Rund 50 Zentimeter ist der Elbpegel in der Nacht zum Samstag durch das offene Stauwehr in Geesthacht abgesunken. Elbaufwärts in Lauenburg haben sich Sandbänke gebildet, der Schiffsverkehr ruht weitestegend. Foto: tja

Niedrigwasser sorgt für Zwangspause bei Schiffern

Geesthacht. Ein Defekt am Stauwehr dürfte die Ursache für einen massiven Wasserabfluss aus der Oberelbe sein. Der Pegel der Elbe in Hohnstorf war in der Nacht zum Sonnabend innerhalb weniger Stunden um etwa 50 Zentimeter gesunken. Zeitweise lag er unter 3,70 Meter. Normal sind es 4,50 Meter. Ein Wehrsegment der Schleuse Geesthacht steht am Samstagmorgen weiterhin offen, durch die Flut hat sich der Pegel jedoch nicht weiter abgesenkt.

Details weiterhin unklar

Das Stauwehr in Geesthacht. Foto: tja

„Wir haben da einen Schadenfall, das müssen wir Montag genau sondieren“, sagte Tilmann Treber, der Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes (WSA) in Lauenburg, am Sonnabend. Es sei aber alles organisiert, versicherte er. Was hinter der Absenkung steckt, ist im Detail unklar. Klar ist allerdings: Für die Schifffahrt auf der Elbe ist die Situation dramatisch.

Weil seit Monaten Niedrigwasser herrscht, kommt kaum Wasser nach, um wieder eine ausreichende Fahrrinnentiefe aufstauen zu können. Denn auch das Schiffshebewerk bei Scharnebeck hat den Betrieb wegen des Niedrigwassers eingestellt. Damit ist die komplette Hinterlandanbindung des Hamburger Hafens stillgelegt. Nichts geht mehr.

Schiffe kommen nicht mehr voran

„Von oben kommt ja kaum Wasser nach, das wird dauern, bis es wieder ausreichend aufgestaut ist“, meinte Harald Hammer, der Schiffsführer des Frachters „Glück auf“. Er machte notgedrungen im Lauenburger Hafen fest. „Beladen kommen wir nicht mehr voran“, berichtete sein Sohn Timo Hammer, der den Schüttgutfrachter, der hauptsächlich Kies von Ladestellen am Elbe-Lübeck-Kanal nach Hamburg transportiert, auch fährt. Für beide heißt es jetzt erstmal Zwangspause – wie für viele andere Schiffer auch.

Währenddessen trotzen die Elbfähren bei Bleckede und Neu Darchau noch den sinkenden Pegelständen. Beide Fähren sind am Samstag regulär in Betrieb.

Die Situation in Lauenburg am Samstagmorgen: Durch den niedrigen Pegelstand haben sich Sandbänke in der Elbe gebildet. Foto: tja

Historisch niedriger Wasserstand

Bei Hohnstorf liegen Sandbänke frei. Der alte Fähranleger bei Schnakenbek fällt wie eine Abbruchkante zum Wasser hin runter. Und an Lauenburgs Elbuferpromenade ist der Strom deutlich schmaler als üblich, hier liegt die Uferschüttung frei. Der bisher bekannte niedrigste Wasserstand für den Pegel Hohnstorf betrug im Juli 1964 bei 3,98 Metern.

von Timo Jann

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