Oft war der Inselsee zu Himmelfahrt Partyzone, diesmal einfach nur ein Paradies für Angler. (Foto: krt)

Himmlische Ruhe zu Himmelfahrt

Kein Bier, kein Bass, kein Baden. Schon zum zweiten Mal muss der Vatertag in seiner feucht-fröhlichen Form ausfallen. Was im Landkreis Lüneburg am Donnerstag trotzdem so los war - wir haben uns umgesehen.


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Kein Bier, kein Bass, kein Baden. Schon zum zweiten Mal muss der Vatertag in seiner feucht-fröhlichen Form ausfallen. Was im Landkreis Lüneburg am Donnerstag trotzdem so los war - wir haben uns umgesehen.

Lüneburg. Wer den Vatertag nicht ohnehin schon für sich abgehakt hatte, der musste sich richtig Mühe geben, um sich am Donnerstag zu beschäftigen. Regelverschärfungen speziell für den „Herrentag“ gab es nämlich auch in diesem Jahr. Wo sonst bierselig und lauthals der Tag der Väter von ihren Söhnen begossen wird, herrscht an diesem Donnerstag ohrenbetäubende Stille. Im Böhmsholz, sonst der Anlaufpunkt für Bollerwagen voll Gerstenschorle, Familien und Ausflügler, herrschte Ruhe, nur unterbrochen vom Ruf der dort lebenden Pfauen.

Nieselregen und Temperaturen um 13 Grad

Ähnlich sah es am Inselsee aus. Statt hunderter junger Menschen, die tief wummernden Bässen hinterherziehen, traf man in diesem Jahr zu allererst auf eine Straßensperre und einige breit gebaute Herren. Hier auf der Zufahrtstraße verbrachten Ahmad Kerro, Inhaber der Secu Nord, und seine Angestellten ihren Vatertag: „Viel ist nicht los. Ein paar Leute mussten wir schon bitten, den Umweg über den Deich zu nehmen, aber sonst ist alles ruhig“, sagt Kerro bestens gelaunt.

Nieselregen und Temperaturen um 13 Grad scheinen ihm und seinem Team nichts auszumachen. Am Inselsee selbst ist auf den ersten Blick nichts los. Denn die einzigen, die es heute – erlaubterweise – hierher verschlagen hat, sind die Mitglieder des Angelvereins Scharnebeck. Gewässerwart Stephan Bunny verbringt den Vatertag traditionell mit seinen Vereinsbrüdern am Inselsee. Hier widmen sie sich hauptsächlich der Gewässerpflege: „Es ist einfach jede Menge Arbeit, die hier geleistet werden muss, wenn man ein gesundes Gewässer haben möchte.“, erklärt Bunny.

Das Angeln sei gar nicht das Wichtigste

Seit zehn Jahren kommen die Vereinsmitglieder an Himmelfahrt an das Vereinsgewässer, angeln und pflegen die Uferbereiche. Gewöhnlich ist es an diesem Tag nicht so ruhig wie an diesem Donnerstag: „Das ist der beste Vatertag seit Jahren“, sagt Bunny, und alle stimmen zu. „Das Angeln ist gar nicht das Wichtige“, sagt Peter Moritz unter einem Schirmzelt sitzend und auf den See blickend: „Es ist die Ruhe. Einfach hier sein.“ Das sieht Julian Petersen, Vereinsmitglied, vermutlich etwas anders: Der 25-Jährige hatte als einziger Petri‘ Heil auf seiner Seite: Einen gut einen Meter großen Hecht hat er aus dem See gekämpft. Die wohl größte Aufregung am Inselsee an diesem Donnerstag: „Ich bin seit heute früh um acht hier. Gegen Mittag hatte ich dann diesen Brocken dran – war ein guter Tag.“

Wer weder für einen Sicherheitsdienstleister, noch in einem Angelverein tätig ist, der musste sich in diesem Jahr eine andere Beschäftigung suchen. Der Hof an den Teichen bietet sich da regelrecht an. Das Ausflugsziel in Rettmer ist beliebter Anlaufpunkt für Jung und Alt. So auch an diesem Donnerstag: unzählige Familien tummeln sich zwischen den Hallen und Gehegen. Auch unter Coronabedinungen will man auf dem Hof für die Familien da sein, samt Hygienekonzept und Einhaltung aller Vorgaben: „Wir bieten einfach ein Stück Normalität. Mal rauskommen, mal was anderes machen, mal raus mit den Kindern“, erklärt Klaus Hoppe.

Geschrei und Gelächter liegen in der Luft

Und das wird, gerade von den Kindern, auch angenommen. Überall bestaunen die Knirpse Schafe und Gänse, Schweine und Hühner, Ferkel, Enten und Nutrias, verputzen Kuchen, Bratwurst und Eis. Geschrei und Gelächter liegen in der Luft: „Papa! Guck mal! Ein Schaf“, schallt es über den Hof, der an diesem Himmelfahrtstag ein bisschen Normalität für alle bietet.

Von Kevin R. Thomas

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