Donnerstag , 22. Oktober 2020
Vorsitzender Günter Rothe mitten im Grünen. Er zeigt einen wunderbaren Blick auf Lüneburg. Wer dort keinen Garten hat, kann eine Aussichtsplattform nutzen. Fotos: ca

Die Oasen mitten in der Stadt

Lüneburg. Günter Rothe besitzt einen Standortvorteil. „Wir haben durch die Lage eine der schönsten Anlagen in Lüneburg“, sagt der Vorsitzende des Kleingartenver eins am Moldenweg. Wer eine Parzelle oberhalb des Kreidebergsees ergattert hat, der genießt eine traumhafte Aussicht auf die Stadt: Michaelis, Johannis, Nicolai, Rathaus sowie der Wasserturm. Am Freitag begannen Mitglieder des Grünflächenausschusses ihre Rundreise der traditionellen Kleingartenbegehung, wie es formal nüchtern heißt, in Rothes Reich, zu dem 75 Parzellen gehören. Der Ausschuss prämiert schließlich eine Kolonie, die besonders gepflegt und ansprechend ist.

Rothe nahm die Mitglieder mit auf seine eigene Parzelle, freundlicherweise öffneten auch Doris Tamme und ihr Gartennachbar Thomas Gsell grüne Oasen an den Abhängen des alten Kalkbruchs. Duftende Farbenspiele, in denen sich nicht nur Kleingärtner wohlfühlen, sondern auch Insekten und Vögel.

Am 28. Juli endet die Schutzperiode

Für alle, die es nicht so genau wissen, erklärte Rothe, warum die Kolonisten die Hecken noch nicht zurückgeschnitten haben: „Die sind jetzt Nist- und Brutplatz von Vögel.“ Erst am 28. Juli ende die Schutzperiode, dann bekommen die Buschwerke wieder eine kecke Kurzhaarfrisur.

Diese Vielfalt mitten in der Stadt spielt eine große Rolle im lokalen Ökosystem, darüber hinaus sind die 17 Kleingartenkolonien zwischen Kreideberg, Bockelsberg, Schildstein und Hagen ein beliebtes Ziel von Spaziergängern aus der Nachbarschaft.

Am Freitagnachmittag besuchte der Ausschuss unter dem Vorsitz von Hiltrud Lotze zudem noch die Anlagen am Erlenbruch, also nahe dem Meisterweg, und im Moorfeld. Am 4. Juli steht die zweite Etappe an.

Die größte Anlage liegt am Schildstein

Sascha Rhein, er ist Vorsitzender des Kleingärtner-Bezirksverbandes, vertritt rund 2200 Mitglieder. Zu den 17 Kolonien in der Stadt kommen noch vier weitere außerhalb. Die größte Anlage liegt am Schildstein mit mehr als 300 Grundstücken. Rhein sagt, dass man jedes Jahr jeweils etwa die Hälfte der Kolonien besuche und dann entsprechend prämiere. Im nächsten Jahr seien dann die anderen Anlagen dran. So dauert es noch, bis die Jury am Ende die Gewinner kürt.

Weiteres Thema im Ausschuss war eine neue Förderrichtlinie für die Dach- und Fassadenbegrünung, die Grünplanerin Constanze Keuter vorstellte. Entsprechendes Engagement der Bürger will die Stadt künftig mit 30.000 Euro pro Jahr fördern, der Ausschuss stimmte den Ideen zu. Der Zuschuss werde, sofern die Vorgaben erfüllt sind, nach Eingang gewährt. Stadtbaurätin Heike Gundermann appellierte an die Politik, das Programm in den kommenden Jahren fortzusetzen. Ist das Programm im Rat beschlossen, soll eine Internetseite für die Anträge eingerichtet werden.

Von Carlo Eggeling