringen die Hobbygärtner das Wasser für ihre Beete extra von zu Hause mit. „Wir planen aber einen Brunnen zu bauen“, sagt Petra Mros, die dafür noch auf grünes Licht vom Landkreis wartet. Und wenn das Wasser erstmal fließt, könnte aus dem alten Stück Land schon bald ein Naturbiotop werden – und das mitten im Ort.

Von Anke Dankers

Termin

Tag der offenen Tür

14 Mitglieder zählt der Verein „Naturoase Scharnebeck“ aktuell. Sie alle widmen sich unterschiedlichen Projekten. Mitstreiter sind willkommen, auch Gartenparzellen sind noch zu haben. Mitglieder zahlen derzeit einen Vereinsbeitrag von 24 Euro im Jahr. Interessierte, die sich das Projekt einmal genauer anschauen möchten, sind zum Tag der offenen Tür am Sonnabend, 24. August, zwischen 14 und 17 Uhr in die Echemer Straße eingeladen.