Sonntag , 20. September 2020
Urlaub mit Pferd: Jedes Ferienhaus soll jeweils mit einer Pferdedoppelbox und einem an die Terrasse angrenzenden Paddock ausgestattet werden. (Grafik: Architekturdarstellung GärtnerChrist)

Reiterparadies für 30 Millionen Euro

Schneverdingen. Noch ist das rund 7,6 Hektar große Gelände mit seinen versteckten Ruinen im Herzen der Heide ein Eldorado für Souvenirjäger und Gefahrensucher. Künftig könnte es aber, nach Investitionen von 30 Millionen Euro, zu einem Ferienparadies für Reiter-Touristen werden: Mit einem Hotel auf Vier-Sterne-Niveau mit 75 Zimmern sowie 50 Ferienhäusern im Bauhaus-Stil, inklusive Pferdestallung. Dazu Reithallen und Longierzirkel. Das ist die Vision eines Hamburger Projektentwicklers, die gestern beim Pressegespräch im Rathaus Schneverdingen vorgestellt wurde.

Von einem „Leuchtturm-Projekt für die ganze Region“, sprach Ulrich von dem Bruch, Chef-Touristiker der Lüneburger Heide GmbH mit Sitz in Lüneburg. Seit Jahren hätte die Urlaubsregion Lüneburger Heide trotz steigender Übernachtungszahlen damit zu kämpfen, dass immer mehr kleine Bettenbetriebe aufgeben. Insofern sei es wünschenswert, dass große Anbieter neue Bettenkapazitäten schaffen.

Angebunden an das „größte Reitwegenetz Europas“

Die konkrete Projekt-Idee des „HorseVillage Heide-Resorts“ präsentierte Thorsten Rupp, geschäftsführender Gesellschafter von „Top Immobilien“ aus Hamburg. Nach anfänglicher Skepsis sähe er nun das große Potenzial des Standortes: eine Enklave mitten im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, angebunden an das mit „rund 1000 Kilometern größte Reitwegenetz Europas“, davon allein 400 Kilometer im zentralen Naturschutzgebiet. Ihm schwebt neben einem Natur-Hotel mit Spa-Angebot der Bau von rund 50 Ferienhäusern vor, die jeweils mit Pferde-Doppelbox und an die Terrasse angebundenes Paddock ausgestattet sein sollen. Das ermögliche „eine völlig neue Dimension von Urlaub mit dem eigenen Pferd“.

Auch die Stadtführung um Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens ist von der Idee angetan. Erste bunte Bilder der Zukunftsvision wurden bereits präsentiert, doch bis zur tatsächlichen Realisierung ist es noch ein langer Ritt. Dennoch zeigte sich Moog-Steffens optimistisch, dass nicht nur neues Leben auf dem Gelände der ehemaligen Endo-Klinik einzieht, sondern auch neue Arbeitsplätze für die Stadt Schneverdingen geschaffen werden. Noch stünden allerdings die Kaufverhandlungen an, das Gelände gehört derzeit der Stadt Schneverdingen. Laut Rupp sei seine Firma derzeit dabei, sich mit dem nötigen Projektkapital auszustatten. Erst später wolle er in die Bankenfinanzierung einsteigen. Zudem sollen mögliche Partner als Betreiber gesucht werden. Rupp hofft auch Planungsrecht Ende 2020, Baubeginn 2021 und die schrittweise Eröffnung ab 2023.

Forstamt von der Sache angetan

Manfred Ostermann, Landrat des Heidekreises, zeigte sich optimistisch: „Wo, wenn nicht hier sollte so etwas entstehen.“ Immerhin entfielen jährlich allein 3,5 Millionen Übernachtungen der Heide-Region auf den Heidekreis.

In direkter Nachbarschaft befindet sich das „Walderlebnis Ehrhorn“ der Niedersächsischen Landesforsten, eine im Vergleich zu den hochfliegenden Resort-Plänen eher verschlafene Bildungseinrichtung. Doch auch Reinhold Bode vom Forstamt Sellhorn sieht die Resort-Pläne positiv: „Wir sind von der Sache sehr angetan. Damit entsteht ein neues Zentrum mit einer ganz anderen Frequentierung.“

Bis heute ist das ehemalige Gelände der Endo-Klinik (Behringer Straße 100) eher eine Beschäftigungsmaßnahme für Polizei und Sicherheitsdienst, um Hausbesetzer oder Schaulustige von dem sogenannten „Lost Place“ zu vertreiben. In wenigen Jahren sollen also stattdessen Reiter-Touristen aus NRW bis Dänemark dorthin gelockt werden.

Seit 2006 stehen insgesamt 15 solcher Gebäude leer. (Foto: dth)

Ehemaliges Ausweichkrankenhaus und Endo-Klinik

Im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide beim Schneverdinger Ortsteil Wintermoor wurde 1943 ein Ausweichkrankenhaus für die Stadt Hamburg eingerichtet und bis 1975 betrieben, sagt Schneverdingens Bürgermeisterin Meike Moog-Steffens. Im Anschluss sei die Anlage als Außenstelle der Endo-Klinik in Hamburg betrieben worden. Die Klinik war vor allem auf Hüft- und Gelenkoperationen spezialisiert und wurde zeitweise auch für Reha-Maßnahmen genutzt. 1997 schloss die Endo-Klinik in Wintermoor aus wirtschaftlichen Gründen ihre Tore. 2001 übernahm ein Altenpflegebetrieb die Anlage, ging 2006 in die Insolvenz. Seitdem sind Gelände und Gebäude ungenutzt, die Bauten verfallen. Das Areal hatte 2010 die kommunale Stadt GmbH Schneverdingen gekauft, „um Fehlentwicklungen entgegenzuwirken“, sagt Moog-Steffens. Das leerstehende Klinik-Areal wird seitdem von einem Sicherheitsdienst kontrolliert.

Von Dennis Thomas