Möglichst bunt soll die Bushaltestelle werden. Dafür haben Marianne und Michael Stolz (vorne) sowie Ingeborg Beyer, Christel Ritzer und Manfred Ruprecht (hinten. v.l.) ein Meer aus Farbtöpfen aufgestellt. Foto: t&w

Mit Kunst gegen Schmierfinken

Brietlingen. Ihre Leinwand ist ein Bushaltehäuschen, ihr Museum der Schierenweg in Brietlingen. Mit Farbe, Pinsel und Fantasie machen fünf Hobbykünstler aus einer Bushaltestelle ein Kunstwerk für Jedermann.

Auf dem kleinen Klapptisch am Straßenrand reihen sich rote, grüne und gelbe Farbtöpfe anein­ander. Mit flinker Hand lässt Michael Stolz den Pinsel über die alten Holzbalken huschen. Gemeinsam mit Ehefrau Marianne Stolz und Freunden des Künstlervereins „WIR-Kunst und Kultur in der Elbmarsch“ verwandelt der Brietlinger das Bushäuschen in ein Aquarium zum Platz nehmen – mit Fischen, Algenpflanzen und allem, was dazu gehört.

Gekritzelte Namen und obszöne Sprüche

Schon oft griff der bald 80-Jährige hier, an der Bushaltestelle, zu Farbe und Pinsel um zu verdecken, was die „Schmierfinken“, wie er sagt, angerichtet hatten. Es war das Jahr 2007, als sich Michael Stolz das erste Mal ärgerte. Das mit Parolen und Sprüchen beschmierte Bushäuschen fiel ihm gleich ins Auge, als er damals nach Brietlingen zog. „Wenn Kinder da stehen… das ist ja furchtbar“, murmelt er und zeigt Fotos von der bemalten Bushaltestelle von einst.

Gekritzelte Namen, Herzen und obszöne Sprüche sind auf den alten Bildern zu erkennen. „Wir beschlossen, dagegen etwas zu tun“, sagt Stolz. So griff der Brietlinger schon bald zur Farbe und lackierte die Bushaltestelle um. Doch die Arbeit hielt nicht lange, wieder und wieder wurde die Bushaltestelle beschmiert, wieder und wieder malte Stolz die Zeichen über. „Ich bin jedes Jahr mindestens einmal dabei gewesen und habe die Farbe ausgebessert. Die Enttäuschung, dass die Arbeit, die ich ehrenamtlich machte nicht gewürdigt wurde, ist groß“, sagt er.

Freude nicht nur bei den Buskunden

Dennoch – einen letzten Versuch will er nun noch wagen. Mit dem bunten Unterwasser-Bild hoffen die Künstler, Schmierfinken künftig abzuhalten. Gemäß dem alten Sprayer-Credo, demzufolge Bilder nicht einfach bemalt oder verändert werden sollten, wünschen sich die Senioren, dass sich auch die weniger kunstaffinen Sprayer des Ortes nun zurückhalten. „Und wir hoffen natürlich, dass die Leute Spaß daran haben“, sagt Christel Ritzer, die ebenfalls zum Pinsel greift. Christel Ritzer, Michael Ruprecht und Ingeborg Beyer haben keinen Moment gezögert, als das Ehepaar Stolz sie um Mithilfe bei ihrem ganz besonderen Kunstprojekt bat. „Wir helfen uns gegenseitig und sind gerne bereit Hand in Hand zu arbeiten“, sagt Christel Ritzer.

Der Griff zu Pinsel und Co. ist für alle fünf längst zur Leidenschaft geworden. Normalerweise malen sie Portraits, Tierbilder, Abstraktes oder Landschaftsbilder. So, wie derzeit bei einer Ausstellung im Bardowicker Rathaus zu sehen. „Ich habe schon als Kind gerne gemalt. Man schaltet dabei komplett ab, ist total frei“, sagt Stolz.

Gemeinde hat Farben zur Verfügung gestellt

Das Ergebnis freut bestenfalls nicht nur den Künstler sondern auch den Betrachter. So, wie Ingo Frolin, der den fleißigen Künstlern ein kleines Dankeschön in Form von Schokolade bringt. Der Brietlinger fährt zwar selbst eher selten Bus, aber geht regelmäßig mit dem Hund an der Bushaltestelle vorbei. „Die Schmierereien finde ich auch nicht schön“, sagt er und freut sich umso mehr, dass nun deutlich mehr Farbe nach Brietlingen-Moorburg kommt.

„Wir freuen uns sehr, wenn das so angenommen wird“, sagt Michael Stolz. Über Monate haben er und seine Künstlerkollegen auf der Idee herum gedacht, eine Woche lang dauerten die konkreten Vorbereitungen. Die Farben hat die Gemeinde zur Verfügung gestellt. 10 Stunden haben Stolz und seine Mitstreiter für die Arbeiten eingeplant. Das Ergebnis soll dann möglichst lange zu bewundern sein – am besten ganz ohne Schmierereien.

Von Anke Dankers