Sonntag , 25. Oktober 2020
Mit Leidenschaft spielte Flemming Herrndorf Fußball. Nach dem vierten Kreuzbandriss musste er aufhören und ist seitdem oft auf der Bank oder der Tribüne des SV Ilmenau „zu Gast“. Doch dem Fußball bleibt er treu. Foto: t&w

Alle zwei Jahre ein Kreuzbandriss

Wer seinen Sport mit Leidenschaft betreibt, dürfte das kennen: Eine Erkältungspause im Trainingsplan gleicht schon einer Katastrophe. Was aber, wenn Krankheit oder Verletzung Sportler wochenlang ausbremsen, Wettkampfträume platzen lassen oder ganz zum Karriereende zwingen? Wie gehen ambitionierte Sportler aus der Region damit um, welche Gedanken quälen sie, wie motivieren sie sich. Wir stellen einige Pechvögel in einer Serie vor. Heute der zweite Teil.

Melbeck. Manchmal juckt es Flemming Herrndorf einfach zu doll in den Füßen, dann muss er nochmal auf den Rasen. „Für fünf Minuten, aber ich gehe längst nicht mehr in jeden Zweikampf.“ Vier vordere Kreuzbandrisse im rechten Knie haben den Kicker vom SV Ilmenau ausgebremst. Vier folgenschwere Verletzungen, die ihn 2017 letztendlich zwingen, die Fußball-Laufbahn an den viel zitierten Nagel zu hängen.

Der Arzt spricht ein Machtwort

Nicht einfach für einen, der seit dem dritten Lebensjahr für das runde Leder brennt. „Aber der Arzt hat mir klar zu verstehen gegeben, dass das nicht mehr gesundheitsförderlich ist“, erzählt er. Sehnen aus beiden Knien und dem Oberschenkel mussten als Transplantate herhalten.

Im Zweijahres-Rhythmus hat es den 26-Jährigen erwischt, 2011 das erste Mal. „Eine Saison konnte ich spielen, dann ist es wieder passiert. Beim letzten Mal wusste ich: Das war’s jetzt.“ Nie war ein grobes Foulspiel schuld. „Ich habe mich vertreten, bin im Rasen hängen geblieben oder es fehlte der Grip auf dem Hallenboden. Ich war eben nie der filigrane Spieler.“ Danach folgte immer dasselbe Programm, das der Ex-Verteidiger gebetsmühlenartig runterspulen kann: „Das Knie musste abheilen, danach MRT-Termin, Operation, im Anschluss Reha.“

Sechs Monate später war er zurück auf dem Platz. Wer das viermal schafft, muss einen eisernen Willen haben: „Der Bock auf Fußball und das Gewinnen wollen haben mich das immer wieder durchziehen lassen.“ Der Arbeitgeber spielte zum Glück mit. „Ich habe nie Sperren gesetzt bekommen. Eine Woche nach der Operation saß ich wieder am Arbeitsplatz“, erklärt Herrndorf, der als Betriebswirt in einem Lüneburger Unternehmen arbeitet.

Zuschauen fiel anfangs besonders schwer

Das Ende seiner Fußball-Laufbahn konnte der Lüneburger anfangs nur schwer akzeptieren „Das erste Jahr war schlimm. Es ist ja nicht nur der Sport, sondern vor allem die Gemeinschaft, die einem fehlt. Das Drumherum ist einfach geil.“ Zwei bis dreimal die Woche traf er seine Mitspieler beim Training, die Sonntage waren immer für Punktspiele vergeben. „Und auf einmal hast du frei“, gibt er zu bedenken. „Das Zugucken fiel anfangs besonders schwer, wenn die anderen spielen konnten.“

Doch mit der Zeit fand Flemming Herrndorf neue Nischen – natürlich im Fußball. „Ich gucke mir jetzt an den Wochenenden auch viele andere Spiele an, das habe ich sonst nie geschafft.“ Und wann immer sich sein altes Team außerhalb des Rasens trifft, ist er dabei – so wie zuletzt bei der Mannschaftsfahrt nach Polen.

Fit hält er sich dafür mit Laufen und Fitness

Seine Leidenschaft für Fußball will er ab der neuen Saison beim SV Ilmenau an den Nachwuchs weitergeben – und macht im Herbst seinen Trainer-C-Schein. Er wird Coach der U 11, will Spaß und Teamgeist in den Vordergrund stellen. „So wie ich das hier von Anfang an im Verein erlebt habe.“

Fit hält er sich dafür mit Laufen und Fitness. Kein Vergleich zum Fußball, „aber alle Sportarten mit einer Start-Stopp-Bewegung sind Gift für mich“, so Herrndorf. Dennoch wagt er einen vorsichtigen Blick in die Zukunft – und setzt grinsend hinzu: „Mit 32 Jahren will ich in der Altherren wieder angreifen – als Spieler oder Bankwärmer, wir werden sehen.“

Von Kathrin Bensemann