Sonntag , 20. September 2020
Karina Böger wird selbst oft von der Reiselust gepackt. Foto: t&w

Eine Tourismus-Expertin mit Fernweh

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Karina Böger war in der Realschule Klassenbeste. Ihre Lehrer rieten ihr zum Abitur, sie selbst zweifelte. „Und fast hätte ich mich auch überreden lassen“, sagt die heute 18-Jährige: „Doch dann kam alles anders.“

Statt im Klassenraum sitzt Karina Böger heute in einem hellen Büro des Bispingen-Touristik e.V. Sie macht eine Ausbildung als Kauffrau für Tourismus und Freizeit – und hat Spaß daran: „Die Entscheidung gegen das Abi und für die Ausbildung war genau richtig für mich.“

„Der Mix an Aufgaben macht meinen Ausbildungsberuf so spannend.“
Karina Böger

Alles begann mit einem Zufall. Karina Bögers Mutter scrollte sich durch ihre Facebook-Timeline, klickte von einem zum anderen – und landete irgendwann auf der Seite des Bispingen-Touristik e.V. Dort stieß sie auf die Stellenanzeige, bei der sie sofort an ihre Tochter dachte. Einen Screenshot der Anzeige schickte sie deshalb gleich danach an Karina Böger. „Ich war im Urlaub in Sachsen-Anhalt. Als ich die Stellenanzeige sah, dachte ich sofort: Oh ja, cool. Warum eigentlich nicht?!“ Und dann ging alles ganz schnell. Karina Böger, kaum aus dem Urlaub zurück, schrieb eine Bewerbung – und wurde zu einem einwöchigen Praktikum eingeladen. Nach diesem Praktikum begann sie ihre Ausbildung. Seitdem sind zwei Jahre vergangen.

Als Tourismuskauffrau berät Karina Böger Touristen, die in Bispingen und der näheren Umgebung ihren Urlaub verbringen. Ob Kutschfahrten, Stadtführungen oder Veranstaltungen. Karina Böger hat den Überblick und informiert ihre Kunden über passende Angebote. Meistens auf Deutsch. Manchmal auch auf Englisch. „Dafür reicht mein Schul-Englisch bisher“, sagt Karina Böger: „Und wenn man einen Aussprachefehler macht, ist das nicht schlimm. Gerade Touristen aus Amerika sind total nett und unkompliziert.“ Neben dem Kundengeschäft kümmert sich Karina Böger auch um das Lager – um Souvenir-Artikel, Flyer und Plakate. Vor allem in den Wintermonaten, wenn weniger Touristen unterwegs sind, aktualisiert und bestellt sie neue Werbematerialien.

Zukünftig wird sie auch mehr Aufgaben für die Social-Media-Kanäle ihres Arbeitgebers übernehmen. „Ich habe also viel mit Medien und Menschen zu tun. Ein toller Mix“, sagt Karina Böger: „Im Grunde machen mir all meine Aufgaben sehr viel Spaß. Nicht so schön sind nur manchmal verärgerte Gäste, die sich über etwas beschweren. Das ist nicht immer so einfach.“ Dennoch würde sie den Ausbildungsberuf ihren Freunden sehr empfehlen: „Die Arbeit ist vielfältig. Man kann sich weiterentwickeln. Man kann ins Ausland gehen. Ich finde es perfekt.“

Info

Ausbildung Kauffrau/-mann Tourismus und Freizeit

Gehalt: 1. Jahr: 540 bis 570 Euro; 2. Jahr: 640 bis 680 Euro; 3. Jahr: 770 bis 820 Euro

Empfohlener Schulabschluss: Mittlere Reife

Dauer der Ausbildung: 3 Jahre

Arbeitszeiten: werktags, Wochenendarbeit möglich

Zukunfschancen (Weiterbildung, Studium): Weiterbildung zum Tourismusfachwirt oder Tourismusbetriebswirt, Studium in Tourismusmanagement.

Voraussetzungen, das wünscht sich dein Ausbildungsbetrieb: Gute Noten in Wirtschaft, Deutsch und Mathe. Außerdem sind Überzeugungskraft, Selbstorganisation sowie Sorgfalt und Genauigkeit gefragt.

Du solltest Kauffrau/-mann für Tourismus und Freizeit werden, wenn …

  • du offen und kommunikativ bist.
  • die Organisation und Teilnahme an Veranstaltungen genau dein Ding ist.
  • du viel Abwechslung in deinem Berufsalltag haben möchtest.

Du solltest auf keinen Fall Kauffrau/-mann für Tourismus und Freizeit werden, wenn …

  • du bei der Arbeit gerne allein sein möchtest.
  • der Gedanke, beruflich englisch sprechen zu müssen, dir riesige Angst einjagt.
  • es dir schwer fällt, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun.

Karina Böger lebt noch bei ihrer Familie. Zu ihrem Arbeitsplatz kann sie laufen oder mit dem Rad fahren. Ihr Fußball-Verein ist auch gleich um die Ecke. Keine Lust auf die weite Welt fern der Heimat? „Ich bin ein absoluter Familienmensch und einfach gern hier. Aber ich werde nach meiner Ausbildung auf jeden Fall nochmal ins Ausland gehen.“

Im kommenden Jahr wird Karina Böger nach Kanada fliegen – und mindestens ein Jahr bleiben. Ihre Oma und Tante betreiben in Nordamerika eine Pferdezucht. Karina Böger will mithelfen, das Land entdecken und noch besser Englisch lernen. Was danach kommt, ist noch offen. „Ich kann mir gut vorstellen, wieder zurück nach Bispingen zu kommen und hier zu arbeiten.“

Moin Future macht Schule

Lehrerinnen und Lehrer aufgepasst:

„Moin Future“ hat mit der LandesschulbehördeUnterrichtsmaterial zur Berufsorientierung erarbeitet. Interesse? Schreiben Sie „Moin-Future“-Projektmanagerin Dana Schumacher: schumacher@lueneburg.ihk.de.

Hier gibt es die Infos:

www.moin-future.de
www.instagram.com/moinfuture
www.facebook.com/ihklw