Montag , 28. September 2020
Hans-Henning Pabst lädt dazu ein, die Region auf Wegen durch Wald und Wiesen neu zu entdecken. Damit sich dabei niemand verfährt, gibt es digitale Hilfe per Navi. Foto: phs

Auf neuen Wegen durch die Natur

Lüneburg. Der Sommer ist da, das Wetter ist ideal für einen Ausflug mit dem Fahrrad. Doch aus Gewohnheit fahren viele die bekannten Strecken entlang der Straße. Dagegen hat sich der Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs etwas einfallen lassen: Zum 30. ADFC-Geburtstag entwickelte Hans-Henning Pabst neun Fahrradtouren durch den Landkreis, durch Wald und Wiesen, am Wasser und fast ohne Ampeln. Das Neue: Die Touren gibt es digital.

Lage, Länge, Wegqualität und die wichtigsten Informationen zu den Geburtstagstouren stehen in der Papierbroschüre des ADFC. Der Clou liegt in den QR-Codes; das sind Links, die das Smartphone scannen kann. Über die Links kann sich jeder die Fahrradkarten auf das Handy herunterladen. Mit dem Handy in der Tasche und der passenden, kostenlosen App kann man sich dann auf dem Rad wie beim Autofahren navigieren lassen. Für alle, die mehr über ihre Strecke wissen wollen, hat Pabst weitere QR-Codes in die Broschüre gesetzt. Sie führen zum Beispiel zu Zeitungsartikeln, die Geschichten erzählen, wie vom „Vergessenen Park“ am Bockelsberg. Ob das Angebot nur etwas für junge Leute ist, die im Smartphone-Umgang fit sind? Pabst winkt ab: „Vor allem die ältere Generation ist bisher von dem Angebot begeistert. Der Älteste, der es ausprobiert hat, ist achzig Jahre alt, und er fand es super.“

Strecke lässt sich zwischendurch abkürzen

Gemütliche Radfahrer und Sportfreunde können den Guide gleichermaßen nutzen, es gibt Strecken zwischen 14 und 58 Kilometern. Manchmal hat Pabst extra einen Umweg eingebaut, der Grund: „Nichts ist wichtiger, als mal einkehren zu können“, es liege immer eine Gaststätte auf dem Weg. Die meisten Touren sind Rundwege, nur eine Einweg-Strecke ist dabei, bei der man auf dem Rückweg die Bahn nehmen kann. Sie führt von Lüneburg nach Hitzacker, an fünf Bahnhöfen vorbei – so lässt sich die Strecke zwischendurch abkürzen.

Auf eine Tour ist Pabst besonders stolz: die Bockelsbergtour. Sie biete „Geschichte zum Anfassen“ und sei daher spannend als Familienausflug. Denn bei ihr geht man auf Spurensuche: Mehrere, über hundert Jahre alte historische Überbleibsel sind in dem Wald am Bockelsberg versteckt. Um sie zu finden, gibt es eine extra „Schatzkarte“ vom Arbeitskreis Lüneburger Altstadt (ALA) in der Broschüre. Trotzdem ist die Suche nicht so einfach: Früher standen am Bockelsberg kaum Bäume – da war vieles offensichtlicher; heute sind die alten Steine oft zugewachsen.

Genau hingucken und Fantasie haben

Konrad Bäumer vom ADFC-Kreisvorstand kennt die Strecke: Man müsse genau hingucken und Fantasie haben, um so manche Spuren der Vergangenheit zu entdecken, sagt er. Dann könne man zum Beispiel den Grenzstein des Eisschuppens der Krone-Brauerei finden, alte Grotten, eine steinerne Bank und Reste des Alpsteingartens von 1912.

Die Broschüre zum Preis von drei Euro verkauft der ADFC Lüneburg ausschließlich in seinem Infoladen, Katzenstraße 2, sonnabends von 10 bis 12 Uhr.

Von Franziska Ruf