Dienstag , 29. September 2020
Oberbürgermeister Ulrich Mädge blickt mit Schülern, die bei der Veranstaltung vorgetragen haben, auf das Jahr 1944 zurück. Foto: phs

Bemerkenswerte Biografien

Lüneburg. Sie wollten Hitler ermorden und den Krieg beenden, als Mittel wählte die Gruppe um den Offizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine Bombe. Ihr Umsturzversuch am 20. Juli 1944 scheiterte und endete mit der Hinrichtung der Attentäter. Zum 75. Jahrestag des Attentats am Sonnabend beschäftigte sich eine Veranstaltung der Stadt und des Museums Lüneburg im Rahmen der Erinnerungs- und Gedenkkultur mit den Ereignissen von damals. Trotz Ferien mit dabei: Schüler der IGS Lüneburg.

In der Gesamtschule in Kaltenmoor hielt Prof. Dr. Heike Düselder einen Impulsvortrag. Die Leiterin des Museum Lüneburg informierte über den historischen Zusammenhang von Straßenbenennungen und öffentlicher Erinnerungskultur. Anschließend lasen Schüler Texte und Lebensgeschichten ausgewählter Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime vor, nach denen heute einige Straßen im Lüneburger Stadtteil benannt sind. In einem Workshop für Schüler waren zuvor schon beeindruckende künstlerische Annäherungen an das Thema in Form von Comiczeichnungen entstanden (LZ berichtete). Bereits 2014 hatten sich Schüler der IGS Lüneburg mit den Straßennamen im Umkreis ihrer Schule befasst und eine Sonderausstellung erarbeitet.

Zeitzeugen werden immer weniger

Immer weniger Zeitzeugen können davon berichten, wie es dazu kommen konnte, dass in Deutschland die größte Katas­trophe des 20. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Oberbürgermeister Ulrich Mädge sieht hierin eine der Hauptaufgaben von Erinnerungskultur. „Dafür ist es wichtig, sich mit der Geschichte vor Ort auseinanderzusetzen, in der eigenen Stadt, im eigenen Stadtteil oder eben in der eigenen Straße.“ Deshalb freue er sich besonders über die Neuauflage der 2002 von Henry Thobaben erarbeiteten Broschüre zum Thema Widerstandskämpfer und Straßennamen in Kaltenmoor.

„Wer aufmerksam durch diese Straßen geht, entdeckt nicht nur einen lebenswerten Teil Lüneburgs, sondern auch die Namen, die von bewegten Lebensgeschichten und historischen Ereignissen erzählen“, sagt Mädge. Die Broschüre erzählt 36 Geschichten, eine davon ist die des Lüneburger Sozialdemokraten Hermann Niemann, der für das Verteilen von Flugblättern im Konzentrationslager Sachsenhausen ermordet wurde.

„Um diesen Widerstandskämpfern beispielhaft für viele andere zu gedenken, wollte die Hansestadt mit der Benennung der Straßen in Kaltenmoor seinerzeit ein Zeichen setzen“, erinnerte Ulrich Mädge. „Jede Generation muss ihren eigenen Weg finden, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Dass das funktionieren kann, haben die Schülerinnen und Schüler der IGS eindrucksvoll gezeigt“, wertete der Oberbürgermeister und stellte klar: „Für Hass, Gewalt und Rechtsradikale kann es keinen Platz in unserer Gesellschaft geben.“

Von Malin Mennrich