Charlotte-Sophie Baschwitz aus Deutsch Evern war Teilnehmerin bei Young Leaders. Foto: lg

„Achtung, Horizonterweiterung!“

Lüneburg. „Achtung, Horizonterweiterung!“ stand groß auf dem Flyer. Und: „Bevorzugt angenommen werden Interessenten, die sich in sozialer Verantwortung engagieren“. Die Mail für die 64. young leaders-Akademie in Strausberg erhielt ich von einer Lehrerin. Ich las weiter, und es folgten viele Beispiele des Engagements, mit denen ich mich sofort identifizieren konnte. In diesem Format sollen Jugendliche im Alter zwischen 15 und 25 Jahren Strategien für die Zukunft entwickeln.

Die Reise beginnt

An einem Dienstag im Juni begann die Reise. Schon während der Anfahrt im Zug sah ich mich immer wieder um, ob nicht eins der unzähligen Gesichter das eines young leaders sein könnte.

Angekommen in Strausberg stellte ich fest, dass die meisten Menschen dort sehr sympathisch und aufgeschlossen wirkten, und ich war erleichtert. Am nächsten Morgen begannen wir damit, uns vorzustellen und zu erzählen, was uns für diese Veranstaltung qualifiziert hat. Je mehr Teilnehmer über sich gesprochen hatten, desto nervöser wurde ich. Über die Hälfte war bereits Mitglied in einer Partei oder Leiter einer Jugendorganisation. Die Zeit wurde immer knapper, bis ich mich vorstellen musste. Als ich aber anfing zu erzählen, fiel alle Nervosität von mir ab. Mir wurde klar, dass wir uns alle aus dem gleichen Grund für diese Veranstaltung qualifiziert hatten, nämlich wegen unseres sozialen, politischen und kirchlichen Engagements.

Ein volles Programm

Wir waren viele verschiedene Leute aus vielen verschiedenen Orten und mit unterschiedlichen Interessen, aber eins hatten wir alle gemeinsam: Wir sind eigeninitiativ und wollen Fortschritt initiieren. Wer ist der Mensch? Was unterscheidet ihn vom Tier? Über Fragen wie diese diskutierten wir im weiteren Verlauf und tauschten uns über Politik und aktuelle Ereignisse aus, wie beispielsweise den Klimawandel und wie die Politik diesen handhabt. Während der Woche gehörten Workshops mit Profijournalisten, ein Führungstraining und eine Medienbörse für uns zum Alltag.

Das Programm dauerte täglich von 8 Uhr bis mindestens 17.30 Uhr und war sehr anspruchsvoll. Ein Tagesprogramm sah beispielsweise so aus: Um 8 Uhr gab es Frühstück. Um kurz vor 9 Uhr sollten wir uns im Plenum versammelt haben, wo wir uns einen eineinhalbstündigen Vortag vom Kapitän zur See Christian Dienst zum Thema „Ethik und Verteidigung: Vertrauen in Sicherheitsorgane – hart zu erarbeiten und schnell verspielt“ anhörten. Nach einer zehnminütigen Pause folgte eine zweistündige Diskussion mit dem Referenten zu diesem Thema. Nach einer Mittagspause versammelten wir uns wieder im Plenum und hörten uns einen eineinhalbstündigen Vortag an von dem Islamwissenschaftler Dr. Carsten Polanz zum Thema „Einführung in den Islam: Geschichte, Theologie, Kultur, Recht, Politik“ an.

Rolle von Frau und Mann im Islam

Nach einer weiteren zehnminütigen Pause trafen wir uns wieder alle zusammen und diskutierten über das Thema „Gleiche Begriffe, gleiche Inhalte? Die Rolle von Mann und Frau im Islam, Erziehungsziele im islamischen und christlich-westlichen Kontext, Folgerungen für die dritte Generation von Migranten, Menschen und Minderheitsrechte, Frieden in allen Religionen, Das Verhältnis von Krieg und Frieden“. Nach dem darauffolgenden Abendessen hatten wir die Gelegenheit zur Fortsetzung der Diskussion mit dem Referenten. Aber auch, wenn das Programm anstrengend war und viel Achtsamkeit und Ambition erforderte, war es eine sehr große Bereicherung für mich. Ich bin dankbar für die Horizonterweiterung, für die Freundschaften, die ich knüpfen konnte und für die schöne Zeit.

Von der 64. young leaders-Akademie verfasste Charlotte Baschwtz einen weiteren Text über die Bedeutung des Technischen Hilfswerks, mit dem sie sich für einen Journalisten-Workshop in New York bewirbt:

THW-Präsident Broemme unterstreicht die Bedeutung des Ehrenamts

Engagement ist ein hohes Gut“

Das THW ist keine Aufgabe, sondern eine Lebensweise“, konstatiert Albrecht Broemme vor den 100 Teilnehmern der 64. young leaders Akademie in Straussberg. Der 66-Jährige ist der Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk mit rund 80.000 Mitarbeitern an 700 Standorten – 99% von ihnen ehrenamtlich.

Welche Bedeutung hat das THW für die Gesellschaft und in wie fern beeinflusst der Klimawandel die Arbeit der Bundesanstalt? Mit Fragen wie diesen befassten sich 100 ausgewählte Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland im Rahmen der sechstägigen 64. young leaders Akademie, um sich über Politik sowie aktuelle Ereignisse auszutauschen. Am 14. Juni 2019 präsentierte Albrecht Broemme hier das THW als ein vielschichtiges Konstrukt, das dazu dient Menschen in Not kompetent und engagiert Hilfe zu leisten.

Ob bei Unwettern, Bränden oder Naturkatastrophen - die Organisation ist ein wichtiger Partner im Bevölkerungsschutz in Deutschland. Sie installiert Notstromaggregate, baut Brücken, errichtet Flüchtlingscamps oder unterstützt mit Fachwissen. Im Gegensatz zur Bundeswehr ist das THW primär auf den Zivilschutz ausgelegt, dennoch existiert eine formale Zusammenarbeit zwischen den beiden Organen, die sich nach Möglichkeit unterstützen. Durch den Klimawandel ist immer mehr Katastrophenschutz nötig, denn Überschwemmungen, Sturmschäden oder auch Dürreperioden sind zum Alltag geworden.

Broemme verabschiedet sich mit einem Zitat von John F. Kennedy: „ Wenn eine Gesellschaft den vielen, die arm sind, nicht helfen kann, kann sie auch die wenigen nicht retten, die reich sind.“

von Charlotte Baschwitz