Freitag , 23. Oktober 2020
Elisabeth Thomas (l.), Tino Hübner und viele weitere Studenten kämpfen zurzeit dafür, dass ihr Studiengang zum neuen Semester nicht „Sozialpädagogik“ heißt. (Foto: t&w)

Sozialpädagogik – und mehr nicht?

Lüneburg. Dass sich Studenten direkt ans Ministerium wenden, kommt nicht oft vor. Für Tino Hübner (25) und Elisabeth Thomas (26) war es die Ultima Ratio. In einer langen E-Mail begründen die beiden zusammen mit anderen Studenten, die sich alle in der Fachschaft Bildung an der Leuphana für ihre Kommilitonen einsetzen, ihr Unverständnis darüber, dass ihr Studiengang umbenannt werden soll. So wird er ab Oktober nicht mehr „Berufliche Bildung in der Sozialpädagogik“ heißen, sondern schlicht „Sozialpädagogik“. Für sie nur scheinbar eine Marginalie. Sie sehen wegen der starken Reduzierung des Titels viel größere Probleme auf die Leuphana zukommen.

Keine staatliche Anerkennung

Tino Hübner und Elisabeth Thomas sind überzeugt, dass Interessierte sich jetzt auf den Studiengang bewerben, weil sie Sozialpädagogen werden möchten. Tatsächlich ist es aber so, dass Absolventen keine staatliche Anerkennung besitzen. Denn das verpflichtende Praktikum im Bachelor muss an einer berufsbildenden Schule absolviert werden. Die Möglichkeit, zum Beispiel bei einem freien Träger oder dem Jugendamt praktische Erfahrungen zu sammeln, gibt es nicht. Zumindest nicht im Studium. „Man wird mit bloßer Theorie in die Praxis entlassen. Das finde ich unglücklich“, sagt Hübner. Dass man mehrere Jahre studiert, um dann nebenbei oder im Anschluss noch die entsprechenden Qualifikationen zu erwerben, findet er nicht richtig. Elisabeth Thomas wirft eine weitere Frage auf: „Wenn man Sozialpädagogik studiert, um Sozialpädagoge zu werden: Was bringt einem dann das Praktikum in einer berufsbildenden Schule?“

Wissenschaftsministerium lehnt Vorschlag ab

Die Diskussionen um den Studiengangstitel reichen schon eine Weile zurück. Der neue Name hängt mit einer generellen Umstrukturierung des Angebots zusammen. Dieser verschließen sich die Studenten auch nicht. Im April vergangenen Jahres saß die Studienkommission zusammen: Drei Studenten und drei Dozenten haben gemeinsam überlegt, welchen Namen der Studiengang künftig tragen könnte. Sie einigten sich auf den Titel „Sozialpädagogik in Forschung und Bildung“. Danach passierte lange Zeit nichts. Im Oktober, als der Studiengang beim Bachelor-Infotag vorgestellt wurde, erfuhr die Fachschaft, dass das Wissenschaftsministerium (MWK) den vorgeschlagenen Titel ablehnt, dieser stattdessen „Sozialpädagogik“ heißen soll. Gründe seien keine genannt worden. Ihre Kritik richten die Studenten sowohl an die Entscheider an ihrer Hochschule als auch an das Ministerium. „Da hat offensichtlich viel Kommunikation ohne uns stattgefunden. Der erste Titel wurde einstimmig in allen Gremien angenommen. Wieso ist er nicht durchgegangen?“

Uni selbst hält neue Bezeichnung für passend

Dass die Uni „ausdrücklich nicht der Meinung“ sei, dass der neue Titel ein falsches Bild vermitteln könnte, sagt Pressesprecher Henning Zühlsdorff auf LZ-Nachfrage. Weil die bisherige Bezeichnung ein spezifisches Handlungsfeld der praktischen Sozialarbeit darstelle, habe es insbesondere in Fachkreisen immer wieder Irritationen gegeben. „Universität und Ministerium haben sich daher auf die neue Bezeichnung verständigt, weil sie der Anlage des Studienprogramms besser gerecht wird.“

Viel Raum für Hoffnungen lässt auch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur nicht. Der Titel „Sozialpädagogik“, der passend erscheine, sei im Rahmen „der erfolgten Akkreditierung positiv bewertet und festgelegt worden“, sagt Pressesprecherin Dr. Margit Kautenburger. Mit der Uni habe man sich auf diesen Namen verständigt.

Von Anna Paarmann