Freitag , 25. September 2020
Dörthe Grimm zeigt, wo die Handwerker sozusagen mehr Platz schaffen: Das Tor der Herberge wird erhöht. (Foto: t&w)

Der schwierige Mosaikstein

Lüneburg. Ein großer Teil der Mauer an der Herberge in der Altstadt ist saniert, jetzt folgt ein komplizierter Teil: das Tor. Kürzlich wurde der Bogen eingerüstet, er solle um einen halben Meter erhöht werden, berichtet Dörthe Grimm, beim Lebensraum Diakonie für das Projekt verantwortlich: „In der Vergangenheit ist öfter mal ein Lkw hängengeblieben.“ Das soll nicht mehr passieren. Hatte der Verein in der Vergangenheit auf die Zusammenarbeit mit Auszubildenden der Handwerkskammer, der Jugendbauhütte der Stiftung Denkmalschutz und des eigenen Partners Lernbaustelle gesetzt, packen jetzt Fachleute der Firma Mahnke an.

„Die Renovierung erfolgt im Bestand, Steine müssen so eingepasst werden, wie es das Fugenbild hergibt“, erklärt Grimm. Rund 200 Ziegel mussten nach altem Vorbild neu gefertig werden. Die Lüneburger Ziegelei Fuhrhop liefert sie. Teilnehmer der Lernbaustelle unterstützen die Arbeiten. Für die Bauzeit wird aus Sicherheitsgründen in der Nähe eine Zufahrt für die Feuerwehr geschaffen.

Charakterprägende Umfassung

Ursprünglich waren die Kosten mit bis zu 300 000 Euro beziffert worden. Zu viel für den Verein, der über einen Abriss nachdachte, aber auch durch den Denkmalschutz gestoppt wurde. Die Vorgabe: Die ehemaligen Kettenstrafanstalt würde an Charakter verlieren, wenn die Umfassung verschwände.

Durch die Unterstützung vieler – Anwohner haben Geld dazugegeben, zudem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und die Stadt – wird’s nun günstiger. Der erste Abschnitt habe rund 50 000 Euro gekostet, jetzt kommen 75 000 Euro für weitere Arbeiten hinzu. Wenn das Tor fertig ist, folgt ein kleines Stück bis zum Nachbargrundstück. Es ist noch nicht klar, wann es dort losgeht.

Sicherheit geht vor

Feuerwehr stoppt Arbeiten

Das Gerüst musste wieder abgebaut werden: Der Lebensraum Diakonie hatte, um das Tor sanieren zu können, eine Ersatzzufahrt von einem Nachbargrundstück geschaffen. Damit waren Aufsichtsbehörden und Feuerwehr nicht einverstanden. „Die Breite entsprach nicht den Vorgaben, die Zufahrt war zu steil, und das Mineralgemisch konnte man mit einem Fuß auseinanderschieben“, beschreibt Volker Gätjens. Der stellvertretende Stadtbrandmeister sagt: „Vorgaben der Bauaufsicht waren nicht erfüllt.“ Die Feuerwehr kommt im Ernstfall mit einer 16 Tonnen schweren Drehleiter, die müsse auf sicherem Untergrund bewegt werden. Der Alltag zeigt zudem: Polizei und Rettungsdienst rücken mehrmals die Woche zu Einsätzen an – die Auffahrt ist also arg beansprucht.

Michael Elsner leitet den Lebensraum Diakonie, er sagt, inzwischen habe der Verein die Auflagen erfüllt: „Die Feuerwehr hat das Ganze abgenommen.“ Auch andere Kritikpunkte, die bereits im Frühjahr moniert worden waren, seien abgearbeitet worden: Ein Beet an einer Zufahrt müsse verkleinert werden. Bäume wurden ausgeschnitten, um Stellflächen für Einsatzfahrzeuge zu schaffen.

Von Carlo Eggeling