Donnerstag , 22. Oktober 2020
Das Haus an der Büttnerstraße hat im ersten Anlauf keinen neuen Besitzer bekommen. Foto: t&w

Zähes Ringen um Haus eines umstrittenen Unternehmers

Lüneburg. Am Dienstag sollten gleich zwei Häuser eines umstrittenen Lüneburger Unternehmers unter den Hammer kommen: eines an der Stöteroggestraße und eines an der Büttnerstraße. Im Gegensatz zur ersten Adresse scheint es sich bei der Doppelhaushälfte mit dem 165 Quadratmeter großen Grundstück nicht um eine zu handeln, die in der Nachbarschaft für schlechte Laune sorgt. Vielmehr wissen die Anwohner gar nicht recht, wer dort eigentlich wohnt. So konnten einige von ihnen zumindest den Mann, der laut Amtsgericht als Mieter eingetragen ist und dessen Name sich auch auf dem Briefkasten am Haus mit der Nummer 3 wiederfindet, nicht als solchen identifizieren. „Den haben wir da noch nicht gesehen, der vermietet das sicher unter“, sagte einer.

Erschienen ist er nicht

Bei dem Lüneburger, der im Grundbuch als Berechtigter gelistet sein soll und jetzt auch beim Zwangsversteigerungsverfahren anwesend war, handelt es sich um einen in mehreren Geschäftsfeldern tätigen Mann, der unter anderem Friseursalons und Imbisse in der Stadt betreibt. Drei Firmen hat er unter einer Hamburger Adresse angemeldet, darunter eine Lüneburger Gastro GmbH, die ein Lokal in der Innenstadt führt. Spannend: Aus dem Handelsregisterauszug geht hervor, dass sein Vermieter in der Gesellschaft wiederum als Prokurist fungiert. Dorthin hat jener Geschäftsmann, gegen den Staatsanwaltschaft und Polizei wegen der Machenschaften im Haus Auf dem Kauf 12 ermitteln, inzwischen offiziell seinen Wohnsitz verlegt.

Das Gerücht, dass er sein Haus in Adendorf verkauft hat und darin nun mit seiner Familie zur Miete wohnt, kursiert schon länger. Vom Amtsgericht war zu erfahren, dass die Dokumente für die Zwangsversteigerungen nicht an eine Adendorfer, sondern an eine Hamburger Adresse zugestellt wurden. Und um den Geschäftsmann eben nicht zweimal nach Lüneburg bitten zu müssen, seien beide Verfahren an einem Tag kurz nacheinander terminiert worden. Erschienen ist er nicht.

Gebot reicht der Bank nicht aus

Sein augenscheinlicher Geschäftspartner hat jetzt am Amtsgericht den Namen seines Sohnes genannt und für ihn ein Gebot abgegeben: Mit 120.000 Euro war er der einzige Bieter – obwohl mehrere Interessenten beim Versteigerungstermin anwesend waren. Der Sachverständige, der für das Verfahren ein Gutachten erstellt hat, allerdings nicht ins Haus gelassen wurde, hatte den Verkehrswert auf 170.000 Euro geschätzt.

Das war auch die Summe, unter der das Geldinstitut aus Uelzen den Saal nicht verlassen wollte. Die Bank ist nicht der einzige Gläubiger, der Geld sehen möchte. Auch beim Finanzamt und der Stadt hat der Eigentümer der Immobilie auf dem Kreideberg Schulden, insgesamt ein mittlerer sechsstelliger Betrag.

Keine Einigung

Einig wurden sich der als Mieter eingetragene Geschäftsmann, der bei dem Termin betonte, dass er viel Geld in das Haus gesteckt habe, es aufgrund der Lage im Senkungsgebiet „total schief“ sei, und die Bank auch nach zwei 30-minütigen Bietphasen nicht. Immer wieder steckten die Vertreterin des Geldinstituts und der Mann, der mit einem Familienangehörigen und seinem Anwalt gekommen war, draußen im Flur die Köpfe zusammen. Ihre jeweilige Schmerzgrenze wollte am Ende keine der beiden Parteien überschreiten.

Weil die Bank daraufhin die Einstellung des Verfahrens beantragte, blieb Rechtspfleger Eckardt Fröhling nichts anderes übrig, als den Zuschlag zu versagen. Nun soll innerhalb eines halben Jahres ein neuer Termin angesetzt werden. Da möchte der Mieter dann erneut sein Glück versuchen. ap

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