Dienstag , 20. Oktober 2020
Am Samstagnachmittag wurde begonnen, die Schadensstelle am Dammfuß des Wehres zu sichern. Foto: boldt

Unterspülung am Stauwehr Grund für Pegelsenkung

Geesthacht. Am Samstagnachmittag kommt endlich Licht ins Dunkel. Ein großflächiger Abrutsch des Dammfußes am Stauwehr Geesthacht unterhalb der Elbbrücke hinüber nach Niedersachsen ist Grund für die Absenkung des Elbpegels in der Nacht zum Samstag. Stefan Lühr, Ingenieur beim Wasserstraße- und Schifffahrtsamt (WSA) in Lauenburg, der die ab 2021 anstehende Sanierung des Stauwehrs plant, hatte den Schaden bemerkt. „Wir reden hier von einem Abrutsch auf etwa 300 Quadratmetern, das ist massiv“, sagt Lühr. Er informierte sofort die übergeordneten Stellen. Erste Maßnahme war die Absenkung des Wasserspiegels, um den Druck auf das Stauwehr zu reduzieren.

Die Schiffahrt oberhalb des Wehrs ruht

Der Pegel der Elbe in Hohnstorf war in der Nacht zum Sonnabend innerhalb weniger Stunden rapide um etwa 50 Zentimeter gesunken. Zeitweise lag er unter 3,70 Meter. Normal sind es 4,50 Meter. Aufgrund des Niedrigwassers waren es schon vor der Absenkung nur noch 4,21 Meter.

In der Dammböschung des Stauwehrs klaffen Risse wie nach einem Erdbeben. Die Böschung ist großflächig eingestürzt. Foto: tja

Weniger aufgestautes Wasser drückt mit geringerer Last auf das Bauwerk, das in den kommenden Jahren für etwa 170 Millionen Euro saniert werden soll. Für die Schifffahrt auf der Elbe haben der Schaden und die Absenkung des Wasserspiegels dramatische Folgen. Oberelbe, Elbe-Lübeck-Kanal, Elbe-Seitenkanal, Mittellandkanal – überall ruht die Schifffahrt. Wie lange das andauern werde, ist noch nicht absehbar. Laut NDR könnte der Schaden am Stauwehr aber bereits Mitte der Woche behoben sein.

Auch das Schiffshebewerk bei Scharnebeck hat den Betrieb wegen des Niedrigwassers eingestellt. Die beiden Elbfähren „Tanja“ in Alt Garge und die „Amt Neuhaus“ in Bleckede sind nicht betroffen.

Instandsetzung wird Tage dauern

Die Schadensstelle muss nun befestigt werden. „Wir haben 600 Bigbags, rieisge Kunststoffscke, die mit Kies gefüllt werden müssen, geordert. Außerdem tonnenweise Wasserbausteine“, erklärte Lühr. Wachholz geht davon aus, dass die Instandsetzungsarbeiten mehrere Tage dauern werden. Erst wenn die Standsicherheit wieder gegeben sei, könne der Wasserstand wieder angestaut werden.

Hintergrund

Das Stauwehr Geesthacht

Geesthachts Schleuse wird pro Jahr von etwa 19.000 Binnenschiffen passiert. Sie gilt als wichtiger Punkt für die Schifffahrt aus und in den Hamburger Hafen. Was in der Hansestadt auf große Frachter geladen in Containern ankommt oder abtransportiert wird, ist oft auf der Oberelbe mit kleineren Binnenschiffen unterwegs. Dieser Warenstrom ist nun unterbrochen.

von Timo Jann

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