Sonntag , 27. September 2020
Über den Platz Am Sande sollen künftig weniger Busse fahren. Mit dem neuen Fahrplan werden die Busse im Stadtverkehr ab Dezember dafür aber abends bis 22 Uhr und sonntags auch schon ab 9 Uhr fahren, kündigt Oberbürgermeister Ulrich Mädge an. (Foto: t&w)

Es tut sich was in den Randzeiten

Lüneburg. Der Bürgerverein Lüneburg um seinen Vorsitzenden Rüdiger Schulz verzichtet in seiner „Rot-Blau-Weißen Mappe 2019“, die er jetzt öffentlich im Museum Lüneburg vorgestellt hat, darauf, die große Keule zu schwingen. Es sind eher die kleinen Dinge des Alltags, die das „Gewissen der Stadt“ diesmal prägen: als Ärgernisse herumliegender Müll, Aufkleber auf Verkehrsschildern und die Suche nach dem nächsten öffentlichen Klo, wenn es pressiert; Beifall dagegen finden blühende Blumeninseln im Stadtbild und ein gutes Kulturangebot. Bei einem Dauer-Ärgertthema – dem Verkehr – gibt es diesmal allerdings auch erfreuliche Nachrichten.

Egal ob jung oder alt, bei vielen Lüneburgern sorgt es seit Langem für Unmut: Wer sonntags am Morgen in die Innenstadt möchte, sei es, um mit Freunden im Café zu frühstücken, oder um einen Gottesdienst zu besuchen, kann nicht mit dem Bus fahren. Das gilt auch generell nach dem abendlichen Theaterbesuch, da bleibe nur das Anruf-Sammel-Mobil (ASM) als günstigere Alternative zum Taxi, doch das könne erst ab 19 Uhr gebucht werden.

Hier kündigt die Stadt in ihrer Stellungnahme Verbesserungen an. Mit dem nächsten Fahrplanwechsel im Dezember sollen Busse in Lüneburg auch sonntags ab 9 Uhr fahren, wochentags werden sie zudem abends länger fahren, nämlich bis 22 Uhr. „Das Thema frühere ASM-Buchung wird aktuell von der KVG geprüft“, teilt Oberbürgermeister Ulrich Mädge mit. Er kündigt außerdem an, dass die Anzahl der Busse, die über den Platz Am Sande rollen – ebenfalls ein Dauer-Ärgerthema – mit dem neuen Fahrplan „deutlich reduziert“ werden sollen.

Wie immer hat der Bürgerverein seine Anmerkungen in Lob, Tadel und Anregungen eingeteilt. Einige Auszüge:

Lob

  • Das alte Schulamt an der Egersdorfstraße war angesichts seines Zustandes ein Schandfleck. Der Bürgerverein lobt den Mut des Investors, der das Gebäude saniert, um hier ein Hotel und eine Whisky-Destille zu eröffnen.
  • Lobende Erwähnung findet die Initiative des Radhauses, das während der Geschäftszeiten Fahrradfahren eine Lufttankstelle zur Verfügung stelle. Die Stadt will diesen Service in Neubaugebieten, wo sie Mobilitätsstationen einrichtet, aufgreifen.
  • Die Müllsammelaktion in den Stadtteilen findet breite Anerkennung.
  • Die Wiedereröffnung einer Poststelle in der Rotehahnstraße komme vor allem bei den Innenstadtbewohnern gut an.
  • Die Konzerte des Orgelsommers heimsen viel Lob ein, das selbe gilt für das Theater Lüneburg.
  • Das Seniorenzentrum an der Heiligengeiststraße helfe kompetent und professionell.

Tadel

  • Das Gedenken hat es in Lüneburg offenbar nicht so leicht, der Bürgerverein nennt mehrere unbefriedigende Zustände: So seien nahe der Michaeliskirche Kugeln in mehreren Hauswänden zu finden, die dazugehörige Gedenktafel sei aber nicht mehr zu entziffern; auch der Gedenkstein inmitten des Clamartparks bedürfe einer Überarbeitung, er werde oft lediglich als Findling eingestuft; an der Lindenstraße sollte die verwitterte Inschrift des Denkmals für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aufgearbeitet werden.
  • Unmittelbar neben der Gedenkstätte für die Synagoge am Schifferwall stehen mehrere Mülltonnen. Die Stadtverwaltung habe für die Einhausung der Tonnen mehrere Entwürfe vorgelegt, aber die hätten nicht die Zustimmung des Grundstückseigentümers gefunden, antwortet Mädge. Die realisierte Lösung sei ein Kompromiss, auf den Standort habe die Stadt keinen Einfluss.
  • Der Zustand mancher Bürgersteige sei gerade für viele Ältere ein Ärgernis. Als Beispiel nennt der Bürgerverein die Scharnhorststraße an der Uni, wo unter anderem Baumwurzeln für einen unsicheren Tritt sorgten. Zumindest hier hat Mädge gute Nachrichten: Noch in diesem Jahr werde der Gehweg mit einem neuen Pflaster ausgestattet. Eine Priorätätenliste für weitere Gehwegsanierungen soll – analog jener für Straßen – Anfang nächsten Jahres vorliegen.

Anregungen

  • Die Hinweistafeln an den Stadteingängen auf Lüneburgs Partnerstädte sollten erneuert werden.
  • Der bedeutende Soziologe Niklas Luhmann sollte eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus erhalten. Hier sagt Mädge zu, dass die Stadt mit dem Eigentümer des Hauses Kontakt aufnehmen will. Zudem könne die Verwaltung sich gut vorstellen, Luhmann in die Lüneburger „Galerie der Köpfe“ an der Kulturbäckerei mit aufzunehmen.
  • In Anlehnung an die einst so beliebten Trimm-Dich-Pfade könnte nahe der Bockelsbergteiche ein Bewegungspfad angelegt werden.
  • Das Geländer, das die Ilme­nau vom Fußweg in der Ilmenaustraße abgrenzt, ist stark angerostet und schmutzig, es könnte einen Anstrich gebrauchen. Mädge sagt zu, dass es noch in diesem Jahr erneuert wird.

Von Alexander Hempelmann