Donnerstag , 1. Oktober 2020
In der Reihenhaussiedlung in Winsen wurde Doreen K. vor einem Jahr von ihrem Mann ermordet. Die acht und zwölf Jahre alten Söhne waren damals im Haus. Foto: Heuer

Das tödliche Ende einer Ehe

Lüneburg. Die Ehe war in der Krise: Volker K. betrieb Ahnenforschung, doch während des Totenkults kümmerte er sich um seine Frau Doreen und die beiden Söhne zu wenig. Während seine Frau eine Pause wollte, reagierte Volker K. trotzig: Trennung. Damit kam der 48-Jährige nicht zurecht. Immer wieder tauchte er am Haus der Familie in Winsen auf, es gab Streit um die Kinder. Am 27. Mai 2018 explodierte die Melange verletzter Gefühle und Eitelkeiten: Volker K. erstach seine Frau, während die Kinder im Haus waren. Am Mittwoch zog das Landgericht Lüneburg einen Schlussstrich unter die Szenen einer Ehe: Das Schwurgericht verurteilte K. wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe.

Volker K. fühlte sich offensichtlich missverstanden, immer wieder setzte er während der Urteilsverkündung zum Widerspruch an. Es wirkte, als fühle er sich als Opfer der Umstände. In seinem Schlusswort hatte er mit erstickender Stimme bedauert: „Ich weiß, dass ich schuldig bin am Tod meiner Frau. Ich kann es einfach nicht rückgängig machen. Die Kinder. . .“

Es bahnte sich eine neue Beziehung an

Oberstaatsanwalt Joachim Kaub hatte von Mord gesprochen, Verteidiger Jonas Henning und Moritz Klay gingen in ihrem Plädoyer von Totschlag in einem minder schweren Fall aus. Man müsse über einen „Notwehrexzess“ nachdenken: Doreen K. soll ihren Mann mit einem Messer am Oberschenkel verletzt haben, der stach zu. Mehrmals. Kriterien für einen solchen Exzess sind zum Beispiel Panik und Schreck.

Der Vorsitzende Richter Ulrich Subatzus kam zu anderen Schlüssen. Er zeichnete das Bild eines Paares nach, dass es offenbar nicht mehr miteinander aushielt, Gewalt habe es aber nicht gegeben. Nach der Trennung sei es Doreen gelungen, neue Perspektiven zu entwickeln: Sie hatte einen Job, war in der Lage, ihren Mann auszuzahlen, um das Haus zu behalten, und es bahnte sich eine neue Beziehung an.

„Der Angeklagte hatte Angst, dass sich ihm seine Frau und seine Kinder entziehen“, sagt Subatzus. Am Tattag habe Doreen ihren Mann zunächst in einem Lokal getroffen, später noch einmal an der Haustür. Treffen mit den Kindern sollte es für K. nur noch in Begleitung des Jugendamtes geben. Sie sei davon ausgegangen, dass die Trennung klappen würde. Doch in ihm gärte es. Einer Nachbarin soll er gesagt haben: „Sie wird nicht glücklich, er wird meine Kinder nicht kriegen.“ Das Motto: „Wenn ich sie nicht haben kann, soll sie auch kein anderer haben.“ Im Laufe des Nachmittag sei der Entschluss gefallen, Doreen zu töten: „Das hatte etwas mit drohendem Kontrollverlust zu tun.“

„Ich habe meine Frau getötet“

Volker K. hatte sich an den Kindern vorbei ins Haus geschlichen und sich nach Auffassung des Gerichts aus der Küche ein Messer geholt. Im 1. Stock sei er auf seine Frau getroffen, die aufgrund des warmen Wetters einen Bikini trug. Er stach dreimal in ihre Herzregion, zudem wies die Frau Abwehrverletzungen an den Händen auf. K. rief mit den Worten „Ich habe meine Frau getötet“ den Rettungsdienst. Sie starb im Krankenhaus. K.s Version, dass seine Frau ihn angegriffen habe, schenkten die Richter keinen Glauben: „Warum hätte sie das tun sollen?“ Das Opfer sei arglos gewesen, es habe zuvor keine Gewalt gegeben.

Im Ablauf sahen die Richter das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. Ihr Urteil lautete deshalb: lebenslänglich. Aufgrund von K.s Protest im Gerichtssaal und der Äußerungen der Verteidiger dürfte damit zu rechnen sein, dass der Angeklagte das Urteil nicht annimmt. Eine Neuauflage ist denkbar.

Von Carlo Eggeling