Freitag , 18. September 2020
Lasse Meinecke gefällt, dass er als angehender Müller schon während seiner Ausbildung Verantwortung übernehmen kann. Foto: t&w

Ein Müller mit Ambitionen

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Lasse Meinecke hat nach dem Abitur rund 20 Bewerbungen geschrieben. Ein technischer Beruf sollte es sein. Irgendwo in der Region rund um seine Heimatstadt Gifhorn. „Von Volkswagen hatte ich eine Zusage. Viele aus meinem Bekanntenkreis sind bei dem Autokonzern gelandet“, sagt Lasse Meinecke: „Die Ausbildung in Wolfsburg ist auch bestimmt gut. Aber dort wäre ich einer von vielen gewesen. Ich wollte etwas Individuelleres machen.“ Deshalb fiel die Entscheidung nach langer Überlegung gegen Volkswagen. Und für eine Ausbildung zum Verfahrenstechnologe Mühlen- und Getreidewirtschaft, kurz Müller, in der Bohlsener Mühle bei Uelzen.

Müller wie Lasse stellen Mehle, Futtermittel, Öle oder Gewürzpulver her. Sie bedienen, überwachen und reparieren Maschinen. „Als Lehrling übernimmt man von Anfang an viel Verantwortung“, sagt Lasse: „Man muss organisiert und strukturiert arbeiten können. Mir macht das sehr viel Spaß.“ In Früh- und Nachtschichten ist der 20-Jährige im Einsatz. Für eine Frühschicht ist er ab 5.30 Uhr in der Mühle. Die Nachtschicht beginnt jeweils um 21.30 Uhr – und geht bis 6.30 Uhr. Arbeitszeiten, die Disziplin verlangen. „Das frühe Aufstehen fällt ab und zu schon schwer“, sagt Lasse Meinecke: „Aber in der Regel ist das Schicht-Arbeiten für mich kein Problem.“
Für die Ausbildung ist Lasse Meinecke aus seinem Elternhaus in Gifhorn nach Bohlsen gezogen. Eine Wohnung hat er nicht lang suchen müssen. Der Azubi wohnt in dem Azubi-Haus seines Arbeitgebers – nur wenige Meter von der Mühle entfernt.

„Manchmal kochen wir zusammen“

Im Moment leben zwei Azubis, ein Produktionshelfer und ein Praktikant in dem voll möblierten Einfamilienhaus. „Das ist richtig praktisch. Ich konnte zum Ausbildungsstart direkt einziehen und musste im Vorfeld nicht viel organisieren“, sagt Lasse Meinecke: „Manchmal kochen wir zusammen oder grillen im Sommer. Sonst macht aber jeder seins.“ Und wie in jeder richtigen Wohngemeinschaft gibt es einen Putzplan. „Das passt alles. Aber an den Wochenenden fahre ich trotzdem gern zu meiner Familie nach Gifhorn.“

In seiner Freizeit engagiert sich der zukünftige Müller in der Freiwilligen Feuerwehr. „Das habe ich schon zu Hause gemacht“, sagt Lasse Meinecke: „Auch hier bin ich direkt eingetreten. So lernt man schnell Leute kennen und tut auch noch etwas Gutes.“ Körperlich fit für Feuerwehreinsätze ist Lasse sowieso, denn manchmal ist auch in der Mühle Muskelkraft gefragt: „Ab und zu muss man schon mal bei einem 25-Kilo-Sack anpacken.“

Zweimal im Jahr fährt der zukünftige Müller nach Wittingen in eine Müllerschule. Dort lernen zwei Klassen mit jeweils rund 25 Schülern in einer Schulmühle und in einem Schullabor die Grundlagen der Mühlen- und Getreidewirtschaft kennen. „Die Berufsschule fällt mir relativ leicht“, sagt Lasse Meinecke: „Wer echtes Interesse mitbringt, kann es hinbekommen.“ Lasse Meinecke ist bereits im zweiten Ausbildungsjahr. Im Mai des kommenden Jahres wird er seinen Abschluss in der Tasche haben. Was kommt danach? „Die Übernahmechancen sehen gut aus“, sagt Lasse Meinecke: „Aber ich will mich gern noch weiterbilden, vielleicht Lebensmittelwissenschaften auf Lehramt studieren und eventuell als Berufsschullehrer arbeiten.“

Info

Ausbildung Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Getreidewirtschaft

Gehalt: 1. Jahr: 480 bis 700 Euro; 2. Jahr: 550 bis 830 Euro; 3. Jahr: 680 bis 960 Euro

Empfohlener Schulabschluß: Hauptschulabschluss/Mittlere Reife

Dauer der Ausbildung: 3 Jahre

Arbeitszeiten: werktags

Zukunfschancen (Weiterbildung, Studium): Müllermeister, Industriemeister, Techniker Mühlenbau, Techniker Lebensmitteltechnik, Technischer Fachwirt, Technisch-kaufmännische Fachkraft (Handwerk), Fachmann für kaufmännische Betriebsführung oder Ausbilder. Ein Studium z.B. zum Bachelor of Engineering Lebensmitteltechnik, aber auch der Schritt in die Selbstständigkeit sind möglich.

Voraussetzungen, das wünscht sich dein Ausbildungsbetrieb: technisches Verständnis, Genauigkeit und Sorgfalt, Verantwortungsbewusstsein, Interesse an den Naturwissenschaften sowie Lust darauf, mit modernen Produktionsanlagen zu arbeiten, auch unter Lärm und Staub.

Du solltest Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Getreidewirtschaft werden, wenn …
– Ein gutes Auge und eine gute Nase hast.
– Mathematik und Chemie dir keine schlaflosen Nächte bereiten.
– deine Beine unter einem 10 Kilo Mehlsack nicht wegknicken.

Du solltest auf keinen Fall Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Getreidewirtschaft werden, wenn …
– du allergisch auf Mehlstaub reagierst.
– der Anblick von Mehlwürmern nicht so schön für dich ist.
– laute Geräusche für dich unerträglich sind.

Quelle: nh/ausbildung.de

 

Moin Future macht Schule

Lehrerinnen und Lehrer aufgepasst:

„Moin Future“ hat mit der LandesschulbehördeUnterrichtsmaterial zur Berufsorientierung erarbeitet. Interesse? Schreiben Sie „Moin-Future“-Projektmanagerin Dana Schumacher: schumacher@lueneburg.ihk.de.

Hier gibt es die Infos:

www.moin-future.de
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www.facebook.com/ihklw