Mittwoch , 30. September 2020
Oberkommissarin Daniela Lang trainiert im Schießkino der Polizei für den Ernstfall: Ein Amokläufer feuert in einer Schule um sich. Foto: ca

Gefahr ist ihr Geschäft

Lüneburg. Einbruch in ein Lagerhaus. Die Polizei kommt. Der Täter ist im Gebäude. Das Licht ist schummerig. Ein Schatten. Er läuft auf die Beamten los. Was hat er in der Hand? Einen Schraubenzieher? Einen Revolver? Der Mann kümmert sich nicht um Zurufe. Wie reagieren? Sollen die Polizisten schießen? Es geht um Entscheidungen in Bruchteilen von Sekunden. Dafür braucht es eine Menge Übung. Den Umgang mit solchen Situationen können Lüneburger Beamte jetzt besser trainieren. Am Dienstag weihte Polizeichef Hans-Jürgen Felgentreu mit seiner Führungsriege und Gästen – und jetzt klingt‘s bürokratisch – die neue Raumschießanlage ein.

Vor drei Jahren schloss das alte „Schießkino“ wegen Sicherheitsmängeln. Das Staatliche Baumanagement unter seinem Leiter Michael Brassel strickte ein neues Konzept und setzte es mit 18 Firmen um. Das Land investierte 1,34 Millionen Euro. Damit endet ein Provisorium: Um ihr viermal pro Jahr vorgeschriebenes Schießtraining zu absolvieren fuhren Polizisten in der Vergangenheit zu einem Verein nach Garstedt bei Salzhausen.

Verschiedene Videosequenzen

Die Praktiker freuen sich, dass nun Wege wegfallen und sie, wenn einmal nicht so viel zu tun ist, direkt neben der Wache den Umgang mit Pistole, Maschinenpistole und im Zweifel auch mit dem militärischen Gewehr G 36 üben können. Felgentreu wies in seiner Rede darauf hin, dass eine veränderte Sicherheitslage die Beamten vor neue Herausforderungen stelle. Ein Stichwort: Terrorismus.

Mehr als 500 Beamte aus den Kreisen Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg proben künftig Auf der Hude. Dazu kommen Spezialkräfte, die in Sachen organisierter Kriminalität ermitteln, die beiden Gruppen des Mobilen Einsatzkommandos, Bereitschaftspolizei und die lokale Bundespolizei. Zuständig ist Holger Fagien. Der Trainer kann verschiedene Videosequenzen einspielen, die etwa einen Amoklauf in einer Schule oder eine Fahrzeugkontrolle simulieren. Im schallisolierten Raum kann er zudem Kollegen beispielsweise Deckung verschaffen.

„Liegestütz, eine Strecke laufen“

Gerrit Schnee gehört zu den erfahrenen Beamten im Einsatz- und Streifendienst, deren Alltag die Straße ist. Was auf sie zukommt, wissen die Männer und Frauen oftmals nicht: Ein Ehestreit eskaliert, nach einem Überfall flüchtet ein bewaffneter Täter durch die belebte Innenstadt, eine Fahrzeugkontrolle läuft völlig aus dem Ruder. Immer gilt es, keine Unbeteiligten zu gefährden. „Deshalb üben wir auch unter Belastung“, berichtet der Oberkommissar. „Liegestütz, eine Strecke laufen – um auch dann sicher zu sein.“ Auch im Freien, auf einer Anlage der Bundeswehr trainieren sie. Das Wichtigste dabei ist für sie: „Dass wir es im Ernstfall so hinbekommen und nicht schießen müssen.“

Von Carlo Eggeling