Sonntag , 27. September 2020
Die LZ-Sonderausgabe zur Mondlandung am 21. Juli 1969. (Repro: row)

Und der Mond gehörte dem Menschen

Lüneburg. Der LZ war die Mondlandung eine Sonderausgabe wert: Am frühen Montagmorgen titelten wir: „Seit heute morgen um 3.56 Uhr gehört der Mond dem Menschen“, weiter unten: „Aldrin macht Känguruhsprünge“. Auf vier Seiten erklärten die Redakteure alles Wissenswerte über diesen „großen Sprung für die Menschheit“ und das Wettrennen zum Mond zwischen USA und Sowjetunion. Etwa, dass das Fernsehen in Russland während der Mondlandung ein Fußballspiel zeigte, Millionen Sowjetbürger jedoch gespannt am (West-)Radio hingen, um sich über die Landung zu informieren. Und, dass die Belegschaft einer Karlsruher Großbäckerei mit Streik drohte, dürften sie bei der Arbeit nicht die Mondlandung am Fernseher mitverfolgen.

Gisela Plaschka war das Dauerfernsehen leid

Dieses 50 Jahre alte Extrablatt ist ein spannendes Dokument der Zeit. Renate Wienicke, geborene Meyer hat es all die Jahre aufgehoben. „Damals wohnte ich noch in Bleckede, war gerade aus der Schule entlassen worden und würde nach den Ferien meine Lehre beginnen“, schreibt sie uns. Mittlerweile wohnt sie in Holzminden in Südniedersachsen.
Auch Gisela Plaschka aus Lüneburg erinnert sich an die Mondlandung. „1969 war ich 14 Jahre alt und unsere Familie klebte förmlich vor dem Fernseher! Er lief über Stunden und Stunden, damit man die entscheidenen Momente bloß nicht verpasste.“ Allerdings: „Dieses Dauerfernsehen war aber auch eher langweilig. Die Sache zog sich doch ziemlich hin.“

Deutlich aufregender fand es hingegen Matthias König , ebenfalls aus Lüneburg: „Ein Jahr vor meinem Abitur hatte ich einen Ferienjob bei der Firma Pumpen Löwe in Lüneburg angeknommen. Da ich in der Woche die Spätschicht hatte, kam ich erst um etwa 11 Uhr nach Hause.“ Er verfolgte gebannt die Berichterstattung im Fernsehen. „Der brachte nur verwaschene Bilder, auf denen schemenhafte Bewegungen von einem Menschen zu sehen waren. Aber das tat dem Bewusstsein, Zeuge eines historischen Ereignisses zu sein, überhaupt keinen Abbruch. Ich werde diese Nacht nie vergessen. row