Donnerstag , 29. Oktober 2020
Erika Romberg, Kanditatin der Grünen bei der Landratswahl. (Foto: t&w)

Gewinner und doch Verlierer?

Die Grünen sind nach diesem Wahlsonntag im Landkreis Lüneburg Gewinner und Verlierer zugleich. Als mit Abstand stärkste Kraft in der Hansestadt und sogar als Sieger im Landkreis gelang ihnen bei der Europawahl ein politischer Erdrutsch. Doch bei der zeitgleichen Landratswahl landet die Partei nur auf dem dritten Platz.

Erika Romberg war als Import aus Berlin zu unbekannt und wenig verwoben mit der Region. Der Grünen-Vorstand muss sich die Frage gefallen lassen, wie die Landratswahl ausgegangen wäre, wenn etwa einer ihrer drei Politprofis Verlinden, Staudte und Schulz-Hendel angetreten wäre.

LZ-Chefredakteur Marc Rath. (Foto: t&w)

Kommentar

Der zweite Gewinner des Abends ist Jens Böther, wenngleich manch ein Christdemokrat schon vom Knacken der 50-Prozent-Marke im ersten Wahlgang geträumt hatte. Die CDU kann für sich reklamieren, bei der Landratswahl vieles richtig gemacht zu haben. Den Schwung des internen Dreierduells hat sie in den Wahlkampf tragen können.

Und Norbert Meyer und die SPD dürfen bis zum 16. Juni immerhin von einer zweiten Chance träumen. Manfred Nahrstedt hat 2006 aus der zweiten Position heraus noch gewonnen, doch damals war es wesentlich knapper und hatte Rot-Grün noch eine Zukunft. Danach sieht es derzeit im Landkreis nicht aus. Es mehren sich die Allianzen gegen die Allmacht der SPD. Wenn die Sozialdemokraten das Kreishaus verlieren, würde eine feste Machtachse zerbrechen.

Wird es bei der Stichwahl eine schwarz-grüne Allianz geben oder gelingt der SPD ein „linkes Bündnis“? Der Wählerschaft ist das meist egal. Sie hat am 16. Juni die Wahl zwischen zwei Praktikern aus der kommunalen Verwaltung, die viele Gemeinsamkeiten haben.

Von Marc Rath