Freitag , 25. September 2020
Einen Teil seines Gewächshauses hat Hendrik Harwege für die die Artischocken-Pflanzen reserviert. In den Reihen daneben wachsen die Tomaten heran. Foto: kre

Mediterranes aus dem Norden

Ahndorf. Es gibt Gemüsesorten, deren Anbau und Ernte man im sonnig-mediterranen Süden, nicht aber im rauen Klima der norddeutschen Tiefebene erwartet. Diese Überraschung ist Hendrik Harwege also schon einmal gelungen, als er die Tür zu seinem Gewächshaus in Ahndorf bei Dahlenburg öffnet: Denn hier wachsen in trauter Nachbarschaft zu Tomatenpflanzen seit gut einem Jahr auch Artischocken – 250 Pflanzen an der Zahl. Der gelernte Gemüsegärtner ist stolz auf seine neueste Geschäftsidee und sagt: „Ich hatte schon lange richtig Bock darauf, Artischocken anzubauen!“

Der 39-Jährige zückt das Taschenmesser, greift sich einen der faustgroßen Blütenköpfe und erklärt, wann der beste Zeitpunkt gekommen ist für die optimale Ernte: „Wenn die Blüte noch geschlossen ist, die äußeren Schuppen aber schon leicht abstehen.“ Seit vier Wochen findet nun auf dem Hof Harwege die Ernte statt, die Artischocken verkauft er unter anderem auf den Wochenmärkten in Lüneburg, Uelzen und Hamburg.

Kräftige Kulturpflanze aus der Familie der Korbblüter

Die Artischocke ist eine distelartige, kräftige Kulturpflanze aus der Familie der Korbblüter. „Hauptanbaugebiete sind Frankreich und Italien“, berichtet Harwege – ein Blick in die Fachliteratur nennt als weitere Anbaugebiete aber auch Spanien, Ägypten, Peru und Argentinien. Was wenig verwundert, denn die Pflanze bevorzugt sonnige, warme Orte. Auf dem Hof Harwege wachsen die Artischocken deshalb im Gewächshaus. „Sie können aber durchaus auch im Freiland gezogen werden“, berichtet der Gemüsegärtner. Dann findet die Ernte erst später statt. „Im August/September“, erklärt Harwege, der den familieneigenen Hof nach Kriterien des biologischen Anbaus bewirtschaftet.

Ursprünglich stammt die frostempfindliche Artischocke aus dem Mittelmeerraum. Nachdem die Pflanze durch einen florentinischen Händler Mitte des 15. Jahrhunderts aus Sizilien importiert worden war, trat sie ihren Siegeszug 1533 nach Frankreich und Großbritannien an; etwa 400 Jahre später wurde sie auch in den USA eingeführt. Bis zur Französischen Revolution war die Artischocke in den Gärten des französischen Landadels ein Zeichen von Reichtum und vornehmer Lebensart.

„Aus eins mach zwei“

Die Artischocken-Pflanze selbst ist relativ anspruchslos: Neben Wärme und ausreichend Wasser benötigt sie vor allem einen stickstoffreichen Boden. „Ansonsten wird unter den Pflanzen nur zweimal im Jahr saubergefräst“, beschreibt Harwege den Arbeitsaufwand. Um die Pflanzen zu vermehren, werden sie geteilt, getreu dem Motto: „Aus eins mach zwei.“

Die Artischocke ist aber nicht nur nur bei Liebhabern der mediteranen Küche beliebt, ihr Verzehr gilt auch als äußerst gesund: Viele Ballaststoffe, Vitamin B1 und Mineralstoffe wie Eisen, außerdem der Bitterstoff Cynarin, der die Verdauung und Fettverbrennung fördert. Nicht umsonst zählten Artischocken deshalb schon im Mittelalter zu den teuersten und wohlschmeckendsten Heilmitteln.

Von Klaus Reschke

Hintergrund

Artischocken richtig lagern

Idealerweise sollten Artischocken an dem Tag gekauft werden, an dem das Gemüse auch verarbeitet wird. Wenn dies nicht möglich ist, lassen sich die Blütenköpfe kurz lagern – während der Saison sogar einige Tage im Kühlschrank.

Am besten halten die Köpfe, wenn sie ungewaschen in ein feuchtes Tuch eingeschlagen im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahrt werden. Alternativ können sie auch in Frischhaltefolie eingewickelt werden.