Mittwoch , 28. Oktober 2020
Die Abfüllanlage für die neue Linie des Mineralwassers „Vio“ ist jetzt in Betrieb gegangen. (Foto: t&w)

Wenn der Durst immer größer wird

Lüneburg. Lüneburger Grundwasser ist von hoher Qualität und deshalb auch beim Getränke-Giganten Coca-Cola heiß begehrt. Das Besondere: Das blaue Gold in den untersten Grundwasserleitern ist oft von mächtigen Tonschichten nach oben hin sehr gut abgeschirmt und somit von äußeren Einflüssen weitgehend geschützt. Die öffentlichen Trinkwasserversorger von der Purena bis hin zu den Wasserbeschaffungsverbänden zapfen in einem größeren Maßstab das wertvolle Lebensmittel in ähnlichen Tiefen, wie es Coca-Cola mit seinem dritten Brunnen für die Mineralwasserproduktion vorhat. Ursprünglich hatte Coca-Cola einen Brunnenstandort bei Vögelsen favorisiert. Insgesamt ließ das Unternehmen nach eigenen Angaben 19 Messstellen einrichten, mit Bohrungen in bis zu 300 Metern Tiefe.

Niemand soll unnötig verunsichert werden

Die Suche geht nun in eine entscheidende Phase, die zunächst auf einen sogenannten Pumpversuch hinauslaufen könnte. 350 000 Kubikmeter Wasser pro Jahr darf Coca-Cola bereits in der Stadt Lüneburg fördern, weitere 350 000 Kubikmeter erhoffte sich das Unternehmen zuletzt für den dritten Brunnen-Standort. Die Einweihung der neuen „Vio“-Abfülllinie nahm die LZ zum Anlass, bei den Verantwortlichen nachzufragen, wie weit die Brunnen-Suche gediehen ist. Dazu sagte Projektleiter Dieter Reckermann, dass er damit rechne, dass der Antrag für den neuen Brunnen noch im Juli gestellt werden könne. Weitere Details wollte er nicht ausführen: „Ich möchte der Genehmigungsbehörde nicht vorgreifen.“ Zuletzt war der Konzern vom favorisierten Standort zwischen Vögelsen und Mechtersen etwas abgerückt. Im Frühjahr hieß es schließlich, dass die Suche wieder offen sei, sogar jede der neuen Messstellen als potenzieller Brunnenstandort denkbar wäre.

Auf die Frage, wo Coca-Cola überall habe bohren lassen, sagte jetzt Unternehmenssprecherin Marlen Knapp, dass es nicht sinnvoll sei, alle Standorte zu benennen. Man wolle niemanden unnötig verunsichern. Nur so viel: „Zuletzt wurden Messstellen, wie auch jeweils in der LZ berichtet, in Reppenstedt, Ochtmissen und am Brockwinkler Weg gebaut“, sagte Knapp. Und weiter: „Die Messstellen dienen der Überwachung des Grundwasserspiegels und sind entscheidend für den kontinuierlichen Nachweis, dass eine Wasserentnahme über den Brunnen keine negativen Auswirkungen auf die verschiedenen Grundwasserleiter hat.“

Scoping-Termin wird vorbereitet

Nach Informationen der Online-Bohrdatenbank des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) ließ die Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG beispielsweise bei Neu Vögelsen schon im Herbst 2016 eine hydrogeologische Bohrung vornehmen mit einer Endteufe von 280 Metern oder im November 2018 in der Ortsrandlage Reppenstedts, nördlich des Weidenrings, in einer Tiefe von 192 Metern.

Über die Wasserförderung hat die Untere Wasserbehörde beim Kreis Lüneburg zu entscheiden. Stefan Bartscht, Leiter des Fachdienstes Umwelt, sagt auf LZ-Nachfrage: „Derzeit befinden wir uns in der Vorbereitung eines sogenannten Scoping-Termins.“ Dieser diene dazu, sich zur Umweltverträglichkeit sowie zum Untersuchungsrahmen abzustimmen. Dabei sollen alle Betroffenen, wie Naturschutzverbände, Kommunen und der gewässerkundliche Landesdienst miteinbezogen werden. Bartscht weiter: „Nach dem Termin wird Coca-Cola auch Klarheit darüber haben, was für einen vollständigen Antrag notwendig ist und was gegebenenfalls überprüft werden muss.“

Pumpversuch unter realen Bedingungen

Laut Bartscht werde bei dem Scoping-Termin auch über den sogenannten Pumpversuch gesprochen, der ebenfalls einer wasserrechtlichen Genehmigung bedarf. Bartscht: „Beim Pumpversuch geht es darum, dass über einen bestimmten Zeitraum eine Menge gefördert wird, wie dies auch nach der endgültigen Erlaubnis stattfinden soll. Dann wird überprüft, welche Absenkungen sich einstellen.“ Die Ergebnisse dienten als Grundlage für den späteren Erlaubnisantrag. Der Fachdienstleiter sagt: „Die Förderung im Pumpversuch wird vermutlich in abgestuften Mengen über mehrere Tage laufen. Details sind im Antrag darzustellen und werden dann von uns geprüft.“

Sobald der neue Brunnenstandort ausgemacht ist, wird es in der Folge auch um den Bau einer Druckrohrleitung gehen, damit Coca-Cola das geförderte Wasser direkt zum Produktionsstandort ins Gewerbegebiet Goseburg leiten kann. Auf die Frage, ob Coca-Cola bei dem Bau der jüngsten Abfülllinie für die neuen Ein-Liter-Glasmehrwegflaschen schon die neuen Fördermöglichkeiten des dritten Brunnen einkalkuliert habe, sagte Sprecherin Knapp: „Wir können doch nicht mit etwas planen, was wir noch nicht haben. Das wäre vermessen.“

Von Dennis Thomas