Donnerstag , 29. Oktober 2020
Bei der Polizei ist Geld aus dem Asservatenraum verschwunden. Der Verdacht: Ein Polizist könnte zum Dieb geworden sein. Der Verdächtige musste seine Dienstwaffe zunächst abgeben, ist aktuell vom Dienst suspendiert. Foto: Adobe Stock

Ermittler unter Verdacht

Lüneburg. Die Lüneburger Polizei hat einen Polizisten ins Visier genommen: Der Mann steht im Verdacht, im August vergangenen Jahres in Räume der Zentralen Kriminalinspektion (ZKI) eingebrochen zu sein, dort wird unter anderem gegen organisierte und Bandenkriminalität vorgegangen. Der Beamte, der im Bereich polizeilicher Staatsschutz tätig war, soll in den Asservatenraum eingedrungen und eine größere Summe Bargeld gestohlen haben. Entsprechende LZ-Informationen bestätigt der Chef der Lüneburger Kriminalpolizei, Steffen Grimme. Er hat eine Ermittlungsgruppe eingerichtet, die den Fall bei den Kollegen in der benachbarten Dienststelle bearbeitet. Ein übliches Verfahren.

In der ZKI, die sich aufgrund ihrer Ermittlungen im Bereich der Schwerstkriminalität noch stärker abschirmt als andere Behörden, sollen Mitarbeiter empört sein: Jemand, dem die Kollegen vertrauen, habe dieses Vertrauen massiv missbraucht. All das ist der Polizei mehr als peinlich, ZKI und die übergeordnete Polizeidirektion haben sich in dieser Angelegenheit nicht gerade um eine besonders offensive Öffentlichkeitsarbeit bemüht. Nach Anfragen der LZ gab es innerhalb der Polizei aufgeregte Telefonate.

Versuchter Einbruch in die Asservatenkammer

Nach LZ-Recherchen lief es so: Im Sommer vergangenen Jahres versuchte ein Unbekannter, von außen in den Asservatenraum der ZKI einzudringen. Eine Sicherung löste aus, Streifenwagen waren schnell vor Ort, die Polizisten stellten fest: „Der Täter gelangte nicht ins Gebäude.“ Doch bei der Tatortaufnahme in dem besonders gesicherten Zimmer stellte die Spurensicherung fest, dass jemand in dem Raum ein Behältnis aufgebrochen hatte – Geld war verschwunden. Grimme formuliert vorsichtig, „da es sich um Täterwissen handelt“, er sagt: „Es war deutlich sichtbar, dass jemand etwas Unerlaubtes getan hatte.“

Da in den Raum nur Mitarbeiter gelangen, die über eine entsprechende Berechtigung verfügen, konnten die Polizisten den Kreis der Verdächtigen eingrenzen. Sie kamen nach Wochen schließlich auf den Staatsschützer. Beamte durchsuchten im Frühjahr Büro und Wohnung des Beschuldigten, das Geld sollen sie allerdings nicht gefunden haben. „Aber wir haben umfangreiches Material sichergestellt, unter anderem den Computer des Verdächtigen“, bestätigt Grimme. Der Kollege mache von seinem „Aussageverweigerungsrecht“ Gebrauch – er schweigt also.

40-Jähriger musste Waffe und Dienstmarke abgeben

Die Staatsanwaltschaft halte den Mann für dringend tatverdächtig, sagt Grimme. Der 40-Jährige habe Waffe und Dienstmarke abgeben müssen, sei seit der Durchsuchung suspendiert. Zur Frage des Motivs schweigt Grimme. Geldprobleme liegen nahe, der Kripochef sagt: „Das ist Teil der Ermittlungen.“

Kollegen des Beschuldigten treibt die Frage um, ob der Mann in der Vergangenheit vertrauenswürdig gearbeitet hat, ihre Frage: Zu was ist jemand fähig, der in Geldnöten steckt? Grimme sagt dazu: „Wir haben keine Hinweise auf andere Verfehlungen.“ Wie lange das Verfahren dauert, sei unklar: „Wir sind noch dran.“

Von Carlo Eggeling