Dienstag , 20. Oktober 2020
Zahlreiche Buchen sterben an den Folgen des Wassermangels derzeit in den Wäldern der Göhrde. Foto: Landesforsten

Buchensterben in der Göhrde

Tosterglope/Barskamp. Punktuell beobachten die Förster des Forstamtes Göhrde auch im Schieringer Wald zwischen Tosterglope und Barskamp das Phänomen, das rasant fortschreitet und ihnen deshalb große Sorgen bereitet. In den Wäldern der Göhrde sterben nämlich zurzeit viele Buchen. Bäume aus zum Teil mehr als 140 Jahre alten Beständen. „Wir beobachten auf einer Fläche von insgesamt rund 500 Hektar solche Absterbe-Erscheinungen“, erklärt Dr. Uwe Barge, Leiter des Forstamtes Göhrde, zu dem die Revierförsterei Bleckede gehört, die den Wald zwischen Tosterglope und Barskamp bewirtschaftet.

Böden bis in zwei Meter Tiefe ausgetrocknet

Durch die seit vorigem Jahr anhaltende Dürre sind die Böden bis in zwei Meter Tiefe ausgetrocknet, die Buchen verdursten regelrecht. „Feucht ist es nur noch in den oberen 30 Zentimetern, darunter staubtrocken“, sagt Barge. Die Bäume können nicht mehr ausreichend Wasser von den Wurzeln bis in die Blätter aufnehmen. „Stattdessen saugen sie Luft ein. Es bildet sich eine Embolie, die den Wasserfluss blockiert“, berichtet der Förster.

Infolge der Trockenheit befallen zudem zahlreiche Schadorganismen die bereits geschwächten Bäume. Vor allem die eindringenden Pilze sorgen für ein schnelles Absterben der Buchen und dafür, dass sie rasch an Stabilität verlieren. An der Rinde der geschwächten Buchen saugen Schildläuse und öffnen so die Eintrittspforte für holzzersetzende Pilze. Der Befall durch Insekten wie Borkenkäferarten setzt den geschwächten Buchen zusätzlich zu. „Das ist in einigen Bereichen dann das Ende der Altbestände.“

Die absterbenden Buchen sind wegen des braunen oder bereits abgeworfenen Laubs schon von weitem zu erkennen. „Der Sterbeprozess vollzieht sich in vielen Fällen in zwei bis drei Wochen. Es kann sein, dass es rasant geht, eine Buche heute noch vital erscheint, aber am folgenden Tag schon tot ist.“

Flaches Wurzelwerk ausgebildet

Buchen reagierten häufig erst zeitverzögert auf Dürrejahre wie 2018, erklärt er. Auslöser für die jüngsten Symptome sei die extreme Trockenheit und das Absterben der für den Wassertransport wichtigen Feinwurzeln. „Vielerorts zeigt die Buche schon jetzt welkes Laub infolge des Wassermangels oder Risse in der Rinde nach Sonnenbrand.“

Die extrem rasche Ausbreitung der Schäden beobachten die Förster Barge zufolge seit Anfang des Jahres. Betroffen seien vor allem Bäume, die in den Niederungsstandorten der Elbe und Jeetzel auf grund- und stauwasserbeeinflussten Böden wachsen, beschreibt er die Situation. „Diese alten Bäume hatten in ihrem ganzen Leben eher mit einem Überschuss an Wasser Probleme. Sie haben ein flaches Wurzelwerk ausgebildet mit dem das jetzt erheblich abgesenkte oberflächennahe Grundwasser nicht mehr erreicht werden kann.“ Ein System, das über Jahrhunderte funktionierte, sei zerstört. „Das gab es noch nie. Nirgends in der Literatur ist Vergleichbares beschrieben.“

Als kurzfristige Maßnahme gegen das Buchen-Sterben sehnen Barge und Kollegen Regen herbei. Als langfristige werden sie nach seinen Worten noch intensiver als ohnehin schon beim Aufforsten die Baumarten durchmischen und so noch stärker auf Mischwald setzen. „Wir werden in unserem Zuständigkeitsbereich versuchen, Baumarten neu anzupflanzen, die besser als die Buche mit Trockenheit und Wärme klarkommen. Die Eiche ist so eine Art“, sagt er.

Vorsicht in den Wäldern vor herabfallendem Holz

Die absterbenden beziehungsweise abgestorbenen Buchen sind eine große Gefahr für die Waldarbeit und für Spaziergänger, betont der Forstamtsleiter. Es gelte daher nun in erster Linie, die Verkehrssicherheit entlang von Straßen sicherzustellen. „Die Sicherheit der im Wald arbeitenden Menschen, der Waldbesucher und des Straßenverkehrs durch unsere Waldgebiete hat oberste Priorität.“ Waldsperrungen würden derzeit nicht in Betracht gezogen.

„Wir setzen auf die Vernunft und Eigenverantwortung der Leute. So sollte nicht unter trockenen Bäume gerastet und bei einsetzendem Wind der Wald zügig verlassen werden“, rät er. Denn nicht nur herabfallendes Holz stelle eine Gefahr dar, auch nicht mehr standsichere Birken seien ein erhebliches Risiko, weil auch Birken unter Dürre und Hitze leiden und absterben. „Auch bei dieser Baumart sind Altbestände zurzeit abgängig.“

Von Stefan Bohlmann