Samstag , 26. September 2020
Reinhard Müller (l.) und Thomas Mantei beim Befüllen der großen Insektenhotels, von denen die Mitglieder der „Interessengemeinschaft der Jäger Lüneburg“ 61 Stück gebaut haben. Foto: kre

Jäger und „Hoteldirektor“

Leestahl. Reinhard Müller ist passionierter Jäger. Wohl schon deshalb hat der Dahlenburger einen besondern Blick auf die Natur und die Umwelt. Doch was er sieht, beziehungsweise nicht sieht, bereitet ihm große Sorge: „Es gibt immer weniger Insekten und das ist gar nicht gut!“

Müller ist aber auch Vorsitzender der „Interessengemeinschaft der Jäger Lüneburg“ (IDJ). Und gemeinsam mit seinen Mitstreitern setzte der 71-Jährige jetzt ein großes Projekt in die Tat um: Geradezu in Rekordzeit zimmerten er und seine Helfer 61 Insektenhotels zusammen. Keine kleinen Häuschen, wie man sie in jedem Baumarkt zu kaufen bekommt, sondern türblattgroße mehr als 70 Kilogramm schwere Gestelle. Der größte Teil der „Hotels“ für Bienen, Florfliegen und Co. hat bereits Abnehmer gefunden. Sie stehen in Kindergärten, an Grundschulen, aber auch in Schreber- und privaten Gärten – „und werden laut ersten Rückmeldungen von ihren neuen Bewohnern bereits bestens angenommen“, freuen sich Müller und sein Mitstreiter Thomas Mantei (51).

Der Bau von Insektenhotels ist nicht das erste Umweltprojekt der Interessengemeinschaft, die 2011 gegründet wurde, um Revierinhabern und Jagdhundeführern in allen Fragen der Jagd zu unterstützen, insbesondere um Jagdhundeführer ideell und finanziell bei den Kosten einer notwendigen Behandlung von verunfallten Jagdhunden zu unterstützen.

Zwei Euro von jedem Schützen

Zehn Euro beträgt die Aufnahmegebühr in den Verein, zudem muss jeder Schütze zwei Euro als Obolus bei Gesellschaftsjagden entrichten. Das füllt die „Kriegskasse“ für Projekte wie jetzt den Bau der mannshohen und mindestens ebenso schweren Insektenhotels.

Dabei ist das Engagement der Insektenhotels nicht das einzige Naturschutzprojekt, dass die rund 200 Mitglieder – Revierinhaber und Hundehalter – auf die Beine gestellt haben. So wurde schon eine Streuobstwiese angelegt und Obstbäume beschnitten. Stolz sind Reinhard Müller und Thomas Mantei aber auch auf ihr Projekt im vergangenen Jahr. Denn mit Hilfe von Sponsoren konnte sich die Interessengemeinschaft eine Drohne mit Wärmebildkamera anschaffen. „Zur Kitzrettung“, erklären die beiden. Bevor die Landwirte mit ihren Mähwerkzeugen aufs Feld fahren, suchen Müller und seine Mitstreiter mit ihrer Hightech-Ausrüstung abends und morgens das Feld ab. Damit kein Kitz mehr den Mähtod stirbt.

Ein knappes Dutzend Helfer waren immer vor Ort

Und so, wie sich die Jäger für die „großen Tiere“ einsetzen, so sehr engagieren sie sich auch für die Insekten. Das Lärchenholz für die Insektenhotels stammt aus der nahen Försterei Junkernhof – keine zwei Kilometer von Leestahl entfernt, wo die „Hotels“ zusammengeschraubt wurden. „Noch im Wald haben wir die Stämme mit Hilfe eines mobilen Sägewerks zu Brettern ausgesägt“, berichten Müller und Mantei, die genauen Zuschnitte fanden dann in der Scheune von Cord Peters in Leestahl statt. Bei der Arbeit im Wald und später beim Zusammenbau waren Müller und Mantei nicht alleine: „Ein knappes Dutzend Helfer waren immer vor Ort und haben mit angepackt“, freut sich Reinhard Müller.

Über das „Innenleben“ der Insektenhotels haben sich die Jäger und Naturschützer selbstverständlich auch Gedanken gemacht: Von Kalksandsteinen über Stroh und Heu bis hin zu Röhricht, Buchenscheitholz und Tannenzapfen finden sich viele Unterschlupfmöglichkeiten für Nützlinge in den Hotels. „Wichtig ist, die Hotels nach Süden auszurichten“, erläutert Müller, „dann werden die Unterkünfte garantiert auch angenommen.“

Von Klaus Reschke