Samstag , 31. Oktober 2020
Ansgar Dettmer (l.) und Hartmut Burmester machen sich ein Bild vom Deich, bevor die Arbeiten zur Erhöhung beginnen. (Foto: stb)

Die Elbdeiche werden höher, breiter und stabiler

Rönne/Schwinde. Sechs Jahre Pause an der Elbe enden. Der Artlenburger Deichverband (ADV) setzt ab dieser Woche die Erhöhung des Deiches zwischen Rönne und Schwinde im Tidebereich der Elbe fort, die er bereits 2013 am Binnendeich begonnen und abgeschlossen hatte. Jetzt wird der Deich an der Wasserseite auf einer Länge von 400 Metern von aktuell 9,20 Meter auf künftig 9,40 Meter erhöht. Die Arbeiten finden zwischen der Rampe zur Brücke über das Elbvorland in Richtung Schwinde statt.

„An der Binnenseite hatten wir den Deich schon 2013 angepasst“, blickt Deichhauptmann Hartmut Burmester zurück. Die Arbeiten hatte der ADV dann aber gestoppt, weil vom Land Niedersachsen seinerzeit neue Bemessungswasserstände angekündigt wurden. „Auf diese mussten wir in der Folge sehr lange warten. Ohne die neuen Berechnungen hätte der Weiterbau keinen Sinn gemacht. Doch nun liegen sie vor, sodass wir mit der Deicherhöhung weitermachen können“, sagt Burmester.

Extreme Sturmflut in der Nordsee

Die Bemessungswasserstände stellen Werte für die höchsten Wasserstände dar, die in der Zukunft im Falle einer extremen Sturmflut in der Nordsee für die Elbe zu erwarten sind. Die Bundesanstalt für Wasserbau hat diese Bemessungswasserstände im Auftrag der Länder Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein neu ermittelt, denn 2017 hatten sich die drei Bundesländer auf einheitliche Bemessungswasserstände in der Tideelbe verständigt. Ziel ist ein gleichwertiger Schutz für alle Anrainer. Der ADV ist nun einer der ersten Verbände in Niedersachsen, der anhand der neuen Vorgaben seine Deiche anpasst: um 20 Zentimeter in der Höhe.

„Aus Sicht der Wasserbau-Ingenieure geht es aber nicht nur um die Höhe. Wichtig ist auch, dass die Deiche durch den Umbau eine breitere Krone und flachere Böschung erhalten. Das bedeutet, sie haben künftig eine größere Aufstellfläche. Der Deich in Rönne wird um sechs Meter breiter zum Wasser hin“, erklärt ADV-Geschäftsführer Ansgar Dettmer. „Er wird dadurch standsicherer“, ergänzt Hartmut Burmester. Später werden die Bauwerke im Tidebereich zudem an der Wasserseite mit Pflastersteinen bedeckt. „Das Pflaster wirkt als Panzer gegen Eisschollen und schützt so vor Beschädigungen“, so der Deichhauptmann.

870 000 Euro werden investiert

Die Anwohner der Baustelle in Rönne müssen in den kommenden Wochen mit Staub, Lärm, Vibrationen im Boden und reichlich Lkw-Verkehr rechnen, ebenso mit herumfahrenden Baggern, Raupen und Walzen. „Die vorhandene Klei-Schicht des Deiches wird an der Krone zunächst abgefräst. Danach wird der Sandkern vergrößert und wieder eine Klei-Schicht eingebaut“, berichtet Ansgar Dettmer. Die Kosten der Deichanpassung beziffert er mit 870 000 Euro, finanziert mit Küstenschutzmitteln von Bund und Land.

Die Deichanpassung im ADV-Verbandsgebiet im Tidebereich der Elbe geht weiter nach dem Ende der Arbeiten in Rönne. „Es folgt ein zwei Kilometer langer Abschnitt zwischen Schwinde und dem Stover Strand“, so Ansgar Dettmer. Die Planungen dafür laufen bereits, das Planfeststellungsverfahren folgt als nächstes. „Das Projekt ist vielleicht in zwei Jahren genehmigt und kann dann starten“, schätzt Hartmut Burmester.

Die aktuelle Deicherhöhung im Bereich der Samtgemeinde Elbmarsch beweist ihm zufolge, wie umsichtig es vom Landkreis Harburg war, in den neuen Naturschutzgebieten an der Elbe dem Hochwasserschutz einen 15 Meter breiten Streifen einzuräumen, in dem der Schutzstatus nicht gilt. „Ohne diese Freistellung würden wir mit Bauarbeiten wie den aktuellen immer wieder in geschützte Flächen hineinkommen, weil die Arbeiten entsprechend Raum benötigen. Das hätte dann jedes Mal Konflikte mit dem Naturschutz zur Folge gehabt“, lobt der Deichhauptmann die Entscheidung des Kreises Harburg.

Von Stefan Bohlmann