Donnerstag , 22. Oktober 2020
Vorfreude herrscht bei der Marinekameradschaft Lüneburg: (v.l.) Joschie Hippma, Klaus Neumann und Michael Schäfer. Foto: ilg

Sie spinnen Seemannsgarn

Lüneburg. Es muss nicht immer die Sehnsucht nach dem weiten Meer sein, wenn es um maritimes Gedankengut geht. Die Mitglieder der Marinekameradschaft Lüneburg und Umgebung verbindet das Interesse an allem, was mit Seefahrt, aber auch mit Wassersport zu tun hat. Durch viele Veranstaltungen und Aktivitäten ist der Verein in der Region bekannt geworden. Jetzt feiert er seinen 110. Geburtstag.

Im Bootshaus an der Ilmenau hinter der Lüneburger Feuerwehr treffen sich regelmäßig jeden ersten Freitag im Monat um 18.30 Uhr die Männer und Frauen des Vereins zum Klönschnack, Skatspiel oder um Seemannsgarn zu spinnen, wobei Gäste stets willkommen sind. Schließlich gibt es viel Interessantes – der älteste Veteran ist 92 Jahre – aus der Vergangenheit zu erzählen, sei es von der Zeit bei der Handels- oder Bundesmarine oder auch von den Freizeit-Skippern. Besonders beliebt ist das stets im Juni stattfindende Matjesessen, aber auch wenn Bootshaus-Wirt und Koch Joschie Hippma im Oktober fachmännisch zubereitetes Labskaus serviert, sind immer viele Plätze an den Tischen besetzt.

Bereits seit 1912 sind auch Frauen dabei

Das Gründungsdatum des Vereins jährte sich bereits am 21. Februar. Grund genug für den Vorsitzenden Michael Schäfer und dessen Stellvertreterin Annegret Schramme Rückschau zu halten und an die Anfänge zu erinnern. Die waren nämlich noch zu Kaisers Zeiten. Nach einem Aufruf in der damaligen Tageszeitung „Lüneburg‘schen Anzeigen“ trafen sich Anfang Februar 1909 in der damaligen Maacks Gaststätte in Lüneburg 20 ehemalige Marineangehörige, um einen Marineverein zu gründen – was an jenem 21. Februar dann auch passierte. Im selben Jahr schloss er sich dem Deutschen Marinebund an. Bereits 1912 trat auch eine Frauengruppe dem Verein bei, die von Anfang an im Vereinsleben mitwirkte.

Schwierige Zeiten hatte der Verein nach dem 1. Weltkrieg zu bestehen, weil die Mitglieder den Anfechtungen politischer Parteien ausgesetzt war. Nach der Machtübernahme durch die NSDAP blieb der Verein zwar bestehen, aber die 1926 gegründete Marinejugend-Gruppe wurde in die Marine-Hitler-Jugend übernommen. Sogar als nach dem Zusammenbruch bei Kriegsende durch die britische Besatzungsmacht das Verbot des Vereins kam, brach der Kontakt der Mitglieder untereinander nicht ab – im eigens gegründeten Kegelclub „Heiderose“ blieben sie verbunden. Erst 1952 durfte das Vereinsleben unter dem Namen „Marinekameradschaft Lüneburg und Umgebung“ wieder aufgenommen werden.

Großes Sommerfest am Sonnabend, 13. Juli

„In all den Jahren haben wir viel Wert darauf gelegt, gute Kontakte zu anderen Marinekameradschaften, Vereinen und Institution aufzunehmen und zu pflegen“, betont Michael Schäfer. Dabei erwähnt er die Verbundenheit zum Patenschiff der Stadt Lüneburg, dem ehemaligen Trossschiff „Lüneburg“, das heute unter argentinischer Flagge fährt. Eine enge Kameradschaft besteht seit 1992 bereits zur Lüneburger Patenstadt Köthen und damit zur dortigen Marinekameradschaft. Am eigentlichen Jahrestag der Gründung legte der Verein zum Gedenken an die auf See gebliebenen Kameraden am Marine-Ehrenmal in Laboe einen Kranz nieder.

Nun aber wird gefeiert – mit einem großen Sommerfest am Sonnabend, 13. Juli, im Bootshaus mit vielen geladenen Gästen, zum Beispiel von den Marinekameradschaften Köthen, Soltau, Munster und Meinersen. Das Motto: „Weiter so, auf rechtem Kurs, volle Fahrt voraus ins nächste Jahrtausend“.

Mehr Informationen auf www.marinekameradschaft-lueneburg.de im Internet.

Von Irene Lange