Sonntag , 25. Oktober 2020
Die Landräte Tomasz Kranc (r.) und Manfred Nahrstedt unterzeichnen einen neuen Freundschaftsvertrag zwischen den Landkreisen. (Foto: t&w)

In aller Freundschaft

Lüneburg. Eine gute und enge Freundschaft hält vieles aus, auch die Reden von Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt. Das bewies jetzt die Delegation aus dem polnischen Landkreis Wagrowiec, die derzeit in Lüneburg zu Gast ist. Gestern feierten die Vertreter beider Seiten die deutsch-polnische Freundschaft auf Landkreis-Ebene, die schon seit 20 Jahren währt. Mit einem Vertrag wurde die Verbindung bei einer Feierstunde im Sitzungssaal der Kreisverwaltung offiziell erneuert. In seiner Rede vor mehr als 40 geladenen Gästen erwähnte Nahrstedt amüsiert, wie die polnische Delegation einst in Bardowick mit Spargelstechern verwechselt wurde. Der Stimmung tat das keinen Abbruch. Im Gegenteil: Der polnische Landrat Tomasz Kranc und Franciszek Szklennik von der Lokalzeitung „Glos Wagrowiecki“ überreichten Nahrstedt den internationalen Preis „Brücke der Freundschaft“.

Zu Beginn erinnerte Nahrstedt in seiner Begrüßungsrede an das schwierige Verhältnis zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk nach den Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs. Umso erfreulicher sei die Entwicklung der beidseitigen Beziehungen der vergangenen zwei Jahrzehnte. Nahrstedt: „Unsere Partnerschaft ist etwas Besonderes. Sie lebt von herzlichen menschlichen Kontakten, gegenseitigem Interesse und Respekt. All das ist in den Jahren gewachsen und das ist etwas, worauf wir stolz sein können.“ Besonders wichtig sei ihm, dass der Austausch vor allem von jungen Menschen fortgesetzt werde.

Bilder aus 20 Jahren Partnerschaft

Der polnische Landrat Tomasz Kranc pflichtete dem bei. In der deutschen Übersetzung seiner Rede hieß es: „Direkte Kontakte und persönliche Gespräche machen den Menschen bewusst, dass wir trotz kultureller, sozialer oder materieller Unterschiede ähnliche Probleme, Träume, Wünsche und Aufgaben zu erfüllen haben.“ Die Partnerschaft wurde beispielsweise mit Leben erfüllt durch gegenseitige Besuche von Sportvereinen, Landfrauen und Kommunalpolitikern bis hin zu einem gemeinsamen Ausbildungsprojekt junger Landwirte.

Dass diese deutsch-polnische Freundschaft tatsächlich in die Tiefe geht, belegt auch ein Dokument vom 2. Mai 2007. Zu später Stunde verfassten Polen und Deutsche das Papier, in dem sie „einstimmig“ die Hymne der Partnerschaft festlegten – und die auch diesmal in den Festreden Erwähnung fand: „Na zdrowie, na zdrowie der Gemütlichkeit. Auf der Lüneburger Heide – Zack!“ Damals hatte das Lied der stellvertretende Landrat Peter Olshof gern angestimmt und auf dem Akkordeon begleitet.

Geräte zum „Aufbrechen von Autos“ nach Polen geschickt

Den Preis „Brücke der Freundschaft“ erhielt Landrat Nahrstedt nun für seinen Einsatz für die deutsch-polnischen Beziehungen. In seiner Dankesrede berichtete Nahrstedt auch, wie er früher als Ratsmitglied in Amelinghausen beteiligt war beim Aufbau der Beziehungen mit der polnischen Gemeinde Wapno. „Wir haben nicht nur Feuerwehrfahrzeuge rübergeschickt, sondern auch Geräte … zum Aufbrechen von Autos.“ Er gestikulierte etwas hilflos am Rednerpult, meinte hoffentlich Hydraulikscheren, zur Rettung eingeklemmter Personen bei Autounfällen.

Lüneburgs Alt-Landrat Franz Fietz erinnerte an die Vorläufer der deutsch-polnischen Freundschaft auf Landkreis-Ebene. Den Anfang hatte Jahre zuvor die Samtgemeinde Bardowick gemacht, als sie das Freundschaftsband mit der polnischen Gemeinde Skoki knüpfte. Da seinerzeit die polnischen Partner regelmäßig beispielsweise Kammermusiker und Chöre nach Lüneburg für einen musikalischen Gruß schickten, wollte sich Fietz damals revanchieren und nahm seinen Jagdhornbläserchor mit nach Skoki. Die Bläser spielten an einem schönen Morgen bei einem Gottesdienst in der Kirche von Skoki. Laut Fietz sei die Kirche brechenvoll gewesen. Und kalt. Aber durch das gemeinsame Erleben sei allen derart warm ums Herz geworden, dass niemand ans Frieren gedacht habe, sagte Fietz. „Und alle haben gespürt, dass etwas ganz Großartiges entsteht.“

Musik gab es auch diesmal bei der Feierstunde in der Lüneburger Kreisverwaltung: Und zwar vom Harfen-Duo Hannah Brand (12) aus Reppenstedt und Sirba Gabbert (14) aus Adendorf. Eine der polnischen Freunde nannte die wohlige Klangdarbietung „Honig für die Ohren“.

Von Dennis Thomas und Daniel Behrends