Mittwoch , 21. Oktober 2020
Am Montag um 11.14 Uhr hat das Haus mit der Adresse Stöteroggestraße 2 den Besitzer gewechselt. Insofern der neue Eigentümer nicht Eigenbedarf anmeldet oder einen anderen Sonderkündigungsgrund vorweisen kann, muss er die gesetzlichen Fristen wahren. Denn in dem Haus leben einige Mieter. Wie viele es sind, ist nicht bekannt.

Immobilienfirma aus Melbeck kauft Haus in der Stöteroggestraße

Lüneburg. Eine Immobilienfirma aus Melbeck ist jetzt Besitzerin des Problemhauses an der Stöteroggestraße. Sie setzte sich bei der Zwangsversteigerung im Lüneburger Amtsgericht gegen zwei andere Bieter durch. Bei 300 000 Euro gab es den Zuschlag. Ob es der Neuanfang wird, den sich die Nachbarn erhoffen, ist fraglich. Denn der ehemalige Eigentümer der Immobilie, ein Lüneburger Unternehmer, hat Verbindungen zum neuen Besitzer und war neben dem aktuellen Bieter Mitbegründer und ungefähr ein Jahr lang Geschäftsführer des Unternehmens.

Der jetzige Geschäftsführer, der mittlerweile einen anderen Partner an seiner Seite und dem Firmennamen einen neuen Buchstaben verpasst hat, nennt seine Pläne für den verwahrlosten Backsteinbau an der Stöteroggestraße gegenüber der LZ: „Das Gutachten sagt, dass das Haus wirtschaftlich nicht zu halten ist. Es ist aber bewohnt. Bis zur Übergabe dauert es noch, wir werden dann versuchen, vernünftige Unterkünfte für die Bewohner zu bekommen. Dann werden wir das Grundstück wahrscheinlich neu bebauen. Da gehe ich derzeit stark von aus.“

Der gestrige Versteigerungstermin war bereits der zweite Anlauf: Schon im vergangenen September sollte das Haus unter den Hammer kommen. Dass damals keine Gebote abgegeben worden waren, lag daran, dass die Ausgangslage eine völlig andere war. Der potenzielle neue Eigentümer hätte bei einem Verkehrswert von 300 000 Euro einen Darlehensvertrag von 1,1 Millionen Euro und die jährlichen 15 Prozent Zinsen übernehmen müssen.

Ganz anders diesmal. Rechtspfleger Eckardt Fröhling sagte gleich zu Beginn des Verfahrens in Richtung der rund 40 Anwesenden: „Das ist wichtig für Sie: Es bleiben keine Rechte bestehen.“ Ausschlaggebend dafür war, dass die Bank aus Uelzen, die dem Eigentümer des Hauses vor Jahren einen Millionenkredit gewährt hat, die Grundschuld gekündigt hatte und dem Verfahren beigetreten ist, um überhaupt noch Geld in die Kasse zu spülen.

Alter Eigentümer hat Steuern und Müllgebühr nicht gezahlt

Die Bank stand nicht allein da: Beteiligt waren auch das Finanzamt und die Stadt Lüneburg, die laut Pressesprecherin Ann-Kristin Jenckel nicht nur darauf wartet, dass der Eigentümer persönlichen Forderungen wie den Abfallgebühren nachkommt, sondern auch die ausstehende Grundsteuer bezahlt. „Im Vergleich zu den anderen Gläubigern handelt es sich aber um eine geringe Forderungssumme.“

Der Kaufmann, der bei der Zwangsversteigerung seines Eigentums nicht dabei war und auch keinen Vertreter geschickt hatte, ist kein Unbekannter. Im August 2018 fiel sein Name im Zusammenhang mit der Adresse Auf dem Kauf 12: Dort hatte er als Zimmervermittler fungiert und Mieter zu horrenden Preisen auf engstem Raum untergebracht. Letztlich waren es die massiven Brandschutzmängel, welche die Stadt hatte eingreifen lassen, sie ordnete die Räumung des Hauses an.

Kurz darauf war auch das Gebäude auf dem Kreideberg in den Fokus gerückt. Nachbarn hatten sich beim Ordnungsamt über das Müllaufkommen, Ratten und das aggressive Verhalten der Mieter beschwert. Die Stadtverwaltung reagierte und stellte bei einer Begehung fest, dass Teile des Hauses gar nicht bewohnt werden durften. Drei Personen mussten ausziehen.

Von Anna Paarmann