Samstag , 24. Oktober 2020
Abwärts geht es immer noch in der Frommestraße. Foto: t&w

Senkung unberechenbar

Lüneburg. Das Senkungsgeschehen im Lüneburger Untergrund ist unberechenbar, wird aber von der Stadtverwaltung genau beobachtet. Denn selbst wenn eine Senkung zurückgeht, ist das kein Indiz dafür, dass die Gefahr gebannt ist. Stadtbaurätin Heike Gundermann richtete dazu im Bauausschuss den Blick auf die Frommestraße und den Ochtmisser Kirchsteig.

Sieben Jahre ist es her, dass die Häuser 4 und 5 in der Frommestraße abgebrochen wurden. Untersuchungen, die die Stadt damals in Auftrag gegeben hatte, hatten ergeben, dass die Gebäude nicht mehr standsicher waren. In den Fokus der Stadt war die Straße geraten, als es 2009 eine optische Zunahme der Senkung gab. Mittels der Messpunkte und mit Bohrungen versuchte man zu ermitteln, was im Untergrund passiert. Auch wenn die Sondierungen und Bohrungen keine abschließenden Ergebnisse gebracht haben und die Senkung sich nicht stoppen lässt, hat die Stadt wichtige Informationen erhalten: dass oberflächennah keine Hohlräume oder außergewöhnliche Auflockerungen festzustellen waren.

Die Straße wurde gesperrt, 2011 lag der höchste Senkungsbetrag bei über 12 Zentimetern, 2012 bei 19 Zentimetern, ein Jahr später sogar bei 21 Zentimetern. „Zurzeit hat die Senkung mit vier Zentimetern stark nachgelassen. Aber man kann nicht garantieren, dass es so bleibt“, so Gundermann.

2,40 Meter abwärts in 66 Jahren

Wie eine Talfahrt wirkt mittlerweile die Straße. Der Messpunkt 355, etwa in Höhe des Grundstückes Nr. 2, verzeichnet von 1953 bis April dieses Jahres eine Abwärtsbewegung von 2,40 Meter.

In einem weit kürzeren Zeitraum ist es zu massiven Senkungen am Ochtmisser Kirchsteig gekommen, weshalb dort zahlreiche Messpunkte gesetzt wurden. An einigen Messpunkten wurden für den Zeitraum von Juni 2005 bis April dieses Jahres eine Gesamtsenkung von bis zu 2,30 Metern gemessen. Nachdem es ab 2004 eine auffällige Zunahme gegeben hatte, habe man 13 Häuser kontrolliert und Empfehlungen für deren Stabilisierung gegeben, erklärte die Stadtbaurätin. Außerdem ließ die Stadt mehrere Tiefenbohrungen abteufen, um das veränderte Verhalten im Untergrund zu untersuchen. Bis 2007 lag die jährliche Senkungsrate bei bis zu 20 Zentimetern, nahm dann leicht ab. 2016 schnellte sie hoch auf 32 Zentimeter, 2017 wurden 29 Zentimeter gemessen.

Gundermann erklärte zu der Frage von Ulrich Löb (Grüne), ob es auch in anderen Bereichen der Stadt Probleme gebe: Das Senkungsgebiet ziehe sich vom Sitz der Bauverwaltung an der Neuen Sülze bis zum Ochtmisser Kirchsteig. In diesem Bereich gibt der Boden auch nach Jahrhunderten trotz des 1980 eingestellten Salzabbaus der Saline unterschiedlich nach.

Stadt misst an 480 Punkten

Die Stadt hat 480 aktive Messpunkte eingerichtet, je nach den Bewegungen im Untergrund werden an einigen Stellen zusätzliche eingerichtet oder an anderen Stellen die Intervalle der Messungen reduziert. Christian Burgdorff, beratendes Mitglied vom Arbeitskreis Lüneburger Altstadt, wollte wissen, ob der Abriss der Häuser 4 und 5 in der Frommestraße sozusagen zu einer Verminderung der Auflast der Straße geführt und dies wiederum eine Entschleunigung der Senkung zur Folge gehabt habe. Stadtbaurätin Gundermann meinte, dass die Gutachter bei dieser These nicht mitgehen würden.

Birte Schellmann (FDP) richtete den Blick auf das Haus Nr. 6 hinsichtlich der Standsicherheit. Die Stadt werde es „im Auge behalten“, sagte Stadtbaurätin Gundermann.

Von Antje Schäfer