Donnerstag , 22. Oktober 2020
Durch den Einsatz von Ann-Kathrin Inselmann (stehend rechts) und ihrer Mitbewohnerin Melina können zwei Jungen vorerst wieder zur Schule gehen. Foto: privat

Wie in einer anderen Welt

Likoni. Mein Name ist Ann-Kathrin Inselmann, ich bin 24 Jahre alt und in Lüneburg aufgewachsen. Inzwischen absolviere ich im sechsten Semester ein duales Studiu m der Pflege, gepaart mit der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das UKE bietet den Studenten die Möglichkeit für einen Auslandsaufenthalt. Als ich davon erfahren habe, setzte ich alles in Bewegung, um meinen Traum verwirklichen zu können.

Für mich und meine Mitbewohnerin Melina war klar, dass wir gerne einen Einblick in ein ganz anderes Gesundheitssystem bekommen wollten. Über einen Zeitungsbericht kamen wir auf Maria Sedlmaier, die in Likoni, einem Vorort der kenianischen Großstadt Mombasa, ein Krankenhaus aufgebaut hat. Sie hat auch den Verein „Likoni – Healthcare for all“ gegründet.

Medikamente verteilen, Injektionen verabreichen

Die Arbeit hier im Krankenhaus kann man größtenteils nicht mit der in Deutschland vergleichen. Wir übernehmen hier jeden Abend die Nachtschichten mit dem kenianischen Arzt Dr. Cheruiyot und seiner Frau, die liebevoll Mama Rita genannt wird. Die meisten Patienten suchen das Krankenhaus nur in der Nacht auf, da sie es sich nicht leisten können, nicht zur Arbeit zu gehen.

Ein Gesundheitssystem wie unseres in Deutschland gibt es hier nicht. Wenn die Menschen nicht zur Arbeit gehen, erhalten sie auch keinen Lohn. Wir haben schon viele Patienten erlebt, die ihre Behandlungen nicht bezahlen konnten. Das ist wirklich deprimierend und traurig zugleich, aber in den meisten Fällen kann eine Lösung gefunden werden. Unsere Hauptaufgaben bestehen darin, Medikamente zu verteilen, Injektionen zu verabreichen, Wunden zu reinigen, bei kleineren Eingriffen zu assistieren sowie die Patienten auf Malaria zu testen.

Armut ist allgegenwärtig

Da es in Likoni kaum ein Krankenhaus gibt, in dem Ultraschalldiagnostik, Röntgenuntersuchungen, Notfallbehandlung oder kleine OPs durchgeführt werden können, hatte der Verein in Zusammenarbeit mit Dr. Cheruiyot diese Klinik eröffnet.

Des Weiteren bietet das Krankenhaus die Möglichkeit, durch deutsche Unterstützung auch arme Familien und Straßenkinder kostenlos zu behandeln.

Zu unser Arbeit gehören auch die Besuche im Dorf Timbwani. Hier leben viele der Menschen, denen durch Spendengelder eine medizinische Behandlung ermöglicht wurde. Sie leben in Wellblechhütten und teilweise unter katastrophalen Bedingungen. Wir konnten durch Spenden aber bereits für eine 15-köpfige Familie ein neues Dach bauen und die Kinder mit neuer Schul-uniform einkleiden.

Armut ist hier ein sehr großes Problem. Kürzlich haben wir zwei Jungen im Dorf entdeckt, die eigentlich in der Schule hätten sein müssen. Auf unsere Nachfragen hin haben sie uns erzählt, ihre Familie könne sich die Schulgebühren nicht mehr leisten. Der Vater der beiden Kinder war vor kurzem verstorben. Die Mutter kann sich die Schulgebühren nicht alleine leisten, da der Mann der Hauptverdiener für den Haushalt war. Daraufhin haben wir uns bei der Schule erkundigt, die Schulgebühren gezahlt, die Jungen mit neuer Schuluniform, neuen Schulsachen und Büchern eingedeckt und zur Schule gebracht. So können die Kinder zumindest bis zum Ende des Jahres weiter zur Schule gehen.

Stets offen und freundlich

Die Menschen hier begegnen einem stets offen und freundlich. Wenn wir durch die Straßen des Dorfes laufen, werden wir immer zum Essen eingeladen, egal, wie klein das Haus auch sein mag. Eine Familie hat uns sogar – als Zeichen der Dankbarkeit und Freude – ein lebendiges Huhn geschenkt. Das hat uns sehr gerührt, denn es zeigt, wie verbunden hier miteinander umgegangen wird. Trotz all der Not und all der Armut teilen die Menschen ihr Hab und Gut miteinander.

Alles in allem kann ich eine Sache mit Sicherheit sagen: Der Einsatz hier wird mich für mein weiteres Leben und Handeln prägen. Die Dinge, die für uns in Deutschland alltäglich sind, wie bei Krankheit zum Arzt zu gehen oder überhaupt die Möglichkeit zu haben, nach neuesten medizinischen Erkenntnissen behandelt zu werden, sind hier unvorstellbar.

Weitere Informationen zu dem Projekt „Likoni – Healthcare for all“ finden Sie im Internet unter spenden-bewegen.de

Von Ann-Kathrin Inselmann