Donnerstag , 24. September 2020
Künftig sollen mehr städtische Fahrzeuge an Elektro-Zapfsäulen aufladen. Foto: dth

Umrüsten auf umweltfreundlichen Fuhrpark

Lüneburg. Die Stadtverwaltung sowie verschiedene Gesellschaften mit städtischer Beteiligung haben sich auf den Weg gemacht, ihre Fuhrparks umweltfreundlich umzurüsten. Damit soll ein Beitrag geleistet werden, um den CO₂-Ausstoß zu verringern, sagte Dezernentin Gabriele Lukoschek im Wirtschaftsausschuss. Dort wurde zum aktuellen Stand und den Perspektiven berichtet. Auch, dass bei großen Fahrzeugen ein Elektro-Antrieb oft noch ein Problem ist.

Zwei E-Mobile im Fuhrpark

Rund 1300 Mitarbeiter zählt die Lüneburger Stadtverwaltung, zum Fuhrpark gehören 22 Fahrzeuge. Timo Gomell, Bereichsleiter für den Internen Service, erläuterte: Die Hälfte der Fahrzeuge hat einen Dieselantrieb, nur zwei sind E-Mobile. Aufgrund des Alters und eines erhöhten Verschleißes müssen mittelfristig sieben Autos ausgetauscht werden. Laut Beschaffungsrichtlinie der Stadt sollten diese vorzugsweise mit Gasmotoren ausgerüstet sein. Wo es sinnvoll erscheint, sind E-Fahrzeuge anzuschaffen. Derzeit läuft bereits eine Ausschreibung für fünf E-Mobile. Ziel sei es, den Fahrzeugpark weiter umweltfreundlich umzurüsten. Eine entsprechende Infrastruktur sei dafür weiter zu entwickeln, Ladestationen für E-Fahrzeuge gebe es bereits im Klosterhof sowie am Pulverweg. Aber auch Lastenräder, E-Bikes und Carsharing sollen beim Umrüsten bedacht werden.

Lüwobau will umrüsten

Die Lüneburger Wohnungsbau GmbH hat neun Fahrzeuge, darunter vier Transporter für die Handwerker. Neben sechs Benzinern gibt es zwei Erdgas- sowie einen Hybrid-Wagen. Laut Henning Müller-Rost, Leiter Technik, will die Lüwobau ihren Bestand an vier Transportern und zwei Kleinwagen bis 2022 auf E-Autos umstellen, die anderen drei Autos sollen bei Neuanschaffung bis 2022 Erdgas- beziehungsweise Hybrid-Antrieb haben. Jeweils zwei Ladesäulen mit vier Punkten gibt es bereits „Auf der Höhe 56“ sowie im Parkhaus Klinikum. An anderen Standorten gibt es bereits Vorrichtungen. Zwei E-Bikes werden von den Mitarbeitern schon jetzt gerne genutzt. Geplant ist die Anschaffung von zwei Lastenrädern.

PKL bei E-Antrieb vorn

Immerhin 66 Fahrzeuge unterschiedlicher Typen umfasst der Pool der Gesundheitsholding, dazu kommen 60 Dienstfahrräder auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL). Für die Versorgung auf dem weitläufigen PKL-Gelände sind bereits seit Jahren elektrisch betriebene Flurförderzeuge im Einsatz, Stadtfahrten zum Beispiel zur Post, Bank werden mit einem E-Mobil erledigt. Mit Blick nach vorne sagt Rolf Sauer, Geschäftsführer der Gesundheitsholding, es würden „grundsätzlich“ Fahrzeuge mit E-Antrieben angeschafft. Es sei denn, die notwendige Reichweite sei nicht gewährleistet oder die höheren Anschaffungskosten könnten langfristig nicht durch Einsparungen bei den Betriebskosten kompensiert werden. Ein Großteil der aktuellen Flotte könnte ab sofort auf E-Mobilität umgestellt werden. Ziel ist das Jahr 2025.

E-Müllwagen nicht serienreif

40 Entsorgungsfahrzeuge, sechs Radlader sowie ein Bagger gehören unter anderem zum Fahrzeugbestand des kommunalen Abfallentsorgers GfA. Vorstand Oliver Schmitz machte an mehreren Beispielen deutlich, dass es bei Müllfahrzeugen mit E-Antrieb zwar Tests gab, Serienfertigungen aber nicht in Sicht seien. Probleme seien unter anderem die permanent hohe Spitzenlast, die schnelle Batterieentleerung sowie die geringe Reichweite der Fahrzeuge. Außerdem seien die Fahrzeuge dreimal so teuer wie Dieselfahrzeuge.

Spezialfall Winterdienst

Die Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH (AGL) verfügt derzeit über 124 Fahrzeuge und Arbeitsmaschinen, sowie über 178 motorgetriebene Kleingeräte. Laut Geschäftsführer Lars Strehse haben derzeit neun Prozent einen „alternativen, emissionsfreien Antrieb“. Durch die Anschaffung von sieben E-Fahrzeugen soll der Anteil im nächsten Jahr auf 12 Prozent ansteigen. Die AGL setzt weiter auf emissionsfreie Antriebe, sofern entsprechende technische Lösungen am Markt sind oder auch die Beschaffung von Prototypen und Kleinserien als erfolgsversprechend eingeschätzt wird, macht Strehse deutlich. Dabei sei zu berücksichtigen, dass die AGL für den Winterdienst und im Katastrophenfall stets handlungsfähig bleiben müsse, so dass nach derzeitigem Stand der Technik ein kompletter Verzicht auf konventionelle Antriebe wohl nicht möglich sein wird. Er geht davon aus, dass bis 2029 fast der gesamte Fuhr- und Gerätepark umweltfreundlich ausgerüstet sein könnte.

Von Antje Schäfer