Freitag , 25. September 2020
Mitglieder des Kreistages besichtigen die stillgelegte BHZP-Baustelle in Ellringen. Foto: kre

„Transparenz und Offenheit“

Ellringen. Für einen kurzen Moment drohte die Veranstaltung mit den Kreistagsmitgliedern im Konferenzraum der BHZP in Ellringen zu eskalieren: „Seit einer Stunde hören wir jetzt, was die BHZP alles macht“, platzte Christoph Podstawa (Linke) der Kragen: „Wir sind aber nicht für eine Werbeveranstaltung hier, sondern wir sind hier, um die Baustelle zu besichtigen!“ In der Tat hatten sich die Vertreter aus allen Kreistagsfraktionen auf den Weg nach Ellringen gemacht, um sich mit eigenen Augen ein Bild davon zu machen, was dran ist an den Vorwürfen, dass es sich bei der Baustelle der „Bundes Hybrid Zucht Programm“ GmbH (BHZP) um einen „Schwarzbau“ handeln soll, an dem „heimlich, still und leise“ weitergebaut werde. Und das, obwohl der Landkreis im Februar den „Sofortvollzug der Baugenehmigung“ ausgesetzt hat und nur noch Sicherungsarbeiten erlaubte.

Führung über die Baustelle

Podstawas Vorwurf konterte BHZP-Geschäftsführer Dr. Conrad Welp in gleicher Schärfe. Er habe den Kreistag eingeladen, um den Mandatsträgern deutlich zu machen, wer oder was die BHZP ist, was in Ellringen an züchterischer Forschung und Arbeit geleistet werde. „Aber ich habe sie nicht eingeladen, damit sie als Kontrolleure die Arbeit der Kreisverwaltung kontrollieren.“

Der BHZP-Chef machte aber auch deutlich: „Wir sind für Transparenz. Wir haben nichts zu verstecken und nichts zu verheimlichen!“ Die Führung über die Baustelle fand anschließend selbstverständlich statt.

Da wären auch gerne die Gegner der BHZP dabei gewesen, die auch am Dienstagnachmittag während des Besuchs der Kreistagsmitglieder ihre Transparente ausgerollt und gegen das Bauvorhaben demonstriert hatten. Der Zugang auf die abgesperrte Baustelle wurden ihnen verwehrt. „Das hat doch nichts mit Transparenz zu tun, wenn wir als Öffentlichkeit ausgesperrt werden“, klagte ein Aktivist.

Nächtliche Drohanrufen bei Mitarbeitern

Zuvor hatte Welp den Kreistagsmitgliedern noch einmal eindringlich deutlich gemacht, welchen Anfeindungen das Unternehmen und seine Mitarbeiter ausgesetzt seien: Das reiche von nächtlichen Drohanrufen bei Mitarbeitern zu Hause, über Sachbeschädigungen bis hin zu völlig ungerechtfertigten Anzeigen: „Angeblich würden wir unsere Tiere in zu dunklen und in nicht genehmigten Ställen halten,“ listete Welp auf, „wir würden gegen den Datenschutz verstoßen, und, und, und… Alles Vorwürfe und Aktionen, die wir in keiner Weise dulden und die wir auf das Schärfste verurteilen“, betonte der BHZP-Geschäftsführer: Und in Richtung der Kreistagsabgeordneten Tanja Bauschke (Grüne) stellte er klar. „Alle Anzeigen gegen uns sind ausnahmslos ins Leere gelaufen …!“

„Nett, dass sie mir das sagen“, konterte die Öko-Politikerin leicht irritiert und stellte ihrerseits klar: „Meine Kritik gilt nicht schlechthin der BHZP, sondern vielmehr der Entscheidung, die Ställe an der umstrittenen Stelle zu bauen.“ In einer Pressemitteilung der Grünen vor wenigen Tagen hatte sie zudem wörtlich moniert: „Die Grünen Lüneburg sehen angesichts der gravierenden Planungsmängel keinerlei Chancen für einen neuen Bebauungsplan.“

„Wir konnten uns alles anschauen“

Nichtsdestotrotz sehen die Lüneburger Kreistags-Grünen den Besuch in Ellringen als aufschlussreich: Fraktionschefin Petra Kruse-Runge sagt: „Wir konnten uns alles anschauen.“ Zuvor hatten Kruse-Runge und Bauschke beim Landkreis Akteneinsicht genommen mit dem Ziel, herauszufinden, was der Landkreis nach dem Baustopp noch als Sicherungsmaßnahme an den Bauten zugelassen hat. Ihr Eindruck: „Da war man mit der Genehmigungsliste zu lax, zu großzügig und zu nachlässig.“ Allerdings habe sich die BHZP, so ihr Eindruck, „im Großen und Ganzen“ an die Auflagen gehalten.

Das steht für Wilhelm Kastens (CDU) ganz außer Frage: „Der Besuch auf der Baustelle hat eindeutig geklärt, dass die BHZP nur Sicherungsmaßnahmen an den Bauten vollzogen hat, die erlaubt waren. Für mich sind die Vorwürfe, dass dort ein Schwarzbau entsteht, entkräftet.“

Arbeit an neuem B-Plan

Am Ende zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung zeigten sich sowohl Welp, als auch Kreisrätin Sigrid Vossers: „Wir haben in aller Offenheit und Transparenz gezeigt, was wir hier machen“, bilanziert Welp, der auch lobend erwähnte, dass Vertreter aus allen Kreistagsfraktionen der Einladung nach Ellringen gefolgt waren. „Miteinander reden ist immer gut“, findet auch Kreisrätin Vossers.

Doch wie geht es weiter? Der Flecken stellt zurzeit einen neuen Bebauungsplan auf. Der Entwurf befindet sich seit dem 27. Juni in der öffentlichen Auslegung. Die Pläne können im Dahlenburger Rathaus noch bis zum 29. Juli eingesehen werden. Ob der dann den gerichtlichen Überprüfungen standhält, bezweifeln aber nicht nur Mitglieder der Bürgerinitiative, die gegen die Anlage zu Felde zieht. Ob und wann die Sauen in die neuen Ställe umziehen können, steht also wohl weiter in den Sternen.

Von Klaus Reschke

Mehr dazu:

„Wir möchten alles zeigen“

Handwerker sind abgerückt

Baustopp für Schweinestall in Ellringen

Prozess um Schweinestall und Chance aufs Finale

Ellringen: Schweinezuchtanlage bleibt umstritten

Gülle-Problem scheint gelöst – Erweiterung der Schweinezuchtanlage Ellringen nimmt nächste Hürde