Sonntag , 27. September 2020
Die Ernte ist beendet: Carolin Meyer vom Hof Heuer in Göddingen begutachtet den „schießenden“ Spargel. (Foto: t&w)

Ziemlich durchwachsen

Lüneburg. Am 24. Juni, dem Johannistag, wurde auch in diesem Jahr traditionell die Spargelernte beendet. Liebhaber des königlichen Gemüses müssen sich nun wieder bis zur nächsten Saison gedulden. Laut der Landwirtschaftskammer Niedersachsen können die Anbauer auf eine durchschnittliche Ernte zurückblicken. Auch die Preise blieben relativ konstant. Viele Spargel­anbauer mussten jedoch höhere Produktionskosten als üblich verkraften. Das lag zum einen an einigen stürmischen Tagen zu Beginn des Jahres, durch die viele Folientunnel, die über die Spargeldämme gezogen werden, weggeweht und zum Teil zerstört wurden. Das bedeutete Mehrarbeit und Mehrkosten. Außerdem stiegen die Kosten für die Arbeitskräfte. Beides konnte laut Kammer nur sehr bedingt auf die Verbraucherpreise umgelegt werden.

Anbauer haben Probleme Erntehelfer zu finden

Auch in diesem Jahr hatten viele Spargelanbauer zudem Probleme, genügend Erntehelfer zu bekommen. Fachleute befürchten, dass sich dieses Problem in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. In der abgelaufenen Saison konnten einige Flächen aufgrund fehlender Helfer nicht abgeerntet werden und wurden deshalb frühzeitig aus der Produktion genommen. Den Mangel an Erntehelfern bestätigt auch Carolin Meyer vom Hof Heuer in Göddingen. „Wir hatten Glück mit unserer Stammbesetzung, aber von vielen Kollegen wissen wir, dass sie zu wenig Leute gefunden haben oder die Helfer wieder verschwunden sind. Der Arbeitsmarkt in Polen und Rumänien ist inzwischen leergefegt.“

„Ein richtig großer Schub blieb aus.“ – Carolin Meyer , Spargelhof Heuer

Einen Mangel an Spargel gab es in diesem Jahr nicht, die Nachfrage konnte ohne großes Über- oder Unterangebot bedient werden. Erste Stangen von beheizten Anlagen wurden bereits Anfang März verkauft, Anfang April gab es dann den ersten Spargel aus dem Freiland. Spargelbauern aus dem Landkreis Lüneburg ziehen eine unterschiedliche Bilanz: „Es ging verhalten los und leider auch verhalten weiter, ein richtig großer Schub blieb aus“, so Carolin Meyer. Grund dafür sei das wechselhafte Wetter gewesen, der Spargel habe durch die Kälte sehr gelitten. „Wir glauben, dass die Pflanzen durch die Trockenheit des letzten Jahres schon sehr geschwächt gestartet sind. Wir hoffen jetzt sehr auf Niederschlag, damit sich die Anlagen bis zum Frost etwas regenerieren können.“

Die Preise blieben konstant

Zufrieden mit der Saison zeigt sich hingegen Peter Strampe vom Spargelhof Strampe. „Wir haben dieses Jahr sensationell früh angefangen mit der Ernte, schon am 20. März. Das Wetter hat gepasst, es war nicht zu heiß und gab auch keine dramatischen Ausschläge nach unten. Qualität und Quantität waren top, wir ziehen eine sehr positive Bilanz.“ Strampe, der ebenfalls Erdbeeren, Himbeeren und Heidelbeeren anbaut, zeigt sich auch von der aktuellen Hitze unbeeindruckt. Die Heidelbeeren seien sehr robust, sowohl gegen starke Niederschläge als auch hohe Temperaturen und auch die Späternte der Erdbeeren sehe gut aus. Zäh sei es aktuell nur für die Erntehelfer: „Wir fangen momentan um 5 Uhr morgens an und stellen die Arbeit am Mittag ein, anders geht es bei diesen Temperaturen gar nicht.“

Von Lea Schulze