So stellt sich die Bürgerinitiative Grüngürtel West die Zukunft vor: In dem heute von der Bionic AG genutzten Gebäude in Volgershall soll eine Markthalle einziehen, in der Landwirte regionale Produkte verkaufen können. Foto: BI

Ein grüner Gürtel rund um die Stadt

Lüneburg. Kritik und Protest gibt es seit Monaten gegen die Bebauungspläne „Digital-Campus/Grüngürtel West“. Doch das von Verwaltung und Teilen der Politik auf den Weg gebrachte Bauleitverfahren geht weiter. Im Umfeld von Volgershall, wo bereits das 3D-Druck-Unternehmen Bionic AG angesiedelt ist, soll ein Wohn- und Gewerbegebiet entstehen, ein weiteres an der Grenze zu Reppenstedt. Einen Gegenentwurf präsentiert nun die BI Grüngürtel West. Sie plädiert für einen Grüngürtel rund um das Stadtgebiet Lüneburg, in dem Landwirtschaft, Klimaschutz und Naherholung Vorfahrt haben. Und in dem Gebäude, in dem Bionic die Weichen für die 3D-Druck-Zukunft stellt, könnte aus Sicht der BI eine Markthalle einziehen, die die vor der Tür produzierten Waren verkauft.

Regional produziertes Getreide, Gemüse und Obst

Bisher hatte die BI immer wieder erklärt, dass aus Gründen des Klima- wie auch des Landschaftsschutzes der Grüngürtel West nicht bebaut werden dürfe – zumal es dafür einen Ratsbeschluss von 2014 gibt. Ein Digital-Campus und damit verbundene Baupläne dienten nur den Interessen von wenigen, meinen Annegret Kühne und Franziska Hapke, Mitglieder der BI. Mit Blick auf den Klimawandel sei es allerhöchste Zeit, eine nachhaltige Entwicklung von Flächen anzugehen, die dem Gemeinwohl diene.

Entwickelt hat die BI die Idee von einem Grüngürtel Lüneburg, in dem Landwirtschaft zur lokalen Versorgung angesiedelt ist. Denn Klimaschutz und -anpassung erforderten auch, auf regionale Produkte zu setzen, macht Hapke deutlich, die auch Mitglied beim BUND ist. Regionales beziehungsweise lokal produziertes Getreide, Gemüse und Obst stünde für kurze Wege, weniger Verpackung, hochwertige, gesunde Produkte. Die Waren machten aber auch unabhängig von den globalen Märkten, sicherten langfristig Arbeitsplätze vor Ort und garantierten Landwirten bessere Preise, weil es kaum Zwischenhandel gebe. „Gleichzeitig soll es in dem Gürtel stadtnahe Naherholungsräume geben, die gesichert werden.“

Inzwischen habe man auch eine Modellrechnung angestellt, sagt Annegret Kühne. Bei den ins Visier genommenen Flächen rund um Lüneburg kommt die BI grob geschätzt auf 935 Hektar – nicht alle sind auf Lüneburger Gebiet. Zur Versorgung einer Person mit lokalem Gemüse und Kartoffeln pro Jahr bedürfe es 100 Quadratmeter Fläche, die Bemessungsgrundlage hat die Gemüse-Genossenschaft WirGarten geliefert. Bei 75 000 Einwohnern macht das 750 Hektar.

Leuphana ist Eigentümer der Immobilie

Auch die Einnahmen für die landwirtschaftlichen Betriebe rechnen sich laut Modellrechnung. Angeboten und verkauft werden sollen die Produkte in der Markthalle Volgershall, „wo es auch Stände geben könnte und gesundes Essen für eine breite Bevölkerung angeboten wird“, meint Kühne. Wie die Leuphana als Vermieter der Immobilie dazu steht, haben die BIler allerdings noch nicht abgefragt. Franziska Hapke findet: „Das kann doch nur im Sinne der nachhaltigen Leuphana-Strategie sein.“ Doch die Uni hatte mehrfach in der Vergangenheit deutlich gemacht, dass sie den Digital-Campus als Zukunftsprojekt mit der Stadt sowie mit Unterstützung und Förderung durchs Land forcieren wolle.

Die Bürgerinitiative ist sich durchaus bewusst: Es braucht einen langen Atem für diese Vision vom Leben im und vom Lüneburger Land, sagt Kühne und Hapke ergänzt: „Aber wir möchten, dass es im Grüngürtel wächst zum Wohle aller. Um das Modell umzusetzen, braucht es noch viel Vernetzungsarbeit mit der Landwirtschaft, Politik, Verwaltung, Verbänden, angrenzenden Gemeinden und Bürgern.“ Als erstes müsse ein Konsens her, dass man diese Idee umsetzen will.

Von Antje Schäfer

Zur Sache

Präsentation

Es gibt Flyer zu dem Thema, mit dem die Bürgerinitiative nun in die Öffentlichkeit geht. Auch bei ihren Sommer-Aktionen, die 14-tägig immer donnerstags im Grüngürtel stattfinden, will die BI zu dem Thema informieren. Eine öffentliche Präsentation ist für Donnerstag, 19. September, geplant. Weitere Informationen unter www.bi-gruenguertel-west.de.

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