Mittwoch , 28. Oktober 2020
Der Große Zapfenstreich vor fünf Jahren war ein Höhepunkt der Feiern in Amelinghausen. Foto: bau

Augenblicke, die unter die Haut gehen

Amelinghausen. Fackelschein, Stille, Gänsehaut: Der in der Heideblütenfestwoche nur alle fünf Jahre durch die Freiwilligen Feuerwehren der Samtgemeinde Amelinghausen ausgerichtete Große Zapfenstreich zu Ehren der amtierenden Heidekönigin zieht mit seiner besonderen Atmosphäre Mitwirkende und Besucher gleichermaßen in seinen Bann. „Das sind unvergleichliche Augenblicke, die unter die Haut gehen“, sagt Burkhard Jäkel.

75 Fackelträger und Ehrenzug

Der 64-Jährige weiß, wovon er spricht. Der Oberstleutnant der Reserve und Leiter des Kreisverbindungskommandos Lüneburg organisiert und kommandiert die auf dem Sportplatz des MTV Amelinghausen stattfindende Zeremonie am Donnerstag, 15. August, bereits zum fünften Mal seit 1999. „Es ist immer eine große Ehre, aber auch eine besondere Herausforderung.“ Fast 200 Mitwirkende müssen zu einem einheitlichen Bild zusammengefügt werden.

Das Gros bilden etwa 140 Feuerwehrkameraden. Sie stellen die 75 Fackelträger und den Ehrenzug. Dazu kommen der Musikzug Marching Colours Bardowick mit rund 20 Personen und das Blasorchester des MTV mit etwa 40 Aktiven. „Alle Mitwirkenden müssen sicher marschieren, lange stehen und meine fast 30 Befehle richtig befolgen können“, sagt Jäkel. Dafür hat der Kommandeur Übungsabende angesetzt – am 7. und 12. August. Generalprobe ist am 14. August.

Disziplin und Bereitschaft

Jäkel verlangt von den Mitwirkenden Disziplin und Bereitschaft. „Es ist keine lästige Pflicht, sondern eine Verpflichtung.“ Marschordnung, Musikstücke und der Ablauf sind streng vorgegeben. „Für alle Beteiligten und auch die Zuschauer gilt, dieser höchsten feierlichen Zeremonie gerecht zu werden.“ Das bedeutet auch, dass während des Zapfenstreiches kein Applaus vorgesehen ist, sondern erst am Ende des Ausmarschs nach der gemeinsam gesungenen Nationalhymne.

2014 verlief der Große Zapfenstreich laut Jäkel nahezu perfekt. 2000 Besucher verfolgten dicht gedrängt und andächtig bei eingebrochener Dunkelheit die fast 30-minütige Zeremonie. „So viele Menschen, und dennoch war es die ganze Zeit fast mucksmäuschenstill, diese Atmosphäre bleibt ewig in Erinnerung“, sagt Jäkel. Für den Drögennindorfer, der beruflich beim Landkreis Lüneburg im Fachbereich Umwelt tätig ist, wird es der letzte Große Zapfenstreich an vorderster Front sein. „2024 wäre ich knapp 70 Jahre alt, von daher ist jetzt der beste Zeitpunkt, aufzuhören.“

Ritual seit den 1960er Jahren

Bereits vor seiner Zeit als Kommandeur war Burkhard Jäkel am Großen Zapfenstreich im Ehrenzug der Freiwilligen Feuerwehren beteiligt. „Damals war Wilhelm Meyer der Kommandeur.“ Das in den 1960er-Jahren zu Ehren der jeweiligen Amelinghausener Heidekönigin eingeführte Ritual wurde bis in die 1990er-Jahre sogar jährlich ausgerichtet. Jäkel selbst übernahm das Amt 1999 von Jürgen Langer. „Dass ich danach als Kommandeur 20 Jahre lang das Vertrauen und tolle Unterstützung bei der Ausführung der Zeremonie erhalten habe, erfüllt mich mit großer Freude.“ Ein Nachfolger ist mit Carsten Brammer aus Etzen bereits gefunden. „Er ist jetzt mein Zapfenstreich-Lehrling und danach der Chef“, sagt Jäkel lachend.

Der 43-jährige Brammer ist ebenfalls Oberstleutnant der Reserve. Er ist noch regelmäßig beim Aufklärungslehrbataillon 3 Lüneburg aktiv. Zudem ist er in der Ortswehr Amelinghausen engagiert. „Ich freue mich auf diese neue Herausforderung“, sagt Carsten Brammer. Bei den jetzt anlaufenden Vorbereitungen ist er bereits an Jäkels Seite. So werden die beiden Männer demnächst gemeinsam stundenlang auf dem MTV-Sportplatz zu finden sein. Der muss für die Aufstellungen vermessen, entsprechende Markierungen auf den Rasen gesprüht und zudem mehr als 100 handgemalte Scheiben als Orientierungspunkte in die Erde eingebracht werden. Bis zum Start der feierlichen Zeremonie für Heidekönigin Mona Otto am 15. August gegen 21.50 Uhr werden die Besucher auf dem MTV-Sportplatz mit einem musikalischen Vorprogramm unterhalten. Das beginnt um 20 Uhr. Neben dem Blasorchester des MTV werden noch die Original Amelinghausener Schrammler, die Bockum Band, die Heidesänger, die Jagdhornbläser Betzendorf, der Männerchor Chornetto sowie die MTV-Dancing Kids, die Heideböcke und die Volkstanzgruppe auf den abendlichen Höhepunkt einstimmen.

Zur Sache

Musikalischer Befehl

Die Anfänge des Großen Zapfenstreichs reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Wenn Landsknechte abends in das Lager zurückkehren sollten, ging ein Offizier, begleitet von einem Pfeifer oder Trommler, durch die Gaststuben und schlug mit seinem Stock auf den Zapfen des Fasses. Danach durfte der Wirt keine Getränke mehr ausgeben. Diesen Befehl nannten Landsknechte „Zapfenstreich“. Preußenkönig Friedrich Wilhelm III wandelte während der Befreiungskriege gegen Napoleon 1813 das Brauchtum in ein bis heute in Deutschland höchstes feierliches militärisches Zeremoniell um. Marschordnung, Musikstücke und der Ablauf sind streng vorgegeben. Dazu gehören ein musikalisches Abendgebet, die Meldung an die zu ehrende Person sowie das Spielen einer Serenade und der Nationalhymne.

Von Marcel Baukloh

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