Donnerstag , 1. Oktober 2020
Maik und Maria Neumann suchen seit Jahren nach einem Haus in Lüneburg. Aus dem Kreis Lüchow-Dannenberg pendelt der Mediziner täglich zur Arbeit, darunter leide das Familienleben. Foto: Rouven Groß

Kein Ankommen in Sicht

Dünsche/Lüneburg. Ankommen. Dieses Ziel haben die meisten Menschen. Auch Familie Neumann. Vor knapp zwei Jahren ist das Paar mit seinen beiden kleinen Kindern i n den Norden gezogen, wollte seine beruflichen Vorstellungen verwirklichen und vor allem mehr Zeit füreinander haben. Mittlerweile fühlen sie sich nur noch getrieben, leben wie zwischen Baum und Borke. Schuld ist die Lage am Immobilienmarkt.

Ziel: Lüneburger Heide

Lange Zeit war Maik Neumann als Internist am Krankenhaus in Remscheid tätig, hat viel gearbeitet. Das wollte er ändern: „Besonders die Kinder haben sehr darunter gelitten, dass ich so selten zu Hause war. Deshalb habe ich mich umgesehen.“ Eine Stelle in einer Hausarztpraxis abseits der Großstadt schwebte ihm vor – und auch die passende Gegend war schnell festgelegt: die Lüneburger Heide. Sowohl der Mediziner als auch seine Frau Maria, Biologin von Beruf, stammen aus dem ländlichen Raum, er aus Dünsche im Landkreis Lüchow-Dannenberg, sie aus einem kleinen Ort im Weserbergland. Ein Leben auf dem Land wollten sie auch den Kindern bieten. Da kam das Angebot aus der Salzstadt gerade recht: „Ich konnte in Lüneburg Partner in einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis werden“, sagt Maik Neumann, „das war die Gelegenheit, zu gehen“.

Lange Vorbereitungen

Lange bevor sie Köln den Rücken kehrten, machten sie sich auf die Suche nach einem passenden Wohnobjekt – mit klaren Vorstellungen. Maria Neumann-Fraune: „Unser Traum war ein Resthof irgendwo im Lüneburger Umland mit fünf Zimmern und 2000 Quadratmetern Grundstück, in den wir gerne noch viel Arbeit gesteckt und nach unseren Vorstellungen umgebaut hätten.“ Das blieb bislang ein Traum.Maik Neumann erzählt: „Wir haben inseriert und uns in den gängigen Immobilienportalen angemeldet – und hatten durchaus auch Angebote.“ Geworden ist daraus nichts: „Meine Eltern haben sich einige Objekte angesehen. Es gab immer einen Haken.“ Mal waren die Häuser bereits an andere vergeben, mal waren die Preise „irre“, mal sollte ein Mieter mitgekauft, mal gleich eine ganze Familie unter demselben Dach beherbergt werden. Und immer wieder das leidige Thema Erbbaurecht. „Als ich dann einmal extra aus Köln kam, um mir in Kolkhagen ein vielversprechendes Gebäude anzusehen, stellte sich heraus, dass der Freund der Hausbesitzerin das Objekt inseriert hatte, sie aber gar nicht verkaufen wollte.“

Überbrückung im Provisorium

Viele solcher Erfahrungen hatte das Paar machen müssen – und bis zum Jobbeginn im Oktober 2017 nichts gefunden. „Also sind wir erstmal nach Dünsche gezogen“, sagt Maik Neumann. „Innerhalb von nur drei Monaten hat mein Vater das heruntergekommene Anwesen neben dem Wohnhaus meiner Eltern gemeinsam mit einer kleinen Baufirma saniert, damit wir überhaupt eine Bleibe hatten. Anfangs lebten wir dort ohne Bad und Küche. Das war hart.“ Diese Situation hat sich mittlerweile geändert – alles andere aber nicht. Maria Neumann-Fraune sagt: „Mein Mann fährt jeden Tag eineinviertel Stunden über die Landstraße zur Arbeit, bei Nacht und Nebel“. Und bei Eis: Wenn der Boden gefriert, ruft die Kollegin an und sagt ihm, er soll zu Hause bleiben. Aus Vorsicht. Doch die Gefahren lauern auch bei guter Witterung, wie er mittlerweile weiß: „Da kreuzt jede Menge Wild die Straße.“

Belastung fürs Familienleben

Der Zustand ist unhaltbar, darüber sind sich beide einig, auch weil es für die Jungs schwierig wird in Dünsche, wie die Mutter erzählt: „Wir haben hier keinen Kindergarten, lediglich eine Spielkreis, der bald aufgelöst werden soll.“ Die nächste Grundschule ist in Trebel, knapp sechs Kilometer entfernt – wenn sie denn mangels Nachwuchses nicht geschlossen wird. „Das geht so nicht weiter.“

Für Kompromisse bereit

Ihre Ansprüche haben sie schon zurückgefahren: „Wenn es nicht 2000 Quadratmeter Garten sind, reicht die Hälfte auch. Eigentlich sind wir so gar nicht die Fertigbautypen, zur Not würden wir aber auch das nehmen.“ Nur eins gehe gar nicht, ergänzt ihr Mann: „Beim Thema Erbbaurecht machen wir keine Kompromisse. Das ist doch absurd, ein Haus zu besitzen auf einem Grund, der einem gar nicht gehört. Das sind völlig überalterte Strukturen.“

Kraft für neuen Anlauf?

Über den Winter haben sie die Haussuche schleifen lassen, „wir waren müde, einfach kraftlos“, sagt er. Jetzt soll es einen neuen Anlauf geben: „Wir setzen uns im Urlaub zusammen und beraten, wie wir weiter vorgehen wollen. Es muss sich einfach etwas ändern.“ Haus und Hof seiner Eltern benötigten eigentlich Investitionen, „das Geld aber brauchen wir für eine Immobilie“. So leben sie derzeit hin- und hergerissen. „Wir sind nirgendwo angekommen.“

Von Ute Lühr

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