Freitag , 30. Oktober 2020
Die Wahlsieger (v.r.) Steffen Gärtner und Jens Böther zusammen mit Landtagsabgeordneten Uwe Dorendorf bei der Kreisversammlung. (Foto: dth)

Müde, aber glücklich

Adendorf. Es war von allem etwas dabei: eine Mischung aus Siegestaumel, Ermüdungerscheinungen und ein bisschen Krawall. Der CDU-Kreisverband Lüneburg nutzte seine Mitgliederversammlung im Forum des Castanea-Resorts in Adendorf, eine Nachlese zu halten für die zurückliegenden Europa-, Landrats- und Bürgermeisterwahlen. Das Ergebnis ist beachtlich.

Jens Böther hat das Lüneburger Landrats-Amt geholt, vier von fünf Bürgermeister-Kandidaten der CDU eroberten oder behielten die Chefsessel in den Rathäusern (Amt Neuhaus, Bardowick, Gellersen und Scharnebeck), und mit der Gifhornerin Lena Düpont haben die Christdemokraten in der Region wieder eine EU-Abgeordnete in Brüssel, die eine Stimme für Nordost-Niedersachsen sein will. Allerdings: „Wir sollten das Ergebnis mit Demut tragen“, sagte Lüneburgs CDU-Kreisvorsitzender Felix Petersen.

Ernüchterung über das Wahlergebnis

Hatten sich bei der Nominierung Böthers zum Landrats-Kandidaten im Februar noch mehr als 200 Parteifreunde in Adendorf zusammengefunden, folgten dem Ruf des Kreisvorstands diesmal ins Castanea-Forum nur noch rund 40 CDU-Mitglieder. Erneut hieß Christina Freifrau von Mirbach vom CDU-Ortsverband Adendorf die Versammlung herzlich willkommen, nur diesmal etwas weniger euphorisch. Der Zuversicht, dem SPD-Mann Thomas Maack das Adendorfer Bürgermeisteramt abzujagen, ist die Ernüchterung eines Wahlergebnisses mit 21,1 Prozent der Stimmen gewichen. Umso mehr hoffte sie, dass „der Glanz der anderen Wahlsieger etwas abfärben“ möge.

Von Mirbach thematisierte in ihrem Grußwort den immer rauheren Umgangston in den sozialen Medien einerseits, aber auch im persönlichen Umgang andererseits. Sie berichtete von einer E-Mail, die sie erhalten habe. Darin beschwerte sich ein Anwohner über ein immer noch hängendes Wahlplakat der Adendorferin. Sie zitierte: „Leider hängt bei uns immer noch eine ältere Frau an der Laterne. Da der Anblick wenig erbaulich ist, hoffe ich, dass sie bald erlöst wird.“ Von Mirbach sagte, sie habe den Verfasser zur Rede gestellt. An die Versammlung appellierte sie, „wertschätzende Kommunikation“ auf Augenhöhe zu pflegen, auch bei der Wahlnachlese.

Uwe Dorendorf will nicht grünen Themen hinterlaufen

Die frischgebackene EU-Parlamentarierin Lena Düpont berichtete von der Konstituierung der EU-Fraktion der Europäischen Volkspartei und ihren ersten Arbeitstagen. Nach ihren Worten werden bereits in dieser Woche mit der Wahl des Parlamentspräsidiums die Weichen gestellt für die Vergabe der weiteren Spitzenämter in der EU bis hin zum Kommissionspräsidenten.

Für eine „Anhebung des Niveaus“ in der politischen Auseinandersetzung sprach sich indes auch Bundestagsabgeordneter Eckhard Pols (CDU) aus, aber er hatte dabei vor allem die anderen im Blick: „Das war nicht so schön, was bei Facebook von SPD beziehungsweise Linken kam.“ So wurde etwa von Links die Stichwahl zum Landrat als Wahl zwischen „Pest und Cholera“ bezeichnet. Pols: „Das geht nicht!“

Lauter wurde es, als Landtagsabgeordneter Uwe Dorendorf (CDU) ans Rednerpult trat. Er sah einen Grund für das schlechte Abschneiden bei der Europawahl in der „katastrophalen Reaktion“ der Bundes-CDU auf das Online-Video „Die Zerstörung der CDU“ des Youtubers „Rezo“. Dass sich die Antwort der Parteizentrale im Wesentlichen in einem elfseitigen Textdokument konzentrierte, nannte Dorendorf „einen völligen Schwachsinn“. Ähnlich wie später Petersen warf Dorendorf den Grünen auch im Europawahlkampf Populismus vor und warnte: „Wir sollten nicht den Themen der Grünen hinterherlaufen.“ Und: „Ich höre immer nur CO2 und die ganzen Klima-Ziele“, sagte Dorendorf, doch Deutschlands Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß betrage nur 1,82 Prozent, „aber wir wollen ja Vorreiter sein!“ Eine Gegenrede hielt dazu später Monika Scherf bei der Aussprache: „Wir können die Differenzierung zwischen konservativen und grünen Themen so nicht mehr machen. Wir müssen viel mehr Farbe bekennen, wenn wir vor allem auch Wahlen in den Städten noch gewinnen wollen.“

Die Stichwahl abschaffen?

Lediglich mit hauchdünner Mehrheit gereicht hatte es in der Landrats-Stichwahl für den CDU-Kandidaten Jens Böther. „Ich bin glücklich!“, bekannte er und dankte all den vielen Helfern der vergangenen Wochen und Monate. Sie hätten gemeinsam die richtigen Themen gesetzt, von der Elbbrücke bis hin zur Förderschule in Lüneburg. Aber einen Aufwand hätte Böther gerne allen erspart: „Für mich gehört die Stichwahl abgeschafft.“ Schließlich würden auch Bundes- und Landtagsabgeordnete nach Verhältniswahlrecht gewählt. An den Landtagsabgeordneten Dorendorf gewandt sagte er: „Uwe, wenn ihr in dieser Legislatur noch irgendetwas richten wollt, dann schafft diesen Mist ab.“

Zuletzt stellte Schatzmeisterin Inge Schmidt die Finanzlage der Kreis-CDU vor. 2018 nahm der 887 Mitglieder starke Verband beispielsweise mehr als 84 000 Euro Mitgliedsbeiträge ein sowie mehr als 40 000 Euro durch Mandatsbeiträge. Spenden gingen in Höhe von mehr als 18 000 Euro ein, die Spendenerwartung für 2019 liegt bei 90 000 Euro. Von dem Geld werden nicht nur die zurückliegenden Wahlkampfausgaben bestritten, sondern auch Rückstellungen gebildet, für die nächsten Kommunalwahlen im Jahr 2021.

Von Dennis Thomas