Freitag , 18. September 2020
Blick auf den 80 Meter hohen Pferdekopf im Büsenbachtal, unten im Tal verläuft der Büsenbach. Foto: ul

Wo ein Bach verschwindet

Handeloh. Es ist das Schicksal einer jeden Sehenswürdigkeit, sei sie natürlicher oder kultureller Art: Je bequemer sie zu erreichen ist, desto mehr Besucher muss sie ertragen. Das ist im Büsenbachtal nicht anders.

Wer also zumindest ein wenig Ruhe dort genießen möchte, sollte die Wochenenden meiden oder etwas mehr Zeit einplanen, um dem Trubel zu entkommen. Denn lohnend ist ein Ausflug in die idyllische Heidelandschaft allemal.

Wie ein glänzendes Band schlängelt sich der Büsenbach als kleines Rinnsal durch die Natur, plätschert durch eine malerische Landschaft, unter liebevoll angelegten kleinen Holzbrücken hindurch – normalerweise zumindest. Nachdem auch dieser Sommer wieder wenig Regen gebracht hat, ist das Bachbett zu weiten Teilen trockengefallen: Das Phänomen des nährstoffarmen Fließgewässers, das in seinem Verlauf im Untergrund versickert und weiter unterhalb wieder zu Tage tritt, ist derzeit somit nicht wirklich zu beobachten. Dem Reiz der Landschaft tut das keinen Abbruch.

Feld- ,Wald- und Wiesenlandschaften

Seinen Ursprung hat das Büsenbachtal in der Eiszeit, als die Gletscher Skandinaviens Sand und Steine bis nach Norddeutschland transportiert und sie auf ihrem Rückzug als riesige Schuttberge dort hinterlassen hatten. Wind und Wasser taten in den folgenden Jahrtausenden ihr Übriges, umformten die Landschaft und machten sie zu dem, was sie heute ist: Eine Enklave, eingebettet zwischen Feld- ,Wald- und Wiesenlandschaften, die als eine der schönsten Heideflächen gilt.

Denn die Heide ist es, die sich im Laufe der Zeit auf den kargen, sandigen Geestböden ausgebreitet hat – einst aber auch im Zentrum der Diskussionen stand: Nachdem Mitte der 19. Jahrhunderts ein Strukturwechsel in der Landwirtschaft das Ende ihrer unrentablen Bewirtschaftung einläutete, war ihre Zukunft ungewiss: Die einen wollten sie erhalten, die anderen die Flächen aufforsten oder sogar bebauen – letztlich setzte sich der Sinn für die Natur durch: Bereits 1939 wurde das Büsenbachtal als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Zum Glück.

Denn hier findet sich auf engstem Raum alles, was einen kleinen Ausflug so lohnenswert macht: Dunkelgrüne, knorrige Wacholder säumen die Wege, mächtige Kiefern und silber-weiße Birken setzen einzelne Farbmerkmale, das Bild aber prägt die Heide mit ihrer typischen lila Tönung und bietet dem Auge unendlich viel Ruhe.

Überall laden Bänke zur Rast

Die Tour folgt vom Parkplatz aus zunächst einem breiten, flachen Weg, parallel zum Büsenbach – wenn er denn genug Wasser führt, leitet dann über sandige Pfade bis zum Pferdekopf: Immerhin 80 Meter misst die kleine Anhöhe, von der aus sich ein reizvoller Blick über das Tal bietet. Zurück geht es über eine kleine Holzbrücke, die – obwohl sich die andere Seite des Baches, der an dieser Stelle tatsächlich auch fließt, mit einem Sprung leicht erreichen ließe – ihren eigenen Beitrag zum idyllischen Panorama leistet.

Nach einer Stunde ist der Ausgangspunkt wieder erreicht – muss er aber nicht: Abseits der kleinen Rundtour führen zahlreiche Wege in die Heide: Das Tal ist groß genug, um es eine Weile zu erkunden, aber doch so klein, dass man sich nicht darin verlaufen kann. Überall laden Bänke zur Rast, Familien machen Picknick am Bach. Wer es ein wenig gediegener mag, kehrt im nahe gelegenen Café Schafstall ein: Selbstgebackene Kuchen, aber auch Herzhaftes aus nachhaltigem und regionalem Anbau verwöhnen den Gaumen, bilden den Abschluss eines gelungenen Ausflugs und seiner Vielzahl von Eindrücken.

Von Ute Lühr

Der Weg ins Tal

Gut zu erreichen

Das Büsenbachtal ist mit der Heidebahn Erixx (RB 38) von Buchholz i.d. Nordheide in Richtung Soltau, Bahnstation Büsenbachtal, erreichbar, die Haltestelle fast am Ausgangspunkt. Alternativ gibt es einen Parkplatz (Handeloh, OT Wörme, Straße: Am Büsenbach). Der Weg ist gut ausgeschildert und zudem Teil des „Heidschnuckenwegs“, der als 223 Kilometer langer Wanderweg vom Bahnhof Hamburg-Neugraben-Fischbek zum Schloss Celle in Celle verläuft.