Donnerstag , 6. August 2020
Andreas Schmidt und Stefanie Schuppli aus Rosenthal erkunden den Kuhstall im LBZ Echem. Foto: t&w

Mit dem Fahrrad durch den Kuhstall

Echem. Höchstwerte von 38 Grad erklimmt das Thermometer am Sonntag im Landkreis Lüneburg. Temperaturen, bei denen eher das Freibad als der Kuhstall ruft. Die Veranstalter der ersten „Tour de Flur“ im Landkreis zweifelten daran, dass sich viele Interessierte aufs Rad schwingen würden. Doch sie irrten: Rund 400 landwirtschaftsinteressierte Radler ließen es sich trotz der Hitze nicht nehmen, Betriebe im Landkreis auf eigene Faust zu erkunden.

Veranstaltung künftig alle zwei Jahre geplant

Die Tour de Flur ist eine offene Fahrradtour durch die Elbmarsch, bei der Bauernhöfe und landwirtschaftliche Einrichtungen die Möglichkeit bieten, einen Blick hinter die Hoftore zu werfen und mit Landwirten persönlich zu sprechen. Die gesamte Strecke ist 20 Kilometer lang und führt durch Sassendorf, Echem, Artlenburg und Hohnstorf. Organisatoren der Tour sind der Bauernverband Nordostniedersachsen und die Landfrauen.

„Für viele Menschen ist Landwirtschaft etwas Abstraktes, hier zeigen verschiedene Akteure, was sie täglich machen. Wir erhoffen uns von der Aktion einen Dialog, wollen auch ein bisschen mit Klischees aufräumen, es sind ja viele Halbwahrheiten im Umlauf“, erklärt Johannes Heuer, Geschäftsführer des Bauernverbandes. „Es ist erstaunlich, wie viele Leute sich auf den Weg gemacht haben bei diesem schweißtreibenden Wetter, zum Glück weht ein kleines Lüftchen.“ Geplant ist, dass die Tour de Flur von nun an immer im Wechsel mit dem Tag des offenen Hofes, also alle zwei Jahre stattfinden soll. Heuer: „Alle, die wir gefragt haben, fanden die Idee super und waren sofort dabei“.

Besucher bestaunen die Angus-Herde

Auch Christine Diercks vom Wiesenhof in Hohnstorf. „Der Abstand wird immer größer. Wo kommt die Milch, wo das Fleisch her? Das wissen viele Kinder heute gar nicht mehr. Wir freuen uns über jeden, der sich heute auf den Weg gemacht und Lust hat, sich unsere Arbeit ein bisschen näher bringen zu lassen“, erzählt die Landwirtin, die den Familienbetrieb gemeinsam mit ihrer Mutter führt. Ihre beiden Töchter seien schon seit Tagen aufgeregt gewesen wegen des heutigen Tages, denn so viele Leute auf dem Hof haben die Diercks nicht alle Tage.

Besucher bestaunen die Angus-Herde, lassen sich die Bienenschaubeute des Imkers Michael Schölzel zeigen, der auch Tipps gibt, was man im eigenen Garten für die Biene tun kann. Aufgrund der Hitze ziehen die meisten Kinder die ferngesteuerten Trecker von Siku in der kühlen Scheune der Strohburg vor, auch für die Erwachsenen der bevorzugte Ort, um ihre nicht abkühlen wollende Angus-Bratwurst zu genießen. Christine Diercks hat zum Glück an einen großen Eisvorrat gedacht, die Nachfrage ist enorm.

Melkroboter im Kälberstall

Auch beim LBZ Echem hat man sich ins Zeug gelegt, das Kurzfilmkino über Tierhaltung lädt zu einer Erholung ein, der Kälberstall ist geöffnet, Melkroboter und konventionelle Melksysteme können in Augenschein genommen werden, für Kinder wurde eine Rallye vorbereitet. „Vor allem aber stehen wir für Fragen bereit, auch oder besonders für kritische“, sagt Anne Zetl vom LBZ. „Wir wollen der Öffentlichkeit Zugang zu dem verschaffen, was wir machen.“

Das Angebot nehmen Stefanie Schuppli und Jürgen Schmidt aus Rosenthal gerne an. „Eigentlich bin ich ein Stadtkind, habe in Berlin, Wien und Hamburg gelebt. Wegen unserer Pferde hat es uns inzwischen aufs Land verschlagen und wir lieben das Leben hier. Aber über Landwirtschaft wissen wir bislang wenig, die Tour ist eine schöne Gelegenheit, sich an das Thema ranzutasten“, sagt Schuppli. Sie und Schmidt wollen alle Stationen abfahren, „das ist doch bestes Fahrradwetter.“

Von Lea Schulze