Verein Hey Alter
Alte Rechner für junge Leute: Fatima Ferozi nimmt die ersten sechs Laptops des Vereins "Hey Alter" stellvertretend für Schülerinnen und Schüler ihre Schule entgegen, der Oberschule Adendorf. Hinten dabei: Martin Schreiber vom Verein (links) und Lehrer Florian Hoffmann. (Foto: t&w)

"Hey Alter!" sammelt Rechner für Schulen

Der Verein "Hey Alter" sammelt ältere - aber noch gute - Laptops ein und verteilt sie an Schulen, an denen viele sie dringend brauchen. Der Bedarf an Schulen ist vor allem seit dem Homeschooling-Betrieb groß. Neben Rechnern sucht der junge Verein aber auch anderweitige Hilfe.


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Der Verein "Hey Alter" sammelt ältere - aber noch gute - Laptops ein und verteilt sie an Schulen, an denen viele sie dringend brauchen. Der Bedarf an Schulen ist vor allem seit dem Homeschooling-Betrieb groß. Neben Rechnern sucht der junge Verein aber auch anderweitige Hilfe.

Lüneburg. Alle paar Jahre einen neuen Rechner zu kaufen ist für viele nicht ungewöhnlich. Die Laptops werden immer besser, schneller, leichter oder schicker. Aber wohin mit den alten Teilen? Gleichzeitig gibt es viele Schülerinnen und Schüler, die keinen oder keinen guten Laptop zu Hause haben – oder sich einen mit ihren Geschwistern teilen. Das ist vor allem unter Homeschooling-Bedingungen nicht nur nervig, es sorgt schlicht dafür, dass die Schüler am Unterricht nicht richtig teilnehmen können. Der Verein "Hey Alter" hat das Problem erkannt und sorgt dafür, dass die Laptops dahin kommen, wo sie gebraucht werden. Dabei geht es nicht darum, den Leuten dabei zu helfen, Elektroschrott kostengünstig loszuwerden, sondern gute Laptops zu verteilen, die sonst in der Schublade liegen würden.

Ohne Computer kann nicht gelernt werden im Homeschooling

"Der Bedarf ist seit Corona an unserer Schule groß", sagt Lehrer Florian Hoffmann von der Oberschule Adendorf. Zwar hat die Schule bereits einige iPads im Repertoire, doch die werden auch im ganz normalen Unterricht eingesetzt. Da aber die Schülerinnen und Schüler jeden zweiten Tag von zu Hause aus lernen, reichen die Geräte nicht, um allen eins mitzugeben, die eines benötigen. "Und wir haben ja dann Videokonferenzen, ohne Computer kann man im Unterricht nicht mitmachen", sagt die 14-jährige Fatima. Sie geht in Adendorf in die siebte Klasse. Zu Beginn der Pandemie hatte ihre Lehrerin ihr teils auch Arbeitsblätter ausgedruckt und vorbeigebracht. Dann konnte sie eines der Schul-iPads nutzen. Aber manchmal musste sie sich schon mit dem Handy einwählen – und das ist "schon ziemlich anstrengend." Sie weiß, dass es vor allem dann problematisch werden kann, wenn Geschwister sich ein Gerät teilen, die aber nicht zeitversetzt, sondern am selben Tag im Homeschooling sind.

Verein Hey Alter in 25 Städten vertreten

"Hey, Alter!" ist ein Verein, der 2020 in Braunschweig gegründet wurde und mittlerweile in 25 deutschen Städten von Hamburg bis Stuttgart vertreten ist. Insgesamt hat der Verein bereits 3655 Rechner verteilt. Dank einer kleinen Gruppe um den ehemaligen IT-Leiter der Leuphana, Martin Schreiber, gibt es Hey Alter jetzt auch in Lüneburg. Am Montag hatte er nun die ersten sechs Laptops an Lehrer Florian Hoffmann überreichen können. Für Fatima hat die Optik der Laptops dabei keine Rolle gespielt. "Hauptsache ich kann zu Hause damit arbeiten."

Schreiber sagt, ein bisschen hat der junge Verein noch ein Henne-Ei-Problem. "Wir brauchen aktuell sowohl noch Lehrer, die sich bei uns melden, als auch Spenden, die wir dann verteilen können." Daher hofft er nun auf viele Spenden funktionsfähiger Rechner und Tablets.

Die gespendeten Rechner erhalten lizenzfreie Software

"Nach der Anlieferung werden die Rechner bei uns auf ihre Leistungsfähigkeit geprüft, gereinigt und mit lizenzfreier Software bespielt. Sie bekommen dann gegebenenfalls ergänzend dazu neue Arbeitsspeicher, eine schnellere Festplatte, eine Tastatur, Maus oder WebCam." Alle Daten werden vollkommen gelöscht, die Festplatten im Zweifel auch zerstört und ersetzt.

Die Leuphana hat dem Verein einen Raum für das Herrichten der Rechner zur Verfügung gestellt. Doch wenn es gut läuft – worauf alle hoffen – wird wohl noch ein Lagerraum benötigt werden, falls größere Mengen an Rechnern kommen. 40 Rechner sind bereits versprochen – von einem Lüneburger Softwareunternehmen und einigen Privatleuten. Auch Geldspenden sind schon eingetroffen. Noch befindet sich das Projekt aber im Aufbau. Daher fehlt es noch an vielem:

Das wird aktuell gebraucht

  • Firmen, Institutionen oder Privatleute, die Rechner und Tablets mit den Mindestanforderungen spenden
  • Lehrer, bzw. Schulen, die uns melden, wie viele Rechner sie an Schülerinnen und Schüler weitergeben könnten
  • ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die helfen, die gespendeten Rechner für die Auslieferung vorzubereiten
  • eine Empfangsstelle für die zu spendenden Rechner sowie einen Lagerraum
  • Geldspenden für Speicher, Festplatten, Mäuse, Tastaturen, Reinigungsmaterialien, Aufkleber und Stoffbeutel mit dem Logo darauf

Eine Konkurrenz zu bereits bestehenden Initiativen dieser Art, wie etwa Lydias Haus, sieht Schreiber übrigens nicht. "Ganz im Gegenteil. Man kennt sich und wir sind im Austausch miteinander."

Das Lüneburger Team besteht zur Zeit aus sechs Personen, die sich alle zwei Wochen in einer Videokonferenz treffen. "Einmal im Monat treffen sich aber auch alle aus den 25 bundesweiten Hey Alter-Initiativen in einer Videokonferenz", sagt Schreiber. Wer sich beteiligen möchte, kann sich beim Lüneburger Team unter lueneburg@heyalter.com melden oder auf der Website www.heyalter.com vorbeischauen.

Von Laura Treffenfeld

Anforderungen an die Rechner

Die Rechner sollten mindestens einen 2 GHz Dual Core Prozessor, 4 GB RAM Arbeitsspeicher besitzen und grundsätzlich funktionsfähig sein. Macs sollten nicht älter als acht Jahre sein. Reparaturen an den Rechnern sind nur stark eingeschränkt möglich. Das vorhandene Betriebssystem und Software wird komplett durch lizenzfreie Produkte ersetzt.

Die Festplatten werden von uns vollständig gelöscht, so dass eventuell vorhandene Daten auf jeden Fall gelöscht werden. Aus Datenschutzgründen sollten die Daten aber schon von den Vorbesitzern gelöscht werden.

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