Freitag , 30. Oktober 2020
Links und rechts neben dem Eingang zum Saal der Ritterakademie haben Jens Böther (links) und Norbert Meyer bei der jüngsten Kreistagssitzung Stellung bezogen. Einer von beiden wird vom 1. November an als Landrat am Verwaltungstisch Platz nehmen. (Foto: t&w)

In der Verlängerung

Lüneburg. Nach der Wahl ist vor der Wahl: Das gilt zumindest für die beiden Kandidaten im Rennen um den Landratsposten, die nach dem ersten Durc hgang am Sonntag jetzt in die Stichwahl am 16. Juni gehen. Am Tag nach der Wahl hat die LZ Jens Böther (CDU) und Norbert Meyer (SPD) vier Fragen gestellt.

Wie bewerten Sie Ihr Ergebnis kurz nach der Wahl?
Jens Böther : Zunächst einmal ist es großartig, dass wir mit 65 Prozent eine hohe Wahlbeteiligung erreicht haben. Mein Dank geht an alle, die zur Wahl gegangen sind und damit gezeigt haben, dass sie die Bedeutung der Landratswahl für die Region sehr gut erkannt haben. Mein Ziel, mit einem deutlichen Vorsprung in die Stichwahl zu gehen habe ich erreicht. Unser Wahlkampf hat die Menschen in der Region erreicht. Die allerorten festzustellende Wechselstimmung kombiniert mit einem guten Wahlprogramm hat letztlich zu diesem Erfolg beigetragen.

Norbert Meyer : Mit meiner Einschätzung beim LZ- Wahlforum in Scharnebeck (33 Prozent) lag ich nicht so schlecht. Mit den erreichten 28,32 Prozent der Stimmen liege ich rund 10 Prozent über dem Trend der gesamten SPD. Außerdem ist zu bedenken, dass mit den Kandidaten von SPD, Grünen und Linken drei Kandidaten links der Mitte zur Wahl standen, mit dem CDU-Kandidaten nur einer rechts der Mitte. Auch wurde der CDU-Kandidat, laut Pressemitteilungen, von der FDP und der AfD unterstützt. Vor allen diesen Hintergründen, ist das Ergebnis nicht so schlecht; gerade auch, weil die Grünen zurzeit europaweit auf einer Erfolgswelle reiten.

Wie gestalten Sie die nächsten drei Wochen?
Böther : Ziel in den nächsten drei Wochen ist es, die Menschen für die Teilnahme an der Stichwahl zu gewinnen. Unsere Aktionen zielen darauf ab, den Termin der Stichwahl präsent zu halten. So werden wir weiterhin mit Hausbesuchen und Info-Ständen präsent sein, Flyer an die Haushalte verteilen und auf unseren Plakaten nochmal deutlich den Wahltag 16. Juni hervorheben. Auch auf den Social-Media-Kanälen Instagram und Facebook werden wir nochmal verstärkt auf den Stichwahltermin hinweisen. Thematisch werde ich alles daran setzen, zu zeigen, dass auch ein CDU-Kandidat gute Ideen für den Klima- und Naturschutz haben kann.

Meyer : Die weitere Vorgehensweise besprechen wir gerade. Natürlich werden wir weiter Wahlkampf betreiben und versuchen, die Wähler zu animieren am 16. Juni zur Stichwahl zu gehen. Persönlich werde ich aber drei Tage in die Patengemeinde der Samtgemeinde Ostheide nach Frankreich fahren, um das 40-jährige Jubiläum der Partnerschaft mit dem Canton Criquetot L’Esneval zu feiern. Diese deutsch-französische Partnerschaft bedeutet mir sehr viel.

Die SPD ist abgestürzt, die CDU hat auch deutlich verloren. Was machen die ehemaligen Volksparteien falsch?
Böther : Ich würde weder die SPD noch die CDU als ehemalige Volkspartei bezeichnen. Letztlich zeigt mein Ergebnis, dass es möglich ist, mehr als 35 Prozent auf einen Vertreter einer Volkspartei zu vereinen. Derzeit werden viele Themen, in denen sowohl SPD als auch CDU die größte Kompetenz zugetraut werden, vom Leitthema Klima- und Naturschutz verdrängt. Mit den wichtigen Themen Soziale Sicherung, Arbeitsplätze, Sicherheit, Zuwanderung oder Wohnraum ist heute bei jungen Menschen nur schwer zu landen. Gleichzeitig drängen die Grünen mit Robert Habeck mit aller Macht in die Mitte. Alles zusammen führt dazu, dass wir künftig drei Volksparteien haben werden. Das finde ich nicht schlimm, mobilisiert das doch die Wähler in der Mitte der Gesellschaft und nicht an den Rändern.

Meyer : Wenn ich das wüsste, würden wir es sofort ändern. Ich denke aber, der SPD gelingt es innerhalb der großen Koalition nicht, ihre Erfolge, wie Mindestlohn, Einwanderung oder Kita-Finanzierung zu kommunizieren. Uns wichtige Themen im Umwelt- und Klimaschutz schreibt die Öffentlichkeit eher den Grünen zu. Vermutlich, weil es im Parteinamen steht und es derzeit Köpfe an der Spitze gibt, denen man das abnimmt. Das gelingt der SPD nicht; obwohl Klimaschutz-Themen oberste Priorität genießen. Leider schlägt der bundesweite Trend bis auf die kommunale Ebene durch.

Im Falle Ihrer Wahl: Bleibt eigentlich noch Zeit für einen Sommerurlaub?
Böther : Na klar bleibt noch Zeit für den Sommerurlaub. Das Versprechen an meine Frau gilt, dass wir uns nach unserer Silberhochzeit im August für ein paar Wochen aus dem Staub machen! Allerdings investiere ich doch so einige Urlaubstage in den Wahlkampf, sodass der ein oder andere Ausflug in diesem Jahr dann weniger stattfindet.

Meyer : Ja! Seit meiner Nominierung am 19. Januar hat es für mich keinen erholsamen Urlaub mehr gegeben. Den Urlaub, den ich genommen habe, habe ich dem Wahlkampf gewidmet. Daher werde ich mit meiner Lebensgefährtin im Sommer einige Wochen nach Südfrankreich fahren und beim Zelten und Radfahren die Akkus wieder aufladen, um mich voller Energie den dann anfallenden Aufgaben zu widmen.

Von Malte Lühr