Samstag , 31. Oktober 2020
Vater und Sohn beim Angeln an der Elbe. Alex (13) hat die Fischerprüfung in der Schul-AG bestanden, auch zur Freude seines Vaters Sascha Kriz. (Foto: kre)

Angeln auf dem Stundenplan

Bleckede. Mäuse fängt man mit Speck – und Brassen mit einem Vanille/Karamell-Gemisch! Denn erfahrene Angler wissen: Der Weißfisch mag es gern e süß. Wenn das Lockfutter also nach Vanille, Karamell oder Lebkuchen duftet, werden Brassen besonders hungrig und beißen noch schneller.

Es ist nur einer von vielen Tipps und Tricks, die Horst Kastens den jungen Anglern verrät. Es ist Sonnabendmittag, als sich der Ausbilder des Anglerverbandes Niedersachsen mit elf Jugendlichen auf dem Schulhof der Realschule in Bleckede trifft. In wenigen Minuten werden sie sich aufmachen zum Bleckeder Hafen, um dort ihr Angler-Glück zu versuchen. Vorher aber gibt es noch eine kurze Einweisung von Kastens für die Jungangler, die erst vor wenigen Wochen im Rahmen einer Schul-AG ihre Fischerprüfung erfolgreich bestanden haben. „Ein solches Angebot an einer Schule ist einmalig in Niedersachsen“, betont Kastens.

Verantwortung gegenüber der Natur

Vor allem aber haben die Schüler gegenüber anderen Kurs-Absolventen einen Vorteil, „nämlich deutlich mehr Zeit“, erläutert Kastens: Ein Schuljahr lang werden sie auf die Verantwortung vorbereitet, die sie als zukünftige Angler gegenüber der Natur haben. Und nur wer diese Verantwortung verstanden habe, werde auch zur Prüfung zugelassen. Bislang aber konnte Kastens noch alle angehenden Jungangler zur Prüfung anmelden.

„Das ist der Vorteil der schulischen Vorbereitung auf die Fischerprüfung. Wissenslücken und eventuelle Defizite können im Laufe des Jahres in Ruhe aufgearbeitet werden.“ Insgesamt waren es 16 Jugendliche, die in der AG mitgemacht und sich nun zur Prüfung angemeldet hatten – aus der Haupt- und aus der Realschule. „Und alle haben bestanden“, freut sich Kastens.

Brasse, Rotauge und Rotfeder als Zielfische

Der kleine Angler-Trupp ist inzwischen am Hafen eingetroffen. „Unsere Zielfische sind heute Friedfische wie Brasse, Rotauge oder Rotfeder“, ruft Kastens noch einmal in Erinnerung, dann verteilen sich die Petri-Jünger am Ufer. Die Angeln werden ausgepackt, die Köder vorbereitet.Mit dabei sind sind auch Alex Kriz (13) und sein Vater Sascha (36). Die beiden suchen sich ebenfalls einen guten Platz am Wasser. Nicht ganz einfach, denn der Wind frischt auf, und die Sonne brennt unbarmherzig an diesem Nachmittag.

Gut, wer sich ein schattiges Plätzchen sichern kann. Das merkt auch Alex, als er einen Köder an der Angel befestigen will. Der bewegt sich nicht mehr und sein Vater weiß auch warum: „Du musst die Köder aus der Sonne nehmen!“ Denn ein Köder, der am Haken nicht mehr zappelt, lockt auch keine Fische an. „Die Fische nehmen die Bewegungen des Köders über ihr Seitenlinien-organ wahr“, erklärt der 36-Jährige, der den gemeinsamen Angelausflug mit seinem Sohn sichtlich genießt.

„Angeln ist ein tolles Hobby“

Einige Meter weiter hält Bernd Janitschek seine Angel ins Wasser: Der Konrektor der Hauptschule Bleckede ist selbst über die Schul-AG zum Angeln gekommen, genauso wie Torben Kruse. „Angeln ist ein tolles Hobby“, lobt der 14-Jährige, der sich nach eigenen Worten ohnehin lieber in der Natur beschäftigt, als am Handy zu daddeln oder vor dem Computer zu sitzen. „Alles, was mit Jagd zu tun hat, interessiert mich“, gesteht der Achtklässler, der am liebsten nach Norwegen zum Angeln fahren würde. Das nächste Projekt hat er bereits ebenfalls fest im Visier: Torben möchte sich für die Jungjäger-Ausbildung anmelden. Doch dafür muss er noch ein Jahr warten.

Für die Angel-AG in der Schule können sich die Jugendlichen dagegen schon mit 13 Jahren anmelden. In je zwei Unterrichtsstunden pro Woche werden sie auf die theoretische und die praktische Prüfung vorbereitet. „Die Themengebiete sind allgemeine und spezielle Fischkunde, Gewässerkunde, Natur- und Umweltschutz, Gerätekunde und Fischereirecht“, listet Ausbilder Horst Kastens auf. Die praktische Prüfung beinhalte das waidgerechte Verhalten am Gewässer und im Biosphärenreservat, das Erlernen der unterschiedlichen Angelmethoden, Knotenkunde, Spinnfischerprüfung, Anatomie des Fisches bis hin zur küchenfertigen Vorbereitung.

Doch alles theoretische und praktische Wissen und Können nützt nichts, wenn die Fische trotz leckeren Lockfutters nicht beißen wollen. „Aber so ist das halt beim Angeln“, sagt Kastens schmunzelnd, „es gibt Tage, da fängt man halt nichts…“ Dieser Sonnabend ist so einer. Die magere Ausbeute – nur eine Brasse. Die Jung-Angler nehmen es gelassen. Beim nächsten Angelausflug haben sie bestimmt mehr Erfolg.

Von Klaus Reschke