Donnerstag , 1. Oktober 2020
Ulrich Blanck ist sauer über das Vorgehen im Hanseviertel-Ost. Er findet, dass zu sorglos Bäume gefällt werden. (Foto: t&w)

„Naturschutzdrama“ oder „Verschwörungstheorie“?

Lüneburg. Bevor mit dem Bau neuer Gebäude im Hanseviertel-Ost begonnen werden kann, wird das ehemals militärisch genutzte Areal nach Kampfmitteln abgesucht. Die Stadt hatte jüngst angekündigt, dass es sein könnte, dass dafür einige Bäume gefällt werden müssten, darunter vier Linden. Das empört Ulrich Blanck von den Grünen. Seine Fraktion fordert einen „bewussteren Umgang mit Bäumen in Baugebieten“.

Wie berichtet, hat der Erschließungsträger Sparkasse Hanse Immobilien einen Kampfmittelräumdienst beauftragt, den Boden nach Munition oder Übungsmimen zu sondieren und diese gegebenenfalls zu beseitigen. Dabei könnten auch Bäume fallen – wie bereits im Neubaugebiet Ilmenaugarten.

Sondererlaubnis zum Fällen

Blanck hatte im Februar im Umweltausschuss nachgehakt, warum eine stattliche Eiche im Ilmenaugarten nicht mehr zu finden sei, obwohl deren Erhalt im Bebauungsplan festgesetzt war. Die Stadt erklärte, sie habe im Zuge der Kampfmittelsondierung und der zahlreichen Blindgängerfunde dem Eigentümer eine Sondererlaubnis zum Fällen des Baumes erteilt. Die Auflage: Er muss zehn neue, standortheimische Laubbäume mit einem Stammdurchmesser von 21 bis 25 Zentimeter pflanzen.

„Es wird anscheinend zum Regelfall, dass man den Rat Bebauungspläne mit zu erhaltenden Bäumen beschließen lässt, die dann doch gefällt werden.“ – Ulrich Blanck , Grünen-Fraktionschef

Für Blanck wiederholt sich dieses „Naturschutzdrama nun auch im Hanseviertel-Ost“. Dass es im Gebiet Munitionsreste geben könne, hätte doch auch vor Beschluss des Bebauungsplanes klar sein müssen, meint er. „Wenn wir einen Bebauungsplan mit Festsetzungen zu erhaltender Bäume im Rat beschließen, dürfen wir doch erwarten, dass die Möglichkeit des Erhalts an diesen Standorten geprüft wurde. Es wird in Lüneburg anscheinend zum Regelfall, dass man den Rat Bebauungspläne mit zu erhaltenden Bäumen beschließen lässt, die dann im Nachgang doch gefällt werden.“

Verlust wichtiger Schattenspender

Das Hanseviertel-Ost sei laut Klimagutachten eines der heißesten Gebiete in Lüneburg. Der Verlust von schattenspendenden Bäumen sei nicht so einfach auszugleichen. „Es wird mehr als ein halbes Jahrhundert dauern, bis Ersatzpflanzungen das Gleiche zu leisten vermögen. Wir stecken in einer Klimakrise, es geht in solchen problematischen Bereichen um jeden Baum.“

„Herr Blanck mag für vieles der Fachmann sein, aber ein Zertifikat als Kampfmittel-beseitiger hat er meines Wissens nicht. – Ulrich Mädge , Oberbürgermeister

Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagt zu den Vorwürfen: „Entgegen der Blanckschen Verschwörungstheorien handelt es sich hierbei um ein ganz normales Vorgehen. Erst wird der Bebauungsplan gemacht, anschließend guckt man sich die Flächen im Detail an. Herr Blanck mag für vieles der Fachmann sein, aber ein Zertifikat als Kampfmittelbeseitiger hat er meines Wissens nicht. Ich verlasse mich hier lieber auf die Fachleute, die uns erklärt haben, dass man vorab nicht voraussagen kann, ob und welche Bäume im Zuge der Kampfmittelbeseitigung fallen müssen. Beim Räumen von bisher fünf Splitterschutzgräben ist es gelungen, dass alle Bäume trotz Kampfmittelräumung dort stehen bleiben konnten.“

Werden die vier Linden gefällt, wird die Stadt gemäß Baumschutzsatzung und im Sinne des Klimagutachtens acht Bäume mit einer Höhe von 3 bis 4 Metern nachpflanzen – und zwar im selben Gebiet.

Von Antje Schäfer