Samstag , 26. September 2020
Sarah-Lee und Thorsten Hencke aus Lüneburg haben sich am Ostseestrand von Bliesdorf das Jawort gegeben, doch Ringe konnten sie sich nicht gegenseitig anstecken. Foto: privat

Hochzeit mit Hindernissen

Schashagen/Lüneburg. Es war wie in einer Hollywood-Komödie. Endlich war der große Tag von Sarah-Lee und Thorsten Hencke gekommen. Vor zehn Jahren hatte sich das Paar aus Lüneburg kennengelernt, nun wollten sie heiraten – am Strand von Bliesdorf, im Strandkorb, bei strahlendem Sonnenschein. Doch während der Zeremonie brach die Mutter der Braut in Tränen aus. Die Ringe waren verschwunden. Ein Alptraum. Doch es gibt ein Happyend: Drei Tage nach der Trauung sind sie wieder aufgetaucht. Der Barkeeper der Hochzeit hat sie gefunden.

Große Suchaktion mit allen Gästen

Sarah-Lee Hencke erzählt die Geschichte: Eigentlich sei es der Plan gewesen, dass ihr Hund „Pepe“ die Ringe während der Trauung zum Strandkorb bringe. Die Mutter der 35-Jährigen hatte sie mit einer Schleife am Halsband des Vierbeiners befestigt. Allerdings nicht fest genug – kurz vor dem Jawort löste sich das Band, die Ringe verschwanden. Die Hochzeitsgäste seien aufgesprungen, hätten den Strand abgesucht. Ohne Erfolg.

Das Hochzeitspaar musste improvisieren. „Meine Trauzeugin und ihr Mann haben uns spontan ihre Ringe für die Trauung geliehen“, erzählt die Braut. Es sei ein Schreckensmoment gewesen, aber das Paar habe es mit Humor genommen und trotzdem eine wundervolle Hochzeit gefeiert. Doch die Brautmutter habe sich sehr schlecht gefühlt. „Sie hat sich die Schuld gegeben“, erzählt Sarah-Lee Hencke. Die Tochter befürchtete: Ihre Mutter werde ihres Lebens nicht mehr froh, wenn die Ringe nicht wieder auftauchten.

Viele Menschen wollten helfen

Das frisch vermählte Paar musste nach der Hochzeit zurück nach Lüneburg. Doch zuvor starteten sie noch eine weitere Suchaktion, hängten Plakate an Campingplätzen und in Hotels auf, posteten Aufrufe auf Facebook. Auch die Lübecker Nachrichten berichteten über die verschwundenen Ringe. Viele Menschen wollten helfen, buddelten am Strand von Bliesdorf, suchten den Sand ab. Einige brachten gar einen Metalldetektor mit.

Auch Rasul Alikhanov hat den Strand abgesucht. Der 23-Jährige hatte einen entscheidenden Vorteil: Der Neustädter hat als Barkeeper auf der Hochzeit gearbeitet und beobachtet, wo der Hund sich überall aufgehalten hat. „Ich habe der Mutter der Braut versprochen, dass ich die Ringe für sie finde“, erzählt er – und hielt sein Versprechen. Geduldig suchte er stundenlang nach Feierabend den Strand ab, lieh sich dafür einen Metalldetektor von seinem Vater. Nach drei Tagen fand er sie endlich – einen Ring im Sand und einen im Gebüsch.

Nach seinem Fund rief Rasul Alikhanov die Mutter der Braut an. „Sie wollte sofort ins Auto steigen und von Lüneburg herfahren“, sagt er, „aber sie hat am Telefon geweint und da habe ich gedacht, dann steige ich eben ins Auto.“ Außerdem habe er gewollt, dass das Ehepaar die Ringe vor der Hochzeitsreise bekommt. So fuhr der junge Mann die 150 Kilometer nach Lüneburg und brachte dem Ehepaar die Ringe persönlich vorbei.

Barkeeper sorgt für ein Happyend

„Rasul ist unser Held“, sagt Sarah-Lee Hencke. „Wir sind dankbar, dass er die Ringe doch noch gefunden hat“. Sie haben ihm einen Finderlohn von 500 Euro gezahlt. 200 Euro davon will Rasul Alikhanovan an das Kinderhaus Grömitz spenden. Das Paar hätte aber auch nicht gedacht, dass so viele Menschen bei der Ringsuche mithelfen. „Wir sind jedem Einzelnen dankbar für die große Unterstützung.“

Nach der ganzen Aufregung solle nun erstmal Ruhe einkehren. Am Donnerstag ging es in die Flitterwochen Richtung Tallinn. Nach der Hochzeitsreise will das Ehepaar dann noch einmal nach Bliesdorf fahren – und sich bei einem Eisbecher endlich die Ringe übergeben.

Von Saskia Bücker