Donnerstag , 22. Oktober 2020
Eleonore Tatge (v.l.), Jens Tödter und Christiane Scholl stehen auf dem Parkplatz am Kreidebergsee, der dicht zugewuchert ist von Büschen. Das sorgt besonders bei Frauen für ein ungutes Gefühl, ein Rückschnitt empfiehlt sich. (Foto: t&w)

Geplante Sicherheit

Lüneburg. Dunkle Ecken, in denen es keine Beleuchtung gibt, Gehwege und Parkplätze, die durch Büsche und Hecken nicht einsehbar sind oder auch ein Wohnumfeld, in dem der Müll dümpelt – all das kann Grund dafür sein, das Bürger sich subjektiv nicht sicher fühlen. Solche sogenannten Angsträume lassen sich aber vermeiden, wenn bei der Planung von Baugebieten und Grünanlagen sowie der Sanierung von Wohnanlagen auf Details geachtet wird. „Sicher Bauen und Wohnen“ ist das Motto des gleichnamigen Arbeitskreises des Kriminalpräventionsrates (KPR) von Stadt und Kreis, zu dessen Team Vertreter aus den planenden Bereichen von Stadt und Kreis sowie der Polizei, aber auch bei Bedarf Mitarbeiter der Lüneburger Wohnungsbaugesellschaften gehören.

Zwei Jahre ist es her, dass der Arbeitskreis an den Start ging. „Inzwischen haben wir zu zehn Bebauungsplänen und zwei grünplanerischen Sanierungskonzepten Stellungnahmen abgegeben“, berichtet Christiane Scholl, ehrenamtliche Geschäftsführerin des KPR. Hervorgegangen ist er aus dem Projekt „transit“ des Landeskriminalamtes – das steht für Transdisziplinäre Sicherheitsstrategien für Polizei, Wohnungsunternehmen und Kommunen.

Projektgebiete Mittelfeld und Weißer Turm

Vom Bund gefördert, nahm Lüneburg neben zwei weiteren niedersächsischen Kommunen daran teil. Projektgebiete waren hier der Stadtteil Mittelfeld und das Viertel „Weißer Turm“. Es wurde untersucht, welche Ecken, Plätze und Wege die Anwohner als unangenehm oder gefährlich wahrnehmen und wie diese Orte umgestaltet werden können, damit das Sicherheitsgefühl steigt.

Nachdem das auf drei Jahre befristete Projekt Ende 2016 abgeschlossen war, entschloss man sich, an dem Thema dran zubleiben. Die Stadt müsse für alle Bürger Rahmenbedingungen schaffen, damit sich diese sicher fühlen, begründet Christiane Scholl die Motivation des Arbeitskreises. Dieser trifft sich alle drei Monate, Moderatoren sind Jens Tödter von Bereich Stadtplanung sowie Hauptkommissarin Eleonore Tatge.

Bei den Sitzungen schauen die Mitglieder aus den Bereichen Bauamt, Ordnungsamt, Soziales, Gleichstellung und der Polizei, ob in den Planungen kriminalpräventive Belange berücksichtigt werden können. Die Vorschläge reicht der KPR als einer der sogenannten „Träger öffentlicher Belange“ im Rahmen der Beteiligung bei Bauleitverfahren schriftlich ein.

Aufmerksames Miteinander

Dabei geht es zum Beispiel darum, was zu einer optimalen Einsehbarkeit in Wege und Parkanlagen in einem Viertel getan werden kann. Oder wie eine klare Abgrenzung von öffentlichen und privaten Bereichen das Sicherheitsgefühl steigert. Ein Beispiel sind aber auch gut nutzbare Rad-Bügel zur Diebstahls-Prävention, macht Eleonore Tatge deutlich. Außerdem hilft ein aufmerksames Miteinander. Dafür lassen sich auch planerisch optimierte Bedingungen schaffen. Christiane Scholl nennt Bänke, die im Umfeld eines Spielplatzes gruppiert sind.

Beteiligt wurde der Arbeitskreis inzwischen auch an den Planungen zum Sanierungsgebiet Grünband Innenstadt. Ausgesprochen habe man sich zum Beispiel für eine Beleuchtung im Liebesgrund, die inzwischen erfolgt ist, sowie einen Rückschnitt der Büsche am Parkplatz Kreidebergsee, berichtet Tödter. Aber auch bei dem Vorentwurf für einen Bebauungsplan in Adendorf sei man um eine Stellungnahme gebeten worden.

Ein weiteres Angebot: „Für Nachbargemeinden, die Bebauungspläne aufstellen, bieten wir Info-Veranstaltungen an, wie schon im Zuge des Baus Häuser einbruchssicher gestaltet werden können. Dies in die Planung mit einzubeziehen, ist günstiger als eine Nachrüstung“, sagt Tatge und Tödter weist darauf hin, dass Broschüren dazu Bauanträgen beigelegt werden.

Von Antje Schäfer