Dienstag , 29. September 2020
Wer sich vor Viren schützen will, sollte sich häufig die Hände waschen. Foto: A/t&w

Gefährliche Rotaviren auf dem Vormarsch

Lüneburg. Landesweit gibt es offenbar immer mehr Rotavirus-Infektionen. Die Meldungen aus Niedersachsen an das Robert Koch-Institut (RKI) haben zuletzt stark zu genommen. Auch im Landkreis Lüneburg gab es bereits im ersten Halbjahr 2019 mehr Fälle als im gesamten vergangenen Jahr. Das Virus löst heftigen Brechdurchfall aus, besonders kleine Kinder sind gefährdet.

Die Krankenkasse IKK classic hat die aktuelle Statistik des Bundesinstituts für Infektionskrankheiten ausgewertet. Demnach wurden bis zum 23. Juni 2019 fast 3000 Infektionen in Niedersachsen gezählt. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2018, als es 1377 Fälle gab.

Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr stark

Außer in Sachsen und Thüringen habe die Infektionsrate mit dem gefährlichen Krankheitserreger in allen Bundesländern zugenommen. Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits mehr als 30.000 Infektionen beim Robert-Koch-Institut gemeldet, fast 7000 Meldungen mehr als im Jahr 2018 insgesamt. „Die Zahlen schwanken zwar von Jahr zu Jahr stark“, sagt Markus Schrader, Regionalgeschäftsführer der IKK classic. „Die Steigerung in diesem Jahr ist aber ungewöhnlich, vor allem in Niedersachsen.“

Im Landkreis Lüneburg wurden in diesem Jahr bislang 26 Fälle gemeldet, heißt es vom Gesundheitsamt. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 21. Allerdings sei das eine sehr niedrige Zahl gewesen, verdeutlicht Gesa Tüchler, Ärztin im Infektionsschutz beim Kreisgesundheitsamt. Sie nennt auch einen möglichen Grund für die starken bundesweiten Schwankungen: „Infektionen mit Rotaviren können nur gemeldet werden, wenn es einen Labor-Nachweis aus Stuhluntersuchungen gibt. Dies geschieht aber nur bei einer geringen Anzahl von Durchfallerkrankungen, da nicht jeder Patient mit entsprechenden Symptomen zum Arzt geht. Und dann wird auch nicht in jedem Fall eine Stuhluntersuchung veranlasst. Daher wird nur ein Teil der tatsächlichen Erkrankungen erfasst.“

Vor allem Babys und Kleinkinder sind gefährdet

Rotaviren sind sehr ansteckend. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch sogenannte Schmierinfektionen, winzige Mengen reichen dafür aus. Nach ein bis drei Tagen setzen die Symptome ein. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder. Sie können schwer bis lebensbedrohlich erkranken. Die Medizinerin macht deutlich: „Deshalb ist eine Impfung für Säuglinge ab der 6. Woche wichtig. Die Schluckimpfung muss bis zum Alter von 6 Monaten abgeschlossen sein. Der Schutz besteht dann für zwei bis drei Jahre.“

Präventionsmaßnahmen für den Alltag seien sorgfältiges Händewaschen mit Seife nach dem Toilettengang und allgemein eine gründliche Händehygiene. Erkrankte sowie Beschäftigte sollten Gemeinschaftseinrichtungen bis 48 Stunden nach Abklingen der Symptome einer Magen-Darm-Infektion nicht besuchen. In Einrichtungen wie Kindergärten, Alten- und Pflegeheimen und dem Krankenhaus würden Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt. ahe