Samstag , 19. September 2020
So stellt sich der Bauträger die Neubauten vor. Felix Dimke betont, dass es sich um einen Vorentwurf handelt. Rechts ist die Zufahrt zur Tiefgarage zu sehen. (Quelle: Dimke Bauart)

Nachbarn erheben Forderungen

Lüneburg. Hat der mögliche Abriss von drei Gebäuden an der Ecke Ochtmisser Kirchsteig/Schomakerstraße Folgen für die Häuser in der Nachbarschaft und wenn ja welche? Diese Fragen treiben Anwohner aus dem Bereich um. Rund 40 Nachbarn waren jetzt zu einem Treffen vor Ort gekommen, zu dem der ehemalige Bürgermeister Andreas Meihsies eingeladen hatte. Auch er wohnt dort. Die Betroffenen machen sich Sorgen, denn ihnen liegen Pläne der möglichen Bebauung vor, die beim Bauamt eingegangen sind. Vor allem ein alter Bunker, der für eine Tiefgarage mit rund 20 Plätzen verschwinden soll, könnte Probleme machen.

Entstehen könnten 18 Wohneinheiten

Wie berichtet, ist im Rathaus eine Bauvoranfrage eingegangen, aber noch kein Bauantrag. Wie in jedem Verfahren üblich, sagt die Verwaltung zu, etwaige Schwierigkeiten zu berücksichtigen und zu bewerten. Die Pläne, die Anwohner mitbrachten, zeigen, dass auf dem rund 2200 Quadratmeter großen Grundstück zwei zweigeschossige Bauten sowie ein Doppelhaus entstehen könnten, alles in allem 18 Wohneinheiten. Unter den Gebäuden befinden sich Reste eines Bunkers der Reichspost. Der Eigentümer des Grundstücks sagt, dass die Post beim Verkauf sämtliche Technik im Untergrund ausgebaut habe. Ein Bauträger entwickle Pläne für das Areal. Noch sei offen, ob sie zum Tragen kommen.

Felix Dimke steht hinter dem Projekt. Er erklärt, dass man, sofern möglich, Reste des Bunkers abtragen beziehungsweise für die Tiefgarage inklusive eines Carsharing-Modells nutzen wolle: „Wir haben bislang nur Vorentwürfe erstellt.“ Wie man im Detail vorgehen werde, kläre sich noch: „Selbstverständlich holen wir Statiker und Bodengutachter dazu.“ Er setzt zudem auf das Gespräch mit der Bauverwaltung und den Nachbarn. Dimke betont, dass das Areal nicht mehr im Senkungsgebiet liege. Er könne zwar die Bedenken der Anwohner verstehen, sieht aber durch sein Vorhaben „eine Aufwertung für diesen Bereich“.

Risse in den Wänden

Der untere Teil des Ochtmisser Kirchsteigs leidet bekanntlich unter massiven Senkungsschäden. Ursächlich sollen dafür auch Ausspülungen in 80, 90 Metern Tiefe sein. Vor Ort berichteten Anwohner, dass sie von Rissen in Wänden bis hoch zur Halleschen Straße und in den gegenüber liegenden Wohnblocks wüssten. Erschütterungen, die beim Abtragen des Bunkers zu erwarten seien, sowie Eingriffe in das Grundwassersystem könnten Folgen für die anderen Gebäude haben.

Einige der Forderungen, die Meihsies aufnahm: Es müsse mehr Informationen geben, bevor Maschinen rollen. Im Umfeld müssten Beweissicherungsverfahren an den bestehenden Häuser eingeleitet werden. Darüberhinaus sei es notwendig, an dem Knotenpunkt besonders auf den Verkehr zu achten, gerade im Zusammenhang mit der nahen Herderschule. Auch sollte es Untersuchungen zu Grundwasserbewegungen geben. Meihsies möchte die Bauverwaltung nun für ein Treffen mit den Anwohnern gewinnen.

Das weiß die Verwaltung

Dem Bauamt der Stadt liegt ein Bauantrag vom November 1938 vor zum „Neubau einer Telegrafenbaudienststelle“. Darin enthalten ist ein Lageplan über ein Wohngebäude am Ochtmisser Kirchsteig sowie ein Hauptgebäude der Post an der Schomakerstraße. Laut Plan sind beide Gebäude unterkellert, und der Zwischenraum ist mit einer Hofunterkellerung versehen, eben dem besagten Bunker.

Teile des Bunkers wurden im Jahr 2000 im Zuge der Errichtung von vier Doppelhaushälften an der Witzendorffstraße abgerissen. Der Bereich Umwelt hat keine genaueren Kenntnisse über den Bunker und Problemstoffe. Anwohner und Architekt, die den Bunker betreten haben, hätten in Gesprächen mit der Stadt nicht davon berichtet. Sollte es hier einen Verdacht geben, würde man dem nachgehen.

Von Carlo Eggeling