Mittwoch , 21. Oktober 2020
Margarete Trinnes erlebte als Jüngste von sieben Geschwistern eine unbeschwerte Kindheit auf dem Land.

Arbeit als Lebenselixier

Westergellersen. Wenn Margarete Trinnes von ihrem langen Leben erzählt, fällt sehr oft das Wort „Arbeit“. Doch anders, als man annehmen könnte, huscht der alten Dame beim Gedanken daran ein Lächeln übers Gesicht. „Ich war dankbar für jeden Tag, den ich arbeiten konnte“, erzählt sie, „ich habe das sehr gerne gemacht“.

Rund 35 Jahre lang war Margarete Trinnes als Volksschullehrerin tätig, zunächst in ihrer Heimat Siebenbürgen, später in Kirchgellersen und Lüneburg. Inzwischen ist sie schon ebenso lange im Ruhestand und freut sich über den beruflichen Werdegang ihrer zwei Söhne und zwei Enkelsöhne. Mit ihrer Familie und allen, die gratulieren möchten, feiert die Seniorin heute, Montag, 24. Juni 2019, ihren 100. Geburtstag. Eigentlich lebt sie seit zwei Jahren im Senioren- und Pflegeheim Mackenthun in Westergellersen, doch ihren Ehrentag wird sie in ihrem Eigenheim in Oedeme verbringen.

Das jüngste von sieben Kindern

Am 24. Juni 1919 wurde Margarete Schuller, so ihr Mädchenname, im siebenbürgischen Dorf Kreisch (heutiges Rumänien) geboren. Als Jüngste von sieben Geschwistern erlebte sie eine unbeschwerte Kindheit auf dem Land. An diese frühen, gemeinsamen Jahre mit ihrer Zwillingsschwester Ilse zwischen Weinbergen und Obstgärten erinnert sich die Jubilarin besonders gern. Viele schöne Momente, etwa ihre Heirat und die Geburt ihrer Söhne, erlebte Margarete Trinnes, doch auch Flucht, Verlust und Krieg prägten sie. Aber trotz aller Schattenseiten ist auch heute noch ihre große Lebensfreude zu spüren, wenn sie von ihren Lieblingsbeschäftigungen und ehemaligen Schülern spricht.

Ortstermin, wenige Tage vor dem 100. Geburtstag. Margarete Trinnes – geblümte Bluse, Brille mit Silberrand – hat im beigen Plüschsessel ihres Zimmers im Seniorenheim Platz genommen, ihre Hände liegen locker gefaltet auf einer hellen Strickdecke. „Sticken, stricken, häkeln: Handarbeiten, das war meine Leidenschaft“, sagt sie und lässt die rechte Hand in Richtung Bett schweifen, wo zwei weitere Strickdecken liegen, „das habe ich zwischenzeitlich auch in der Oberstufe gelehrt“.

Eine lange berufliche Tradition

Doch weit öfter unterrichtete Margarete Trinnes die ABC-Schützen in der Volksschule. Von 1934 bis 1938 in Scheßburg zur Lehrerin ausgebildet, knüpfte die junge Frau an eine Familientradition an: Schon ihr Vater, Großvater und älterer Bruder hatten an Schulen unterrichtet. Und auch ihr späterer Ehemann Friedrich war als Schulleiter tätig – über die Schule lernten sich die beiden kennen. Sie heirateten 1942, ein Jahr später wurde Sohn Friedrich geboren.

Nach einer zwischenzeitlichen Flucht ins Sudetenland übersiedelte Margarete Trinnes 1951 mit ihrem Sohn nach Deutschland. Ihr Ehemann war sechs Jahre zuvor aus englischer Kriegsgefangenschaft in die Lüneburger Heide entlassen worden. Nach der Geburt ihres zweiten Sohnes Günter im Jahr 1955 nahm Margarete Trinnes ihre Tätigkeit als vollbeschäftigte Volksschullehrerin wieder auf, zunächst in Kirchgellersen, später an der Heiligengeistschule in Lüneburg.

Die Seniorin hat in der Heide ihre zweite Heimat gefunden. Doch die Erinnerungen an ihre unbeschwerte Kindheit mit ihrer geliebten Schwester in Siebenbürgen wird sie für immer im Herzen tragen.

Von Emilia Püschel